Biographien einiger Alchemisten

Die Biographien sind nicht alphabetisch geordnet, sondern annähernd nach den, sofern bekannt oder vermutet, Lebensdaten der Alchemisten. Es ist zu jedem Alchemisten jeweils ein kleiner Auszug der wesentlichen Anmerkungen aus meinem Buch „Faszination Alchemie“. Der gesamte Text mit Querverweisen ist im Mitgliederbereich kostenpflichtig nachzulesen.

Hermes Trismegistos

Die Geschichte der Alchemie fängt lange vor der Zeit der schriftlichen Aufzeichnungen an und ihr Ursprung wird auf Hermes Trismegistos zurückgeführt, einer legendären Figur, die aus der Verschmelzung des griechischen Gottes Hermes mit dem ägyptischen Gott Thot entstand. Der Grieche Hermes, in der römischen Mythologie Mercurius, Sohn des Zeus und der Nymphe Maia. war Gott der Reisenden, Kaufleute, Hirten und Diebe, geflügelter Bote des Göttervaters Zeus und Begleiter ins Totenreich. Die Hermen, Steinhaufen an Wegen und Weiden zum Schutz der Herden leiten sich von diesem Gott her. Er ist der Erfinder der Leier und ist ein Dieb, den er stiehlt seinem Halbbruder Apollo eine Rinderherde. Die Leier fertigt er aus einer Schildkröte und verzaubert mit der Musik auch seinen Halbbruder Apollo, der sie als Heiterkeit und Liebe und süßer Schlummer, als hermetische Kunst bezeichnet. Hermes hütet den Schlaf und die Träume, ist Heilkundiger, Wind-, Luft- und Wettergott und bewegt sich in allen Welten, dem Himmel der Götter, der Erde und der Unterwelt. Auch gilt er als Erfinder der Schrift, der Wissenschaft, der Kunst des Auslegens und Erklärens. Als Götterbote trug er den Heroldstab mit zwei Bändern, aus dem sich der Hermesstab, Kerýkeion, Merkurstab oder Caduceus genannt, entwickelte, der von zwei Schlangen umwundene geflügelte Stab, der nicht mit dem Äskulapstab, dem von einer Schlange umwundenen Stab, verwechselt werden sollte.

Als Hermes gilt er bei den Stoikern als Träger des Lógos spermatikós, den Neupythagoräern und Orphikern als Prophet des Logos, Verkünder der Lehren und des Wortes, den Neoplatonikern als Vernunftsgeist Logos, der als Vereinigung des ursprünglichen Logos mit dem Nûs von Anbeginn an Materie und Sinneswelt schuf, den Pantheisten als Weltherrscher und Allgeist und zum Nekromanten wurde. Doch damit nicht genug.

Hermes entspricht dem Mercurius der Römer, wird aber auch mit Ptah, Chnum und Thot, den ägyptischen Göttern, gleichgesetzt. Vor allem die griechischen Kolonisten, die im ganzen Mittelmeerraum Handelsniederlassungen errichteten, trugen zu dieser Vereinnahmung der unterschiedlichen Götter in ihr eigenes Götterbild bei, waren aber gleichzeitig diejenigen, die es für die Nachwelt schriftlich festgehalten haben. Mal gilt er als übergreifende Inkarnation all dieser Götter, für andere nur als einer dieser Götter.

Ptah war der Gott der Hauptstadt Memphis und der benachbarten Steinbrüche, und war deswegen auch der Gott der Künstler, Bildner und Gestalter. Der Hohepriester seines Tempels trug auch den Namen „Großer Vorsteher der Steinkünstler“. Den Theologen galt er aber auch als Schöpfer des ganzen Weltenbaues und ließ aus dem Chaos das Weltenei entstehen, den Ursprung der Schöpfung. Seine Kunst formt die ersten Götter- Statuen und schmückte sie mit Blaustein (Lapislazuli), Grünstein (Malachit) und Gold, und er ist der Gießer des Skarabäus, des des die Sonne über den Himmel vor sich her wälzenden goldenen Sonnenkäfers, Skarabäus. Sein Haupttempel in Memphis hieß auch die „Goldschmelze“ oder „Goldschmiede“, er selbst „Herr der Goldschmelze“, „Herr der Künste oder Künstler“, Seine Priester trugen auch diesen Titel, einer von ihnen wurde auch als „Meister der Kunst“ und der Hohepriester als „Oberster der Künstler“ bezeichnet.

Der widderköpfige Chnum war der Herr des Kataraktlandes und Gott der Zeugung und Fruchtbarkeit. Galt als Erfinder der Töpferscheibe, als Schmied, Künstler und Baumeister, später als Weltenbaumeister, Herr des künstlichen Geistes und des Lufthauches, des Pneumas. Der Gott Thot, auch Tehut, Taaut oder Tahuti genannt, war der Gott des Mondes, der Sternkunde, Herr über Maß, Gewicht und Ordnung und spiegelte das Prinzip des Wandels wieder, war für das Schreiben, die Wissenschaft, die Magie und die bildliche Darstellung zuständig und darüber hinaus Schreiber beim Totengericht und wurde als „Psychopompos“, als Seelen­führer in die Unterwelt verehrt. Thot hat auch den Beinamen „der Große“, durch Verdrei­fachung „Tris­megistos“, der „Dreimal­größte“, woraus sich Hermes Tris­megistos entwickelte. Auch Wotan wird oft gleich­gesetzt mit Hermes und Mercurius, zum Beispiel bei Tacitus.

Wirkliche Lebensdaten sind von Hermes nicht bekannt. Manetho, ein ägyptischer Priester, rechnet Hermes Trismegistos 36525 Bücher, die dieser geschrieben haben soll, zu, allerdings ist dieses Zahl wohl eher der Mystik geschuldet und entspricht nicht der Wirklichkeit. Die Zahl ergibt sich aus 25 Sirius- Perioden zu je 1461 Jahren, nach denen jeweils die Erneuerung der Welt stattfindet. Auch hinsichtlich seiner Wirkungsstätte und seines Grabes gibt es unterschiedliche Angaben. Einerseits spricht viel von einer ägyptischen Herkunft mit griechischer Abstammung, abgeleitet aus der Namensgebung. Einige Schriften legen sein Grab entsprechend nach Ägypten, z.T. sogar als Nebengrab in die Cheops- Pyramide. Wieder andere Quellen wollen das Grab im Tal Hebron im heutigen Westjordanland gefunden haben. Erhaltengeblieben ist seine Erinnerung im wesentlichen durch hermetische und alchemistische Schriften, die ihm selbst zugeschrieben werden oder ihn und seine Philosophie behandeln.

Jener Hermes Trismegistos soll einerseits die sagenumwobene Tabula Smaragdina und die Tafel von Memphis erstellt haben, als auch der Schöpfer des „Corpus Hermeticum“ und weiterer hermetischer Schriften sein, die wahrscheinlich aus dem 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. stammen. Die Tabula Smaragdina und den Corpus Hermeticum behandel ich weiter unten näher. Zur Tafel von Memphis aber hier die Anmerkung, dass der Text „Himmel oben, Himmel unten; Sterne oben, Sterne unten; Alles ist oben, Alles ist unten; Nimm es hin, es bringe Dir Glück“ auf ihr vermerkt sein sollte und nichts weiter über diese Tafel bekannt ist.

Frühere Schriften aus vorchristlicher Zeit werden heute als volkstümlicher Hermetismus bezeichnet und handeln von Astrologie, Alchemie, Magie und Geheimwissenschaften. Nach diesen Schriften muss das Große Werk in den ersten zehn Tagen des Pharmuthi (etwa die Monate März und April) begonnen werden und innerhalb von 6 Monaten vollendet werden, was in späteren Schriften nicht mehr erwähnt wird.

Der Legende nach sollen alle seine Schriften durch Dämonen übermittelte alte Traditionen der Alchemie wieder geben, festgehalten in vierundzwanzig Büchern, benannt nach den 24 Buchstaben des griechischen Alphabets, in denen aber auch anderes altes Wissen und besondere Kunstfertigkeiten übermittelt sind. Sämtliche Künste sollen in 1000 Worten genau erklärt worden sein, so auch die Umwandlung von Blei, Zinn und Eisen in Kupfer, Silber und Gold, aber auch von Blei in Zinn u.a. Hermes selbst soll die Texte auf Tafeln niedergeschrieben haben, die versteckt oder verschollen sind und erst der ägyptische König Nechepso fand sie wieder. Er verstand die Texte erst, nachdem er in scheinbar endlosen Gebeten den Beistand der Götter erfleht hatte.

Hermes Trismegistos ist nicht nur Namensgeber für die „hermetische Kunst“, der Alchemie, sondern auch für „hermetische Verschlüsse“, als Verschlüsse, die Luftdicht abschließen. Bei seinen Büchern „Siegel“ oder „Versiegeltes“ spielt der hermetischen Verschluss keine Rolle, denn es handelt sich hier lediglich um eine Umschreibung für Geheimnisse.

Im Dom von Siena ist eine Mosaik- Darstellung von Hermes Trismegistos, 1488 von Giovanni geschaffen, zu bestaunen, den man wohl eher nicht in einer christlichen Kirche erwartet hätte. Er übergibt dem Heiden- und dem Christentum ein Buch mit der Inschrift „Suscipe, o, litteras et leges Aegyptii“, also „Empfange hier Weisheit und Gesetzgebung des Ägypters“. In der Beschreibung ist zu lesen, er sei ein Zeitgenosse Moses` gewesen und heidnischer Prophet der christlichen Verkündigung. Die christliche Übernahme des Hermes als „Sanct Hermes“ im 10. Jahrhundert und „San Mercurio“ und „Hermes cattolicus cristianus“ im 14. Jahrhundert bezeugen, dass sich im Volk verankerter Glaube nur schwer beseitigen lässt und am besten durch Übernahme entkräftet wird. In der Renaissance gewann Hermes Trismegistos noch an Bedeutung, als das Werk „Corpus Hermeticum“ von Marsilius Ficinus 1471 erschien, in dem es als uraltes religiöses Werk ausgegeben wird.

Nach arabischer Überlieferung durch Al- Simawi um 1250 soll Hermes Trismegistos seine alchemistischen Kenntnisse direkt von Seth bekommen haben und dafür gesorgt haben, dass dieses Wissen über 28 Stufen bis zum Beginn der Neuzeit weiter gereicht wurde. Auch der arabische Historiker Al- Makrizi berichtet um 1430 n. Chr. von Hermes Trismegistos in Ägypten. Danach stand in einem Tempel, der durch den Pharao Nagush vor der Sintflut errichtet wurde, unter einer Kuppel aus „rotem Schwefel“ eine Statue von Aphrodite, umgeben von Edelsteinen, Metallen, Elixieren, Panaceen und Giften, zu ihren Füssen eine Figur aus Smaragd, die einen Mann darstellte, die „Das Buch der Weisheit“ in Händen hielt. Also hatte er seine Weisheiten schon vor der Sintflut erhalten? Jedenfalls soll er dieser Legende nach auch den Bau der Pyramiden veranlasst haben, da er die Sintflut vorher sagte und seine Bücher eben in dieser die Sintflut überdauern sollten.

Bei der weltlichen Macht wurde ihm vor allem von Kaiser Rudolph II., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches aus dem Hause Habsburg Hochachtung gezollt, der den Beinamen „Hermes Trismegistos Germanicus“ trug. Er unterstützte viele Alchemisten, war Förderer der Kunst und Wissenschaft, aber in seinen letzten Jahren faktisch entmündigt.

Agathodaimon

Agathodaimon, dessen Name so viel bedeutet wie „guter Geist“, war ursprünglich eine arkadische Naturgottheit, die in den Tempeln von Megalopolis und Epidauros verehrt wurde. Der Legende nach war er allerdings auch ein Alchemist im spätrömischen Ägypten, der nur aus den in mittelalterlichen alchemistischen Abhandlungen zitierten Fragmenten, hauptsächlich den Anepigraphos, bekannt ist, die sich auf Werke beziehen, die vermutlich aus dem 3. Jahrhundert stammen. Er ist vor allem wegen seiner verschiedenen Beschreibungen von Elementen und Mineralien, insbesondere seiner Beschreibungen einer vermeintlichen Methode zur Herstellung von Silber und einer Substanz, die er geschaffen hat und „feuriges Gift“ nannte, im heutigen Sinne das hoch giftige Arsentrioxid, bekannt. Das Symbol des Agathodaimon war der Ouroboros, die sich in den eigenen Schwanz beißende, sich häutende und damit von allen Krankheiten befreiende Schlange. Er steht für den ständigen Wechsel, dafür, dass nicht das Verharren den Kosmos erhält, sondern der Wechsel von Geburt, Tod und Wiedergeburt, das Zerstören und das Schaffen. So ist es nicht nur die dunkle, sondern ebenso die helle Seite für die Ouroboros steht, auch wenn in späteren Zeiten, wohl auch durch den Einfluss des Christentums, die Schlange zu einem gefährlichen und bösen Drachen und Agathodaimon zu einem ebensolchen Dämon wurde,

Die Schlange Ouroboros ist nach der Lehre des Agathodaimon das Symbol für das Große Werk, da bei ihr „der Anfang das Ende und das Ende der Anfang“ ist. Die Ursubstanz, die Materia prima kann in alle Metalle überführt werden und ebenso wieder in die Materia prima zurück verwandelt werden.

Agathodaimons Entdeckungen sind die Grundlage für die spätere Verwendung von Gift, da Arsen und verwandte Substanzen in späteren Jahrhunderten regelmäßig als Mittel zur Vergiftung und Ermordung verwendet wurden. Da die einzigen Aufzeichnungen seiner Existenz Referenzen in späteren Werken sind, mag er apokryphisch sein, andererseits könnte es sein, dass viele seiner Schriften verloren gingen. Viele der Schriften antiker Alchemisten wurden von einer Sekte, die sich Nestorianer nannten, bewahrt und gerettet, als sie um 400 nach Persien flüchten konnten.

Von Agathodaimon stammt auch das „Rätsel vom philosophischen Stein“, das in wörtlicher Übersetzung aus dem Griechischen etwa lautet:

Buchstaben zähle ich neun; viersilbig bin ich. Nun rate!

Merk‘: von den ersten drei Silben hat zwei der Buchstaben jede,

Aber die vierte hat drei. Fünf Buchstaben sind Konsonanten.

Bilde die Summe der Zahlen: Du findest zweimal Achthundert,

Dreimal Dreißig dazu, nebst Sieben. Hast Du mein Wesen

Nunmehr erkannt, so hast Du auch teil an göttlicher Weisheit.

Erste bekannte Erwähnung findet dieses Rätsel allerdings in den sogenannten „Sibyllischen Weissagungen“, die jüdische und christliche Texte enthält. Darin enthalten auch eine Erzählung, nach der Noah von Gott mit den obigen Worten befohlen bekommt, den sündigen Völkern noch einmal Buße zu predigen. Es scheint sich also mehr um ein Rätsel zu handeln, bei dem es um einen der vielen geheimen Namen Gottes geht als um ein alchemistisches Rätsel. Die Kenntnis eines der geheimen Namen Gottes soll dem Wissenden ungeheure Macht verleihen, wie Salomon „die neun Buchstaben des geheimen Namens des Herren“ kennt, und so durch die „Mysterien der neun Buchstaben“ den „Schlüssel allen Sichtbaren“ besitzt. Welcher Name gemeint ist, ist nicht bekannt, was logisch ist, denn dann wäre es kein geheimer Name mehr.

Pythagoras

Pythagoras soll etwa von 570 bis 497 v. Chr. gelebt haben. Es sind keine Schriften von ihm erhalten, lediglich Bewunderer und Kritiker haben ihm ein Nachleben bis in unsere Tage gesichert. Auf Samos geboren, soll seine Ausbildung zum ägypischen Priester in Theben stattgefunden haben, wo er sein Wissen über Religion, Mysterien, Künste, Naturwissenschaften und Alchemie erwarb. Um 530 v. Chr. gründete er eine Schule in Kroton (heute Crotone) in Kalabrien, die heute als erster Geheimbund gilt. Die Mitglieder sollen sich dem Guten und dem Kampf gegen das Böse verschrieben haben, das sie mittels ihres Wissens bekämpfen wollten. Doch wie bei allen Geheimbünden traten früh Probleme auf, wie die Kontrolle der Geheimhaltung, die Verfremdung der Lehre durch Unverständnis der Schüler und die Spaltung auf Grund der Unstimmigkeiten.

Pythagoras gilt als Pionier der Philosophie, der Mathematik und der Naturwissenschaften, betätigte sich aber auch religiös und politisch. Doch alle nachfolgenden wie auch die vorgehenden Bemerkungen zu Pythagoras sind mit Vorsicht zu genießen, da sie nur durch Hörensagen weitergetragen wurden. Nicht einmal hinsichtlich seines Todesjahres besteht Einigkeit.

Einigkeit herrscht dabei, dass er der erste war, der sich als Philosoph im Sinne von Freund und Sucher der Weisheit verstand, nicht im Sinne von Weiser. Er scheint vor allem durch seine Persönlichkeit und seine Lebensauffassung und -Führung gewirkt zu haben.

Für die Alchemie sind vor allem seine übermittelten Ansichten über die Zahlen, die Kosmologie und die Seelenwanderung, der Palingenesía, interessant. Die Zahl ist für Pythagoras das Wesen aller Dinge, alles lässt sich auf sie zurückführen. So steht die Eins für den Punkt, die Zwei für die Linie und die Drei für den Fläche und die Vier für den Raum. Das Quadrat, also die Vier steht in der Alchemie für Sal, den Körper. Den ungeraden Zahlen wird rechts und männlich zugeordnet, den geraden links und weiblich.

Sowohl Giordano Bruno als auch Galileo Galilei bezeichnen die kopernikanische Lehre vom heliozentrischen Weltbild als „pythagoräisch“, wobei anzumerken ist, dass dieser Begriff gerne benutzt wurde, da das Wort „Hermetismus“ in ihrer Zeit als politisch unkorrekt galt. Giordano Bruno bezeichnete in ketzerischer Weise die hermetische Philosophie als „wahre Philosophie“ (prisca philosophia) und wandte sich so gegen die bestehende Kirche und ihre Philosophie. Das Universum von Pythagoras sah nicht die Erde als Zentralgestirn, sondern ein unbekanntes Feuer, die Mutter der Götter. Zehn Himmelskörper umkreisten dieses Zentrum, die Erde, die Sonne, der Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn und die Fixsterne, sowie ein, die Gegenerde genannter Planet, der die Zahl Zehn vervollständigte. Diese Gegenerde befand sich immer diametral gegenüber dem Zentralfeuer und konnte so nicht gesehen werden. Dieses Weltbild wurde von Philolaos von Kroton, einem Anhänger Pythagoras‘ um 400 v. Chr. detailliert beschrieben. Bei ihm senden die Himmelskörper Töne aus, die Sphärenharmonie, die in der Alchemie durch die Prinzipien der Schwingung und der Entsprechung begründet werden. Noch für Johannes Kepler war die Sphärenharmonie Tatsache, da für ihn das Universum eine harmonisch geordnete Welt war.

Pythagoras soll darüber hinaus auch noch behauptet haben, bereits viermal zuvor gelebt zu haben und in der Zeit zwischen diesen Leben in verschiedenen Tier- und Pflanzenkörpern gewesen zu sein. Diese Ansicht entspricht sowohl fernöstlichen Lehren als auch der Mythologie Irlands. Während in der irischen Mythologie die Wiedergeburt nicht vom vorherigen Leben abhängt, wird in der fernöstlichen Lehre davon ausgegangen, dass man, je nach Betragen entweder zu einer höheren Spezies befördert wurde oder degradiert wurde.

Die Vorstellung von Unsterblichkeit und Seelenwanderung, der Palingenesía, fand um 600 v. Chr. viele Anhänger, die Orphiker. Die Orphik entstand um 700 v. Chr. in Thrakien und entwickelte sich aus dem Dionysos- Kult und verbreitete sich von dort im östlichen Mittelmeerraum bis nach Sizilien und Süditalien. Die Orphiker bildeten Geheimbünde, die gewisse Geheimlehren bewahrten und pflegten, in die man durch bestimmte Einweihungsriten aufgenommen wurde. Grundlage der Lehre war eine Theologie, die ihnen über die Dichtung des Thrakiers Orpheus, ihres gottbegnadeten Sehers und Stifters ihrer Mysterien, übermittelt wurde, sowie von seinen Schülern Musaios und Eumolpos, dem Begründer des ältesten Geheimdienstes der uns bekannten Welt. Wesentliche Kernpunkte dieses Glaubens waren die Lehre von der Reinigung, Entsühnung und Erlösung und der sich daraus ergebenden Möglichkeit der Befreiung der unsterblichen Seele aus dem Kreislauf von Tod, Seelenwanderung und Wiedergeburt und die Vergeltung des vorherigen Leben im Jenseits durch Lohn oder Strafe. Die eigenen griechischen Götter hatten an Autorität verloren und waren die Orphiker offen für neue Kulte, wie orientalischer, persischer und babylonischer Mythen, wie dem Schlangenkult des phrygischen Sabazios. Die Sprache der Orphiker war dunkel und vieldeutig, ihre Vorschriften befassten sich vor allem mit der entsprechenden Würdigung von Reinigung, Fasten und Bußen, der Verehrung und Beschwörung höherer Wesen durch Gebete, Sprüche und Formeln, sowie dem Empfang von Offenbarungen durch Vorzeichen, Wunder und Verkündigungen, und den Ideen ihrer Kosmologie und Theogonie, der Entstehung der Götter und der Welt. Viele übermittelte Zitate des Pythagoras bezüglich der Seelenwanderung beruhen auf dem Glauben diese Orphiker.

Pythagoras wurde für diese Denkweise sowohl von seinen Zeitgenossen als auch von nachfolgenden Generationen immer wieder verspottet, bis in die heutige Zeit, wo Leute, die diesem Denken nachgehen als „Esoteriker“ abgestempelt werden. Alchemisten hingegen sahen darin den Ausdruck des zyklischen Weltbildes wie beim Ouroboros, der sich in den Schwanz beißenden Schlange. Immerhin ist von ihm in der Turba philosophorum die Einladung an seine Schüler enthalten, mit ihm die Richtlinien der Arbeit festzulegen. Dies wird in der lateinischen Übersetzung als pythagoräische Synode bezeichnet.

Ostanes

Ostanes, gelegentlich auch Osthanes geschrieben, war ein legendärer Alchemist und Zauberer, der Verfasser der ersten magischen Abhandlung und Lehrer des Demokrit. Der Legenden nach wurde er entweder in Alexandria oder in Persien geboren und soll zum einen als geistiger Nachfolger von Zarathustra im 5 Jahrhundert v. Chr. gelebt haben, einer anderen Legende nach war er Hofastrologe und nach Herodot Schwager von Xerxes, dem Ersten von Ägypten, der auch etwa um diese Zeit lebte. Überliefert sind von ihm fast nur Zitate und keine eigenen Werke und wird er gerne in der arabischen und persischen Alchemie zitiert. Auch „Das Buch der zwölf Kapitel über den ehrenhaften Stein“, mit dem arabischen Titel „Kitab al-Fusul al-ithnay ‘ashar fi ‚ilm al-hajar al-mukarram“ wird ihm zwar zugeschrieben, ist aber wohl von einem Pseudo- Ostanes geschrieben worden.

Die Zitate lassen allerdings darauf schließen, dass Ostanes den astrologische Aspekte in die Alchemie eingeführt hat. Von ihm sollen die Zeilen „ Die Natur freut sich der Natur, die Natur überwindet die Natur, die Natur beherrscht die Natur“ stammen, die alchemistisch gedeutet bedeuten, dass die Naturkräfte der Körper eine freundliche Aneignung gegeneinander zeigen, dass eine Naturkraft stärker sein kann als eine andere und daher die Aneignung aufgehoben wird und dass die Naturkraft, die stärker ist als alle anderen, Aneignungen sowohl aufheben als auch neue hervorrufen kann. Sie sollen der Legende nach bei einem Gottesdienst in einer sich öffnenden Säule zum Vorschein gekommen sein und von Demokrit in die Welt getragen worden sein. Diese Sätze zeigen starke Ähnlichkeit mit der dualistischen Religion des Zarathustra oder Zoroaster, in der das Feuer als Teil des Weltenfeuers große Bedeutung als Symbol für das Licht der Welt zukommt.

In einem „Adler“ genannten Traktat von Ostanes soll er das Große Werk beschrieben und dessen Dauer mit einem Jahr angegeben haben. Im „Schreiben des Ostanes an Petesis“ ist angegeben, dass das „göttliche Wasser“ durch siebenmalige Destillation in einem gläsernen Ambix erstellt werden kann und magische Wirkung haben soll. Kupfer werde durch das göttliche Wasser zu Gold, alle Krankheiten, auch die der Armut, werden geheilt und sogar Tote geweckt.

Als Ostanes seinen Tod nahen sah, soll er seine Schriften geordnet haben und seinen Schülern untersagt haben, irgendetwas zu verändern und sein Wissen nur Reinen und Würdigen mitzuteilen oder die Geheimnisse deutlicher zu enthüllen. Diese Geheimnisse habe er sorgfältig verborgen wie „die Pupille seines Auges“ und so riet er seinen Schülern vor beginn des Großen Werkes die Götter um ein reines Herz und „Einsicht in die Pupille des Auges“ zu bitten. Einer andere Legende nach soll Ostanes der Besitzer einer in den sieben Sphären aufgefundenen Zaubertafel mit der Summe aller Weisheit gewesen sein, deren philosophischen, astrologischen und dämonologischen Inhalt er in seinem „Buch des Ostanes“ niedergelegt haben soll.

Merkwürdig bleibt bei Ostanes, dass er von Demokrit als der erste Alchemist angesehen wird, sich in seinen Schriften aber auf die Lehren der Alten bezieht und darauf verweist, dass die Neuen nicht in ausreichendem Umfang an diese Schriften glauben. Trotz mancher Zweifel wurde er von Damigeron an „Magorum omnium magister“, als Meister aller Magier bezeichnet und soll das Buch „Die Kräfte der Steine“ verfasst haben, sowie allgemein bewandert gewesen sein in den geheimen und wunderbaren Eigenschaften der Steine, Tiere, Pflanzen, Tierkreiszeichen, Planeten und Medizin.

Phimenes von Sais

Der im Papyrus X erwähnte Phimenes wird allgemein als Pammenas angenommen, aber auch als der von Tacitus erwähnte ägyptische Magier Pammenes. Nachgesagt wird ihm, er habe sich in seinen Schriften zu deutlich über die ihm anvertrauten Geheimnisse ausgelassen, dass er den Tadel seines Meisters einstecken musste. Der Meister soll übrigens Ostanes gewesen sein, der darüber hinaus auch Demokrit und Maria, die Jüdin, ausgebildet haben soll. Leider sind von Phimenes keine Schriften erhalten, die dies bestätigen könnten.

Empedokles

Mit Empedokles wandeln wir nun auf dem Grat zwischen Legende und Wirklichkeit in den Bereich der Wirklichkeit, denn von Empedokles sind doch etliche Fragmente seiner Schriften erhalten, ist aber auch ein Großteil seines Gesamtwerkes verloren. Er lebte etwa von 495 v. Chr. bis 435 v. Chr. und wurde in Agrigent auf Sizilien geboren, wurde deshalb auch Empedokles von Akragas genannt, lebte aber später im Exil in Griechenland. In seiner Lehre schreibt er die Gedanken vom ewigen Kreislauf, den schon Ostanes vertrat, fort. Empedokles gilt als Begründer der „Vier- Elemente- Lehre“ von Feuer, Wasser, Luft und Erde, die er als Träger des Seins ansah. Zwar nannte er die Urstoffe noch „die vier Wurzeln aller Dinge“ (rhizomata), doch die absolute quantitative und qualitative Unveränderlichkeit bilden die Grundlage dieser Lehre.

Die einzelnen Dinge gehen nicht mehr durch innere Wandlung aus einer einheitlichen Physis hervor, sondern durch äußere Ver- oder Entmischung der kleinsten Teilchen der vier als Wurzel bezeichneten Grundstoffe, die er später Elemente nannte und so dem Begriff Element die heutige Bedeutung gab. Die vier Elemente waren bestimmten Gottheiten zugeordnet. Die Zuordnung ist allerdings nicht eindeutig. So ist zwar klar, dass das Wasser der Nestis, einer sizilianischen Wassergöttin, zugeordnet war, aber Zeus steht mal für Feuer, mal für Äther, mal für Erde, mal für Luft, manchmal aber auch für Erde und Luft, je nach Deutung. Ähnliches gilt für Hera, der Lebensspenderin, die auch schon mal als Göttin der Erde gesehen wird. Zwischen den Elementen herrscht ein Gleichgewicht, es gibt keinen Vorrang, und bei ihnen wie bei den ihnen zugeordneten Qualitäten Kälte, Wärme, Feuchte und Trockenheit ist eine enge Zusammengehörigkeit anzunehmen, da Wärme und Trockenheit dem Feuer und der Luft anhängen, Kälte und Feuchte dem Wasser und der Erde. Bei Empedokles gibt es keine den Elementen übergeordnete Substanz, sondern Wasser besteht aus kleinen Wasserteilchen, Luft aus kleinen Luftteilchen, Feuer aus kleinen Feuerteilchen und Erde aus kleinen Erdteilchen. Alle Dinge entstehen aus einer unterschiedlichen mechanischen Vermengung oder Trennung dieser Teilchen, nicht aus einer inneren Verschmelzung. Die Teilchen lassen sich aus den Dingen auch wieder herausholen. Die richtige Mischung der Elemente und das Gleichgewicht der Elemente spielen bei Empedokles ein wichtige Rolle, da z.B. in Blut, Fleisch und Knochen die Elemente in bestimmter Menge vorhanden sein müssen. Im Knochen sind es zwei Teile Wasser, 4 Teile Feuer und 8 Teile Erde. Gesundheit und körperliche Eigenschaften ebenso wie geistige Fähigkeiten und Tätigkeiten sind bedingt durch die richtigen Mischungen. In diesem Sinne hat Empedokles auch großen tiefgehenden Einfluss auf die Medizin des Hippokrates und des Galen gehabt. Empedokles sah die vier Elemente als nicht beseelt an, denen es galt Leben einzuhauchen. Dieses konnte nur durch fremde Kräfte geschehen wie Liebe und Hass, die er sowohl als geistiger als auch körperlicher Natur ansah.

Platon führte die Vier- Elemente- Lehre fort, in dem er behauptete, Luft, Wasser und Feuer seinen veränderlich, die Erde aber unwandelbar. Aristoteles, ein Schüler Platons, hielt alle vier Elemente für veränderlich, da sie alle auf einem Urelement basierten, dem fünften Element, auch „Quinta Essentia“, das „fünfte Wesentliche“ genannt. Auch war es Aristoteles, der den vier Elementen jeweils zwei Qualitäten zuordnete, der Erde ist kalt und trocken, das Feuer ist warm und trocken, die Luft ist warm und feucht und das Wasser ist kalt und feucht. Mit Aristoteles setzt auch die schriftlich belegte experimentelle Naturerkundung ein, da zuvor hauptsächlich in Gedankenexperimenten versucht wurde, die Welt und ihre Ursachen zu erklären.

Demokrit

Ein Zeitgenosse Empedokles‘ war Demokrit von Abdera, der etwa von 460 v. Chr. bis 371 v. Chr. gelebt haben soll und somit das stattliche Alter von immerhin 90 Jahren erreicht haben könnte. Seine Reisen, auf denen er sich sein umfangreiches Wissen über Zoologie, Botanik, Mineralogie, Sternenkunde, Technik u.v.m. aber auch über Magie und Zauberei angeeignet haben soll, führte ihn in viele Länder, deren Liste von Generation zu Generation, von Biograph zu Biograph länger wurde. So soll er vom Mittelmeerraum bis Asien, Indien und Äthiopien unterwegs gewesen sein.

Aus den Schriften Dritter ergeben sich weitere bemerkenswerte Lebensereignisse. So soll er von einigen Magiern, die als Begleiter mit Xerxes unterwegs waren, im Hause seines Vaters in Geheimwissenschaften unterrichtet worden sein, also etwa 20 bis 25 vor seiner Geburt. Er gilt als Schüler von Ostanes, den er in Memphis in Ägypten aufgesucht haben soll, und von dem manche gedankliche Ansätze bei Demokrit hergeleitet werden können, aber auch Vorschriften zur Anfertigung von Gold und Silber gelehrt wurden, sowie Anregung zum „Buch der Färbekunst“ bekam. Demnach konnte er Gold, Silber, Edelsteine, Perlen und Gewänder färben, ein Hinweis darauf, dass vielleicht schon die Färbung eines Metalls in güldenes Ansehen ausreichte, dem Färber die Kunst der Goldmacherei zuzuschreiben.

Von den Schriften Demokrits sind nur Fragmente erhalten. Aus diesen Fragmenten und aus den Zitaten seiner Werke lässt sich schließen, dass er der „Erfinder“ des Atommodells ist, nachdem sich alle Dinge aus kleinen unteilbaren unveränderlichen Einheiten, den Atomen, zusammensetzen. Durch unter­schiedliche Anordnung der Atome ergeben sich unterschiedliche Stoffe, durch Bewegung und geänderte Konstellationen der Atome entstehen aber auch andere sinnlich erfahrbare Phänomene wie Farben. Seiner Meinung nach besteht die Seele aus Seelenatomen, die nach dem Tod eines Menschen ausgestreut werden und sich einem anderem grade entstehenden Leben wieder anschließen. Demokrit wird auch der Satz „Der Mensch, eine kleine Welt“ zugeschrieben, eine Andeutung der Mikro- Makrokosmos- Beziehung der Alchemie. Plinius erwähnt die Werke „Chirocmeta“ und „Peri Chymon“, eine Sammlung seiner Werke trägt den Titel „Physik und Mystka des Demokrit“, welches aber heute als pseudo- demokritische Schrift dem Bolos von Mendes zugeschrieben wird. Bemerkenswert ist diese Schrift vor allem wegen der in ihr enthaltenen ersten Erwähnung der vier Phasen der Erstellung des Opus Magnum mit Schwärzung (Nigredo), Weißung (Albedo),Gelbung (Citrinitas) und Rötung (Rubedo). Demokrit soll aber auch die Magie in sein Denksystem eingeführt haben, wobei unter Magie der Begriff „Naturphilosophie“ nach Plinius verstanden werden sollte, nicht Zauberei. Wie viele seiner Philosophen- Kollegen soll Demokrit viel gereist sein und auf seinen reisen viele neue Ideen aufgenommen und in seiner Philosophie verarbeitet haben. Bei den Chaldäern soll er Astrologie, bei den Ägyptern in Memphis alle Mysterien der Naturphilosophie und der hermetischen Künste gelernt haben. Bis nach Indien und Äthiopien sollen seine Reisen geführt haben, so dass Clemens Alexandrinus über ihn schreibt, er sei unter seinen Zeitgenossen derjenige, der den größten Teil der Welt gesehen und dabei Forschungen der seltsamsten Art betrieben habe. Seneca berichtet, Demokrit erfand die Kunst, Steine zu schmelzen, den Smaragd nachzubilden und in beliebiger Farbe zu färben. Und Petronius Arbiter berichtet, dass Demokrit aus allen Kräutern Säfte presst, keinen Stein und kein Gesträuch unversucht lässt, ob sich nicht verborgene Kräfte finden könnten. Demnach hätte Demokrit eindeutig alchemistisch gearbeitet, auch wenn der Stein der Weisen keine Erwähnung findet. Aber Zweifel bleiben. In später im zugeschriebenen Texten sagt er, dass das „große Werk“ auf Durchdringung und Vereinigung gewisser körperlicher Substanzen und geistiger Qualitäten beruht, wobei durch Aufhebung und Zerstörung der alten Wesen ein neues erzeugt wird, dessen Beschaffenheit davon abhängt, welcher in die Mischung eingehende Bestandteil der stärkste ist, denn „die Natur freut sich über die Natur…“. Voraussetzung bei dem des Werkes Beflissenen ist daher genaue Kenntnis der körperlichen und geistigen Naturen, ihrer Arten und Abarten, Verwandtschaften, Zu- und Abneigungen, Sympathien und Antipathien; denn durch Sympathie z. B. zieht der Magnet das Eisen an, durch Sympathie mischen sich Wasser und Wein, durch Antipathie aber trennen sich Wasser und Öl. Wesentlicher Bestandteil jedes Materials ist der Dunst oder Rauch, die Aithále, die aufsteigt, wenn man es erhitzt. Es sei die innere Natur, die Psyche, Seele, Hauch oder Geist, das Pneuma des Materials, welches gleichzeitig für die Färbung des Materials zuständig ist, einer der veränderlichen Qualitäten, die bei der Transmutation übertragen und neu entfacht werden können.

Kein Zweifel besteht, dass Demokrit der Ansicht war, dass ausnahmslos alle Erscheinungs-, Vorstellungs- und Gedankenbilder konkrete stoffliche Wesenheiten sind, deren Eigenschaften sich auf den betrachtenden Menschen übertragen könnten, ja selbst die Seele besteht für ihn aus Feueratomen. Dieser Idee begegnet man in mancher neuzeitlichen spiritistisch- esoterisch- okkultistischen Bewegung, in deren Gedankenwelt alles auf immer kleinere Grade der Materie herunter gebrochen wird, einschließlich der Seele und der Lebensgeister.

Demokrit sollte man nicht verwechseln mit Demokritos, dem Platoniker, der im 3. Jahrhundert n. Chr. gelebt hat und der ebenfalls Einfluss auf die Alchemie hatte. Ihm wie seinem Namensverwandten eilte der Ruf des Magiers nach, was aber mehr auf der Zuschreibung von Werken als auf seinem eigenen Wirken beruht. Viele seiner angeblichen Werke wurden nach heutiger Ansicht von Bolos von Mendes verfasst, der zur „Schule des Demokritos“ gehört haben soll, und enthalten jede Menge abergläubisch- unsinnige Sprüche, dass schon bei den lateinischen Biographen der Verdacht aufkam, diese Werke könnten unmöglich von einem allseits geachteten Denker und Philosophen stammen. In diesen weiteren Werken, die nicht mit Sicherheit Demokrit zugeschrieben werden können, erscheint auch das Thema Geheimhaltung. Alle seine Lehren sollten als Geheimnis gehütet und nur ausgewählten Berufenen unter besonderen Zeremonien und magischen Beschwörungen weiter gegeben werden. Der Einweihende muss aber auch darüber Bescheid wissen, dass bestimmte erforderliche Rituale wie das Beschreiben des Armes mit magischen Symbolen und dessen Sichtbarmachen mittels Holzkohlepulver gegen das durch die Heilige Schrift erlassene Verbot der Zauberei verstößt, aber als Schutzmaßnahme gegen die mitwirkenden, aber derweilen auch gefährlichen Geister und Dämonen erforderlich seien.

Platon

Platon als Alchemisten zu bezeichnen wäre etwas weit hergeholt, trotzdem findet sich bei ihm so manch alchemistischer Gedanke, der nicht unerwähnt bleiben sollte und der für nachfolgende Alchemisten von entscheidender Bedeutung war. Platon lebte von 428 bis 348 v. Chr. und war Schüler von Sokrates, aber auch stark von Pythagoras beeinflusst. Wie er glaubte er an die Unsterblichkeit der Seele, die eine Seelenwanderung nicht ausschloss. Nach Platon hat die Seele bereits vor der Geburt die Ideen der Gegenstände der Welt bereits erlernt. Ein Baum ist ein Baum ist ein Baum, weil wir die Idee des idealen Baumes bereits vor der Geburt kennenlernen und in Erinnerung behalten. Alle Gegenstände, die wir sehen, sind nur unvollkommene Abbildungen des idealen Gegenstandes. Andererseits war es Platon, der auch der Seele eine materielle feinstoffliche Grundlage zuerkannt. Diese unterschiedlichen Gewichtungen der Gedanke Platons führte einerseits zur Überbewertung des Körperlichen im Neoplatonismus und der gnostischen Lehre, aber zur zeitweisen Geringschätzung in der Alchemie, wo das Prinzip Sal= Körper von einigen Alchemisten ignoriert wird.

Nach Platon setzt sich die Welt aus den vier Elementen zusammen, die bereits Empedokles in die Philosophie eingeführt hatte. Platon führt in seinem Werk „Epinomis“ das fünfte Element ein, die Quinta essentia“, den Äther. Dieses Element findet sich zwischen dem Firmament der Fixsterne und der Erde mit seinen Lebewesen.

Stoffumwandlung geschieht nach Platon aus der algebraischen Kombination der geometrischen Urformen, aus Trennen und Vereinen. Griechisch heißen sie Spao und Ageiro, aus dem sich das Wort Spagyrik bildete, das bei Plotin im 3. Jahrhundert n. Chr. und dann wieder bei Paracelsus zu finden ist.

Grundsätzlich war Platon von seinen philosophischen und alchemistischen Vorgängern, vor allem den Pythagoräern und den Orphikern, beeinflusst, und nutzte ihre Gedanken zur Errichtung seines eigenen unvergänglichen philosophischen Lehrgebäudes. Zur Naturgeschichte kam er erst spät in seinem Leben, als sein philosophische Gebäude bereits fest stand und seine Ideen zur Naturgeschichte erheblich beeinflusste. In Platons grundlegenden Überlegungen zur Natur geht er von einem Ersten, Unvergänglichen, Unbegrenzten aus, das unsichtbar und auch von anderen Sinnen nicht wahrnehmbar ist, das ungeformt und ungestaltet ist, aber allbildsam und allempfänglich ist und von Platon als „Mutter“ und „Schoß“ aller Dinge bezeichnet wird. Hier scheiden sich schon die Deutungsversuche. Die Einen sehen im Unbegrenzten den leeren Raum, die Anderen die eigentliche in steter Bewegung befindliche Urmaterie. Selbst Platon schwankt, vor allem im Alter zwischen diesen Ansichten, was eine Erklärung nicht einfacher macht.

Nach Platon geht das Erste, Unbegrenzte aus dem Zustand des Nichtseins zur körperlichen Realität, zum eigentlichen bestimmten Körper über indem es zunächst die Formen der vier Elemente annimmt. Dies geschieht durch Abgrenzung einer geometrischen Gestalt, in zwei Arten rechtwinkliger Dreiecke, die entstehen, wenn man ein Quadrat teilt. Unverständlich? Ich denke, es ist unverständlich, denn allein dass etwas Unvergängliches kraft eigenen Willens sich in geometrische Formen verändert, scheint zunächst einmal reinste Mathematik und Gedankenexperiment. Schon die bloße mathematisch- geometrische Abgrenzung schafft also aus dem Unbegrenzten etwas in geometrischen Formen Begrenztes. Platon schreibt nun den fünf „platonischen Körpern“, den Elementar- Kristallen, bestimmte Formen zu, dem Feuer das Tetraeder, der Luft das Oktaeder, dem Wasser das Ikosaeder und der Erde das Hexaeder, sodass diese Gestalten der Elemente ihre Natur hervorbringen. Das Dodekaeder wird auf Grund seiner genäherten Kugelform des Weltganzen als Form des Äther betrachtet, allerdings erst in Platons Spätwerk auch als fünftes Element. Die Elemente sind nur Modifikationen der form- und qualitätslosen Urmaterie und sind daher fähig, entweder unmittelbar oder mittelbar, nämlich über den Umweg über die Ursubstanz, ineinander über zu gehen. Die Erde nimmt eine Sonderstellung ein, da ihre Form aus dem Quadrat entstammt und gleichseitigen Dreiecken entspricht. Die Luft, das Feuer und das Wasser entstammen diesen gleichseitigen Dreiecken, so kann zwischen ihnen auch in unmittelbarer Übergang stattfinden. Ein Oktaeder Luft kann sich in zwei Tetraeder Feuer verwandeln und ebenso umgekehrt, ein Ikosaeder Wasser in zweieinhalb Oktaeder Luft oder zwei Oktaeder Luft und einen Tetraeder Feuer. Alles ist wandelbar, jegliches kann zu jeglichem werden unter Verdichtung oder Verdünnung, in endlosen unaufhörlichen Kreisläufen. Jedes Element strebt nun zu seinem natürlichen Ort, also immer Gleiches zu Gleichem. Eine Ausnahme bildet nur der Äther, der keine Qualitäten, wie Kälte oder Wärme kennt, und sich nicht verwandeln oder verwandelt werden kann, aber es besitzt allein die vollkommene Bewegungen, die Kreisbewegung.

Aus den vier Elementen entstehen alle Einzeldinge, deren Verschiedenheit sich aus der Verschiedenheit der Zusammensetzung ergibt. Wasser geht beim Erwärmen in Dampf und Luft über, beim Abkühlen wieder in Wasser, auf der Erde sodann in Eis und Schnee und unter der Erde zu Gesteinen und Mineralien. Je nach Reinheit und den Einflüssen von Wärme, Kälte Druck und Zeit entstehen Tone, Salze, Gesteine, Erze und Metalle, deren Ursprung, das Wasser sich beim Schmelzen zeigt. Das edelste Metall ist das Gold, da es die dichteste, gleichförmigste und feinste alles Substanzen ist, dem Oreichalkon (wobei unklar ist, was Platon damit meinte), Silber, Kupfer, Eisen u.a. untergeordnet sind.

Die vier Elemente bilden auch die Körper der Menschen und Tiere, allerdings ist die erde nur in reinem und feinen und das Feuer in abgeschwächten Zustand vertreten. Dem Feuer strömt der belebende Lufthauch durch Einatmen zu, das Pneuma, das bei Platon zum ersten Mal auch als seelisches Prinzip erwähnt ist. Die richtige Verteilung der Elemente im menschlichen Körper sind Vorbedingung für Gesundheit. Geraten die Elemente aus dem Gleichgewicht, so erkrankt der Mensch, wobei dies sowohl körperliche als auch geistige Krankheiten bedeuten kann.

Wie alles Irdische besteht auch alles Himmlische, das Weltall. Die Weltenachse, ein Spindelstab mit einer Spitze aus Stahl, ruht im Schoß der über allem thronenden Notwendigkeit, der Ananke und steht unter dem Schutz ihrer Kinder, der Parzen. An der Weltenachse, an der im Zentrum auch die Erde befestigt ist, sind um sie herum die acht konzentrischen Sphären befestigt mit einem jeweiligen Abstand der der Länge eine der schwingenden Saiten der harmonischen Töne entspricht. Die achte Sphäre, an der die Fixsterne befestigt sind, ist bunt, die siebte, die gelbliche trägt den Phainon, den Lichtbringer, der später durch Kronos bzw. Saturn ersetzt wurde, die sechste, glänzend weiße trägt den Phaethon, den Leuchtenden, der später durch Zeus bzw. Jupiter ersetzt wurde, die fünfte, rötliche, trägt den Pyrôeis, den Feuerfarbigen, der später durch Ares bzw. Mars ersetzt wurde, die vierte, gelbliche trägt den Eosphoros oder Phosphoros, der Morgenstern, der später durch Aphrodite bzw. Venus ersetzt wurde, die dritte, weißliche, trägt den Stilbon, den Glänzenden, der später durch Hermes bzw. Merkur ersetzt wurde, die zweiten, glänzenden trägt den Helios, die Sonne und die erste, von Helios bestrahlte, trägt die Selene, den Mond. Jeder Sphäre ist eine Sirene zugeteilt, die einen lautet Ton erklingen lässt, und die zusammen den harmonischen Weltenklang, die Harmonie der Sphären, die Sphärenmusik ergeben. Mond, Sonne und Planeten werden als Beweger der Seelen gesehen, die Fixsterne haben eine Seele, die als Sternengötter gelten, die, weil es auch ägyptische und syrische Götter sind, nicht einmal griechische Eigennamen haben und die in drei Klassen eingeteilt sind, die olympischen Götter, die Sternengötter und die Dämonen, die wiederum in ätherische, als solche der Luft und des Wassers gesehen werden. Die Ananke und ihre Töchter üben einen lenkenden Einfluss auf die Himmelswelt auf und somit auf Grund der Parallelität von Mikrokosmos und Makrokosmos auch auf die Geschicke der Menschen, die im Umkehrschluss in ihrem Schicksal abhängig sind von der Bewegung der Planeten und Sterne.

Das eigentliche dauernde Wesen der Dinge, ihre wirkliche Substanz nennt Platon Usía, und stellt dieses Beharrende in den Gegensatz zum Werdenden und Wandelbaren, dass er Genesis nennt. Übergänge der Stoffe erfolgen bei Platon durch Alloíosis, Artverwandlung und die sich dabei ändernden oder ausgleichenden Gegensätze benennt er als erster als Qualitäten.

Während im frühen Christentum die Lehre Christi und die alten Weisheiten des Platon als seelenverwandt angesehen waren, wurden spätestens mit entstehen der christlichen Staatsreligion durch die sich formierende Kirchenmacht die Gegensätze hervorgehoben, später prägten gar Opferkult und Teufelsglaube das Christentum und zwischen Kirche und Philosophie entwickelte sich ein Kampf auf Leben und Tod, wobei der Kampf vornehmlich von der christlichen Kirche ausging, die keine anderen Ideen neben sich dulden konnte. Platoniker, Neoplatoniker, aber auch Mystiker, Naturphilosophen und Alchemisten wurden verfolgt und zogen sich in geheime Zirkel zurück, aus denen später u.a. die Rosenkreuzer und die Freimaurerei entstanden.

Im 11. Jahrhundert n. Chr. taucht ein Buch eines Alchemisten namens Platon auf, doch handelt es sich eindeutig nicht um den historischen Philosophen Platon. Einfluss hatte dieses Werk aber doch auf einige Alchemisten, die sich sodann auf Platon als einen der Ihren beriefen.

Aristoteles

Aristoteles, der Schüler Platons, gilt ebenfalls nicht unbedingt als Alchemist, auch wenn für ihn hinsichtlich der untergeschobenen mittelalterlichen Literatur das selbe gilt, wie für Platon. Aristoteles lebte von 384 bis 322 v. Chr. und gehört zu den bekanntesten griechischen Philosophen, der maßgeblich die Naturphilosophie beeinflusste, aber auch die Logik, die Biologie, die Physik, die Ethik und die Wissenschaftstheorie.

Für die Alchemie ist von Bedeutung, dass er die Elementenlehre des Empedokles ausformte. Er schuf die Verbindungen der vier Elemente mit den vier Eigenschaften feucht, trocken, warm und kalt. Danach besitzt alles Greifbare zwei Eigenschaften. So ist die Luft warm und feucht, das Wasser kalt und feucht, das Feuer warm und trocken und die Erde kalt und trocken. Wird eine der Qualitäten extrem gesteigert, so entsteht bei extremer Kälte aus Wasser Eis und kann auch als Wandlung zu einem anderen Element gesehen werden. Wärme und Kälte gelten als aktive Qualitäten, Trockenheit und Feuchte als passive Qualitäten. Daraus lassen sich sechs Arten der Paarung herleiten, von denen zwei ausscheiden, da sich Wärme und Kälte und Trockenheit und Feuchte nach Aristoteles nicht vereinen lassen. Diese Ansicht ändert sich erst nachhaltig bei Paracelsus, der die Tria principia wieder aufgreift und damit die ausgeglichenen Qualitäten. Alle Elemente sind zur raschen und leichten Wandlung ineinander fähig und zwar in der Richtung Feuer- Luft- Wasser- Erde und ebenso in umgekehrter Richtung. Ein Überspringen eines Elementes ist allerdings schwieriger als die Umwandlung eines Elementes in ein benachbartes Element, da zwei Qualitäten geändert werden müssen. Die Umwandlungen geschehen in einem unendlichen Kreislauf oder Zyklus und bei Beibehaltung des Gleichgewichtes zwischen den Elementen.

Abbildung 4: Platon und Aristoteles, Detail aus Raffaels „Die Schule von Athen“ Im Gegensatz zu Platon ist bei Aristoteles die Urmaterie ein körperlicher Stoff, der zur Metabolé fähig ist, was zunächst Bewegung und Ortsveränderung bedeutete, später aber auch Veränderungen von Größe und Eigenschaften. Zu den Veränderungen der Eigenschaften zählen die Alloíosis, die Artverwandlung, die Synthesis, die äußere Vermischung und die Míxis, die innere Verbindung. Hieraus entstehen die vier Elemente, die nicht bloße mechanische Vermischungen der Elemente sind, sondern durchaus einheitliche eigene Stoffe, die aber alle Elemente enthalten, aber in jeweils unterschiedlichen Mengenanteilen, aber nur noch potentiell auslösbar aus der neuen Substanz.

Nach Aristoteles sind alle Umwandlungsprozesse Stoffwechselprozesse, die dem Prozess der Verdauung ähnlich, als Folge von Wärme ablaufen.

Aristoteles kennt vier Prinzipien. Nach dem ersten Prinzip gibt es eine Materie des nicht Geformten, die noch jeder Bestimmung entbehrt, aber die Möglichkeit der Verwirklichung enthält, und die alchemistisch als Materia Prima anzusehen ist. Das zweite Prinzip ist die Formgebung, in welchem die Materie in die Gestalt des aktuellen Daseins gebracht wird. Das dritte Prinzip ist die Kraft als bewegende Ursache für den Beginn des zweiten Prinzips, die Umwandlung. Das vierte Prinzip ist der Zweck, das schließlich zu erreichende Ziel, welches dem ganzen Vorgang vorschwebt. Nach Albertus Magnus bedeutet Alchemie die Rückführung dieser Prinzipien, also die Rückwandlung in die Materia Prima, und der Neudurchlauf der Prinzipien zur Schaffung des Steins der Weisen. Von Alchemisten wird die Materia Prima oder prima materia auch als „unser Chaos“ oder als „finsterer Klumpen“ bezeichnet. Die Materia Prima in den Lapis pilosophorum zu erhöhen bedeutet die gefallene Schöpfung in den paradiesischen Zustand zurück zu führen.

Nach Aristoteles bewirken die Gegensätze Bewegung. So gibt es das absolut Leichte, das Feuer und das absolut Schwere, die Erde. Dazwischen gibt es das relativ Leichte, die Luft und das relativ Schwere, das Wasser. Die Symbole für Feuer, Erde, Luft und Wasser deuten mit ihren Richtungen schon an, wie sie einzuordnen sind. Daraus ergibt sich für den Alchemisten, dass er theoretisch auch nur mit zwei Elementen, dem Element Wasser (Prinzip Merkur) und dem Element Feuer (Prinzip Sulfur) arbeiten kann. Übrigens ergeben die Symbole Feuer und Wasser übereinander gelegt ebenso das Hexagramm wie die Symbole Erde und Luft. Aristoteles hat den vier Elementen vier Qualitäten zugeordnet, die Trockenheit, die Kälte, die Feuchte und die Hitze. Verändert man diese Qualitäten, verändert sich der Ausgangsstoff und lässt sich so gezielt transmutieren.

Das fünfte Element, die feinstoffliche Quinta essentia, ist bei Aristoteles eigentlich kein Element, da für den Äther die Gesetze der Elemente nicht gelten, entspricht aber vom Wesen dem fünften Element nach Platon, dem Äther zwischen Himmel und Erde. Allerdings stellt er auch die Theorie auf, nach der das fünfte Element niemals auf der Erde existiert sondern nur in Verbindung mit der Bewegung der Sterne und Planeten. Der Äther ist immateriell, einfach, unentstanden und unvergänglich, frei von den Qualitäten, und in endloser einheitlicher Kreisbewegung begriffen. Dieser vollkommene unwandelbare Umschwung des Himmels und der Gestirne ist das erhaltende Moment im Universum, während die Schiefe der Ekliptik das Verändernde hinzufügt. Aus dem Zusammenwirken beider erklären sich die grad- und krummlinigen Bahnen der irdischen Stoffe und die mit ihr verknüpfte Veränderung der Materie, die also letztendlich aus die Bewegung der Himmelskörper hervor geht. Sämtliche Himmelkörper werden von lenkenden Göttern durch den Raum geführt, gelten in der Regel als „gute Geister“ (und sind später auch als Schutzengel erhalten geblieben) und gehören den Untergöttern an, die als mal wohlgesinnte, mal bösartige Dämonen zwischen der Weltenseele und den körperlichen Dingen schweben.

Hinzuweisen ist noch auf das „Steinbuch des Aristoteles“, das nach heutiger Kenntnis nicht von Aristoteles stammt, sondern dem syrisch- persischen Kulturkreis um 850 n. Chr. zuzuschreiben ist, das aber inhaltlich für die Alchemie interessant und bemerkenswert ist, auch wenn es im Laufe der Jahrhunderte vielfach überarbeitet und im Original nicht mehr vorliegt. In diesem Buch sind insgesamt mehr als 70 Mineralien beschrieben, von denen vor allem die Folgenden von Bedeutung sind: Schwefel, das als gelber, weißer und roter Schwefel erwähnt wird, Arsen, der als gelbes und rotes Arsen erwähnt wird, beim Verkalken zu einer weißen giftigen Masse wird, Kupfer weiß färbt, ideal als Zugabe für Feuerwerk sei und mit Kalk und Nura, wobei leider nicht bekannt ist, was das sei, vermengt als Enthaarungsmittel dient, Magnesia im Sinne von Braunstein, also Manganoxid, das für Glasmacher als Färbemittel unentbehrlich war, aber vielfach auch als Synonym für Pyrit oder auch Markasit benutzt wurde, Ithmid, Synonym für Schwefelantimon, zuweilen aber auch Schwefelblei und Tutia, was heute als Zinkoxyd bekannt ist und das als hervorragendes Augenheilmittel galt. Aus Kalksand und Kalkstar entsteht Vitriol, eine glasartige Masse mit unterschiedlichen Farben, zu dem auch das für die Färberei wichtige Alaun zählen sollte.

Für all diese Substanzen gäbe es Spezialisten, die sich nur mit jeweils einer Substanz und ihrer Anwendung befassten und niemals darüber hinaus gehen durften.

Salze gab es in verschiedenen Arten, wobei das Beste das feste schneeweiße Salz sei, an dessen Fundstellen man aber auch das leicht entzündliche Naphtha (Rohbenzin) fände. Mit dem Salz gleich gesetzt werden das Kali aus verbrannter Asche bestimmter Kräuter und das zum Waschen genutzte Nitron oder Natron und Borax, dass aus gewissen Salzseen gewonnen wurde und beim Löten und Schmelzen eingesetzt wurde.

Der Diamant gilt als Edelster der Edelsteine und fände sich ausschließlich in einer unzugänglichen Schlucht Indiens, von der zuerst eine Legende über Alexander des großen berichtet. Er warf große Stücke frischen Fleisches in die Schlucht und große Raubvögel trugen die Fleischstücke mit den anhaftenden Diamanten aus der Schlucht heraus. Diamanten werden im feuer nicht angegriffen, löschen es vielmehr Dank ihrer besonders kalten Natur. Diamanten ziehen Gold an wie ein Magnet, da sie eine Neigung zueinander hätten, während Blei ihm feindlich sei und ihn zerstören könne.

Bei den Metallen ist das Gold das einzige reine und unveränderliche Metall, während alle anderen, auch das Silber, unterschiedlich durch Blei oder Quecksilber verdorben oder durch Schwefel geschwärzt seien. Aus Kupfer könne man Messing machen, allerdings seien Gefäße aus Messing oder Kupfer tödlich giftig, da in ihnen ein tödliches Gift verborgen sei, dass die Getränke und speisen vergiften würde, das aber mittels Essig aus dem Gefäß herausgezogen werden könnte. Zinn, dass oft mit Blei verwechselt oder als Blei angesehen wurde, sei ein unreines Silber, das man von Weichheit, Gestank und Geschrei befreien müsste, um Silber zu erhalten. Eisen entstammt dem Erz, das als Magneteisen vom riesigen Magnetberg im indischen Ozean stammt. Im Feuer entsteht der rote Eisenrost und durch bestimmte Zusätze würde es zu Stahl. Blei wird aus Ithmid, Bleiglanz, gewonnen und ist frei von Trockenheit, kalt und weich, und zerbricht doch Diamanten. Im Blei enthalten ist das glänzende Bleiweiß, das für Salben benutzt werden könne, das weiße Wasser, das durch Essig aus dem Blei gezogen würde und die Bleiglätte, die durch Erhitzen aus dem Blei entweiche. Wird das Blei weiter erwärmt, so wird es rot und Mennige entweicht, aus dem mit Öl Bleipflaster angefertigt wurden. Quecksilber ist ein beschädigtes Silber, so schwer, dass alle Mineralien auf ihm schwimmen, nur nicht Gold. Ist Quecksilber schon giftig, so ist sein Dampf noch viel giftiger. In verkalktem Zustand färbt es Kupfer weiß, mit Schwefel erhitzt färbt es sich rot und wird zu Zinnober, aus dem man es durch Brennen in gläsernen Gefäßen wieder herausziehen kann. Zinnober wird oft mit Mennige verwechselt, aber auch mit Bleiglätte und Rötel.

Ferner wird noch auf die Herstellung des Steins der Weisen verwiesen, des philosophischen Steins, dessen Ursubstanz sich im Kot findet, als weiß und rot, die entweder Silber oder Gold hervorbringen. Aus Silber wird Gold durch die Einwirkung des Satanssteins, der aber als bekannt vorausgesetzt und nicht genauer erläutert wird. Man kann aber auch Farsalus nehmen, wohl Talk oder Glimmer, das aber auch Quecksilber fixieren, Blei und Eisen in Silber und Gold verwandeln kann und ebenso Kupfer in Silber und Silber in Gold. Kupfer wird weiß durch Zugabe von Quecksilber und durch Arsen, und zu Gold durch Schwefel. Aber die Zugabe von Borax oder Vitriol führt zu einem Metall, dass aussieht wie Gold aber nicht feuerbeständig ist.

Erst Galilei stellte die Theorie auf, dass die gleiche Physik sowohl auf der Erde wie auch zwischen den Planeten und Sternen gelten müsse. In der Alchemie konnte die Quinta essentia nur als Produkt alchemistischer Kunstfertigkeit auf die Erde gelangen,

Die Lehren von Platon und Aristoteles hatten lange für alle Wissenschaft grundlegende Bedeutung und aus diesem Grunde war eine ausführliche Darstellung ihrer Weltsicht erforderlich und hat hoffentlich den geneigten Leser nicht zu sehr verschreckt.

Maria Prophetissa

Nicht nur Männer hatten sich der Alchemie verschrieben und zu den bedeutendsten frühen Alchemisten zählt eine Frau, Maria Prophetissa, auch Maria, die Jüdin genannt, die etwa im 2. Jahrhundert in Alexandria, Ägypten, lebte und wirkte. Der Legende nach war sie die Schwester Moses‘, die Prinzessin von Saba, aber auf jeden Fall mit übernatürlichen Kräften ausgestattet. Einer anderen Legende nach wurde sie zusammen mit Demokrit in Ägypten von Ostanes in den hermetischen Künsten ausgebildet, was rein zeitlich schon nicht geht, da sie etwa 500 Jahre später lebte. Der arabische Historiker Al- Maqrizi berichtet über sie, dass der Kalif Al- Mamun sie in ihrem Dorf, dass einen ärmlichen Eindruck machte, besuchte. Wegen der Ärmlichkeit wollte er schon weiterziehen, doch Maria sagte ihm, er solle sie nicht beschämen und verweilen. So blieb er und wurde fürstlich bewirtet und zum Abschied übergab Maria ihm 10 Beutel mit Gold, soviel, dass Al Mamun dazu sagte, selbst der Kronschatz könne kein solches Geschenk darbieten. Doch Maria hob eine Hand Sand auf und sagte „Aus dieser stammt das Gold, ich besitze es in ungeheurer Menge“. Der Kalif sprach ihr daraufhin viele Nachbardörfer zu und stellte diese Dörfer steuerfrei. Das sie Jüdin gewesen sein müsste wird aus dem überlieferten Ausspruch „Berühre den Stein der Philosophen nicht mit deinen Händen, denn Du gehörst nicht zu unserem Volke, Du bist nicht vom Stamme des Abraham“. Auch soll der Gedanke, dass im Stein der Weisen das männlich und das weibliche Prinzip perfekt vereint sind, die für die Wirksamkeit verantwortlich sind, stammen. Auch gibt sie an, dass für das Große Werk nur eine bestimmte Jahreszeit, der Pharmuthi in Ägypten (entspricht etwa unseren Monaten März und April), geeignet ist. Nachgesagt wird ihr auch, eine Methode entwickelt zu haben, Steine im Dunkeln leuchten zu lassen, was aber nach heutiger Erkenntnis wohl auf natürliches Nachleuchten mancher Edelsteine, Mineralien und Schmelzen beruhte, die längere Zeit in der Sonne lagen oder stark erwärmt wurden.

Ihr werden vor allem zahlreiche Erfindungen zur alchemistischen Laborarbeit zugeschrieben, wie das Aschenbad zum regulierten Erhitzen von Substanzen, dem Mistbeet, um kontrollierte Gärungsprozesse zu erhalten und vor allem das beheizbare Wasserbecken. Aber auch der erste Destillierapparat Tribikos soll ihre Erfindung sein, der aus einem Füllgefäß, dem Bíkos, einem großen stabilen Glasgefäß, einem Abzugsrohr aus Ton, Glas oder Kupfer, Solén oder Röhre genannt, dem Rezipienten, einer Art Flasche mit verengtem Hals. Gegebenenfalls können statt eines Abzugrohres auch mehrere Rohre eingesetzt werden mit eben so vielen Rezepienten, dem sogenannten „Zweikörper“ oder „Dreikörper“ der Maria. Die Sulfite, die sich an der Rückflussapparatur ablagern, tragen noch heute den Namen „Schwarz der Maria“. Von Maria soll der mystisch- kryptische Ausspruch „Aus Eins wird Zwei, aus Zwei wird Drei, und das Eine des Dritten ist das Vierte; so werden die zwei eins.“ stammen. Auch ihr werden allerdings eine Vielzahl von Fälschungen untergeschoben, zum Teil schon von „Fast- Zeitgenossen“ wie Zosimos aus Panopolis. Ihre Schülerin Kleopatra die Alchemistin, die etwa im 3. Jahrhundert gelebt hat, hat das Buch Chrysopoeia (griechisch für Goldmachen) geschrieben. In dem Buch sind mystisch-philosophische und experimentelle Elemente der Alchemie vermischt und es finden sich Bilder alchemistischer Geräte, zum Beispiel zur Destillation (Alambic) und Beschreibungen zur Herstellung von Elixieren darin.

Kleopatra

Auch die vorgebliche Schülerin der Maria namens Kleopatra sollte nicht unerwähnt bleiben. Ihr werden eine Reihe von Werken zugeschrieben, wie zum Beispiel „Goldmacherei“, „Heilige und göttliche Kunst der Philosophen“, „Über Maße und Gewichte“, die in Fragmenten existieren, die aber heute als untergeschoben gelten, da magische und spät- gnostische Aussagen enthalten sind, die unmöglich ihrer Zeit entsprechen. Sie wird gelegentlich mit Maria Kleophas gleichgesetzt, die in den gnostischen Evangelien eine herausragende Rolle neben der Heiligen Maria spielt, und von Gnostikern als „perfekt in der Gnosis“ bezeichnet wurde und damit auch in Magie und ihr zugerechneter Chemie als bewandert galt. Auf keinen Fall sollte man sie mit der Kleopatra aus Caesars Zeiten gleichsetzen, der allerdings auch alchemistische Kenntnisse nachgesagt wurden.

Galenus

Galenos von Pergamon, der im deutschen Sprachraum auch Galen genannt wird, war ein griechischer Arzt und Anatom, der aber vorwiegend in Rom tätig war und um das Jahr 200 n. Chr. lebte. Er verband die philosophische Idee der Vier- Elemente- Lehre mit der Viersäftelehre des Hippokrates und verfeinerte sie. So gilt er neben Hippokrates als Vater der Medizin der antiken Welt und verbindet Medizin mit alchemistischem Gedankengut. Seine Medizin galt bis ins 17. Jahrhundert als vorherrschende Lehrmeinung. Die Galenik, die Lehre von der Zubereitung von Arzneimitteln, ist nach ihm benannt.

Geboren wurde er um 130 n. Chr. in Pergamon als Sohn des Architekten und Mathematikers Nikon, der ihn in aristotelischer Philosophie, Mathematik und Naturlehre unterrichtete. Ab 146 studierte er Medizin in der Nähe von Smyrna und reiste mit 19 Jahren nach Alexandria, dem Zentrum der Heilkunst dieser Zeit und dem einzigen Ort, an dem Untersuchungen an Leichen einschließlich Obduktionen durchgeführt werden durften, und in dem auch eine Vielzahl an Schriften über die Medizin einschließlich umfangreicher Abbildungen vorhanden waren.

Um 158 kehrte er nach Pergamon zurück und wurde zunächst „Sportmediziner“, versorgte als Wundarzt Gladiatoren und betrieb eine eigene Praxis. Von 161 bis 166 war er in Rom als Arzt auch der Aristokraten tätig, ging aber mit der Pestepidemie zunächst nach Pergamon zurück um aber 168 mit Kaiser Marcus Aurelius nach Aquileia, einer Stadt im Norden Italiens, zu reisen, wo angeblich die Pest ausgebrochen war. Galen beschrieb immer sehr genau die beobachteten Symptome und in diesem Fall lassen sie darauf schließen, dass es sich nicht um die Pest handelte sondern um die Pocken. 169 wurde er auf eigenen Wunsch Leibarzt des Kaisersohns Commodus und später des Kaisers Lucius Septimius Severus Pertinax. In Rom starb er auch, wobei die Angaben stark voneinander abweichen. So ist er den Historikern nach zwischen 199 bis 216 gestorben. Galen verfasste etwa 400 medizinische Schriften, die von Oreibasios in 70 Büchern zusammengefasst wurden und die noch heute zu einem Viertel erhalten sind, entweder im griechischen Original oder in arabischen, syrischen und lateinischen Übersetzungen.

Demokritos

Demokritos ist von Demokrit von Abdara, dem Vorsokratiker, der um 400 vor Christus gelebt hat, zu unterscheiden. Demokritos war Platoniker und starb wohl 268 n. Chr. Longinos schreibt über ihn, dass er wohl kein origineller Denker war, aber fleißig älteres Wissen sammelte und lehrbuchmäßig vermittelte.Einige alchemistischen Schriften mit seinem Namen sind aber wohl Fälschungen, als deren Verfasser Bolos von Mendes in Betracht gezogen wird, wobei noch zu bedenken ist, dass vielfach nicht zwischen Demokritos und Demokrit von Abdara unterschieden wurde, ja beide Demokritos benannt sind, was eine Wertung älterer Schriften schwierig macht.

Zosimos von Panopolis

Zosimos von Panopolis lebte als gnostischer Christ Anfang des 4. Jahrhunderts in Ober- Ägypten und gehörte der Poimandres- Gemeinde, den Anhängern Hermes‘ an. Schon seit seiner frühen Jugend lebte er in Alexandria und lernte dort zunächst, später lehrte und schrieb er dort seine Abhandlungen. Zu diesen Abhandlungen zählen zunächst die 28 Bücher „Cheirókmeta“, dass er seiner mystischen Schwester, der Chemikerin Theosebeia widmete, und das unter Verwendung der Arbeiten sämtlicher Vorgänger und eigener Erfahrungen eine enzyklopädische Darstellung der gesamten Chemie war. Auch das „Buch des Imuth“ und das „Buch der Tetraden“ sollen von ihm stammen. Von allen gibt es lediglich Übersetzungen und Neufassungen seiner Schüler und Anhänger, die nach heutiger Forschung, fleißig verändert und ergänzt haben. Wegen des Umfangs aber auch wegen der mystischen Anspielungen und ekstatischen Visionen wird Zosimos auch als „der Alte“, „der Göttliche“ und „die Krone der Philosophen“ bezeichnet.

Mit Zosimos kommt die Alchemie der Antike zu einem Abschluss und einer Öffnung zu neuen Themen. Für ihn war nicht nur das Werk des Alchemisten wichtig, sondern auch der Charakter des Alchemisten, genauer der des Adepten, musste makellos sein, ja von Gott begnadet. Aus diesem Denken resultiert die Verschwiegenheit der Alchemisten und das Schreiben in kryptischen Zeilen, die viele Texte für den Laien unverständlich machen sollten. Der Alchemist wird Magier, muss neben den handwerklichen Fähigkeiten und dem theoretischen Wissen auch über visionäre und intuitive Fähigkeiten verfügen. In seinem Werk „Peri aretes“ schildert er Traumvisionen, unter anderem eine Vision, in der ein Kupfermensch zum Silbermenschen und dann zum Goldmenschen wird. Eine Vision, die sein Bild von der Alchemie bezeichnet und für Generationen prägt: Die Alchemie als Mischung von Magie, Mystik, Forschung und Selbsterfahrung, von psychischer und physischer Lehre.

Nach Zosimos ist das Große Werk eine Errungenschaft der Ägypter, die seit alten Zeiten die Künste der Behandlung, Schmelzung und Färbung der Metalle beherrschten. Ihre Lehren standen in Hieroglyphen auf den Säulen der Tempel und wurden unter Androhung schrecklicher Strafen behütet. Die Priester waren beim Erhalt und der Darbietung der Opfergaben auf magische Wirkung angewiesen und begegneten jedem mit Feindschaft, der versuchte, diese Geheimnisse zu ergründen. Zu den Geheimnissen gehörte „die Kenntnis des Abwägens der Stoffe“ und „die Kenntnis von der Verbindung der Stoffe nach gewissen Verhältnissen“ sowie zuvorderst „die Kenntnis der Verwandlung der Stoffe“. Diese Künste waren allein den Priestern vorbehalten und wurde göttliche Kunst, heilige Kunst, Großes Werk, unsere Kunst oder großes Mysterium genannt. Um Priester werden zu können musste man viele Vorbedingungen erfüllen und sich der Gnade Gottes würdig erweisen. Der angehende Priester musste rein, erfüllt von Frömmigkeit und guter Gesinnung sein, frei von Eigennutz und Habgier, bereit, viel zu opfern und viele Gebete zu sprechen, fähig zur tiefsten seelischen Versenkung, einen rastlosen Fleiß besitzen, sich strenge an die Wahrheit halten und die Kunst allein ihrer Göttlichkeit wegen zu betreiben, endlich muss er kundig sein der „richtigen Zeiten und glücklichen Momente“, der entscheidenden Einflüsse der Planeten, sowie der Gebete, der Beschwörungen, der Zauberstoffe (Zauberkräuter), der magischen Formeln und Handlungen, die erforderlich sind, um göttliche Mithilfe zu erlangen und die Hindernisse, Verwirrungen und Störungen abzuwehren, die seitens neidischer, dem bösen persischen Geist Antimimos gleichender Dämonen drohen. Von vornherein fruchtlos würden alle Versuche der Ungelehrten und Betrüger sein, die nicht nach Erkenntnis streben, sondern nach Gold und nach Heilung der unheilbaren Krankheit „Armut“, die mit mehr Aussicht auf anderen Wegen zu erreichen ist, z. B. durch eine reiche Frau mit großer Mitgift, wie Zosimos schreibt. Nur wer diesen Anforderungen entspricht, ist ein Würdiger, dem die Gottheit durch Visionen und Träume im magischen Schlafe die Geheimnisse und Wahrheiten zukommen lässt, die dem Munde eines geweihten Priesters entströmen.

Der vielleicht gruseligste, merkwürdigste Abschnitt der Schriften Zosimos ist der über seine dämonisch- extatischen Visionen, in der die Zerstückelung des Leibes, das Abschaben des Fleisches, und das Abtrennen des Kopfes an die „sekundäre Bestattung“ eines urägyptischen Mythos erinnert, Zosimos sieht in seinen Visionen, die er als göttliche Gnade für den im magischen Schlafe Befangenen ansieht, das Geheimnis der alchemistischen Transmutation, wie aus dem als Phiále, der Kuppel des Destillierapparates, gestalteten Altar ein Menschlein (Humunculus) aufsteigt, ein Kupfer­menschlein, eine Kupferplatte in Händen haltend, gekleidet in ein kupferfarbenes rotes königliches Gewand. Durch ein Bad in schwarzer Brühe und durch Verbrennung von „Blut und Knochen des Drachens“ zum Argyranthropos oder zum Asemanthropos, zum Silbermenschen, der ganz in weiß gekleidet ist und der glänzenden Gestalt des Agathodaimons im Feuer erscheint, dann aber durch die Glut „rote Augen“ bekommt und Chrysanthropos, zum Gold – Menschen wird. Dieser goldgewordene Kupfermensch, auch Zinnober der Philosophen genannt, ist Ziel und Ende des Großen Werkes. Das Blut und die Knochen des Drachens sind Teile des Ouroboros, der Schlange des Agathodaimon, und man erhält sie durch Schlachten und Verarbeiten des Fleisches und der Knochen. Der Drache besitzt drei Ohren und vier Füße, die die drei Aithálai, die Dünste des Schwefels, Arsens und Quecksilbers sowie die vier Metalle der Tetrasomie, Blei, Kupfer, Zinn und Eisen, symbolisieren. Der Ouroboros symbolisiert dabei das ganze Große Werk, die Materia Prima und das Endprodukt, Eines in Allem und immer nur Eines, wie auch die Materia prima trotz der Wandlung im Großen Werk immer als solche bestehen bleibt.

Im Zuge der Visionen verkündet eine Stimme „Pneuma werde ich durch Zwang, durch die Gewalt des Beschwörers, des Hierurgen, des Gebieters des Tempels (des Ofens), des Bewachers der Pneumata, der mich umgewandelt hat.“ So wirkt auch das Xerion durch die Macht der Pneumata, die Veränderungen jeder Art hervorrufen können. Sie sind in vielen Pflanzensäften wie dem des Schöllkrautes oder des Safrans enthalten und können z.B. Färbung bewirken, wie die Säfte mancher „Zauberkräuter“ wie der Alraune gewisse magische Eigenschaften entfalten. In den Visionen zeigen sich Magie und Theologie in enger Verbindung und Zosimos als wahren Propheten und Inhaber der Gnosis.

Zosimos beschreibt auch sehr ausführlich die von ihm verwendeten Apparaturen und Öfen, die sich kaum von den Beschreibungen bei Demokrit, Maria oder Kleopatra unterscheiden. Gefertigt werden sie aus Ton oder Glas, wobei Glas den Vorteil hat, durchsichtig zu sein und den gefahrlosen Umgang mit schädlichen oder giftigen Stoffen zu zu ermöglichen. Detaillierte Beschreibungen sind im Kapitel „Die Gerätschaften der Alchemisten“ zu finden.

Im „Pharmazeutischen Traktat“, dass wieder Theosebeia gewidmet ist, beschreibt er auch die medizinische Anwendung nützlicher Stoffe, wobei er auf Dioskurides und Galen zuweilen wörtlich zurück greift. Er benennt Heilstoffe wie kimolische und samische Erde, lemnische Siegelerde, Asphalt und Bitumen und gelben Sand (Auripigment).

Von Zosimos stammt auch das Zitat „Erfahrung ist die große Meisterin, denn auf Grund bewiesener Ergebnisse lehrt sie den Verständigen das Vorteilhafteste.

Das Zeitalter der griechischen Philosophen endete mit der Schließung der „Schule von Athen“, der platonischen Akademie im Jahr 529, die von Kaiser Justitian angeordnet wurde, dem Zeitgenossen nachsagten, fanatisch und beschränkt- religiös gewesen zu sein.

Chalid ibn Yazid

Gleich beim ersten arabischen Alchemisten geraten wir in den erwähnten Sumpf der Geschichte. Chalid ibn Yazid hat von etwa 635 bis 704 gelebt und war Sohn Yasid I., einem Kalifen von Damaskus. Nachdem seine Bemühungen um ein Kalifat nicht von Erfolg gekrönt waren, widmete er sich in Alexandria medizinischen, astrologischen und alchemistischen Studien. Er soll Schüler von Morenius, einem alexandrinischen Christen gewesen sein, der wiederum Schüler von Stephanos gewesen sein soll, einem griechischen Alchemisten. Von seinem Werk „Paradies der Weisheit“, einem Lehrgedicht in 2315 Strophen, von denen leider nur eine erhalten ist, die übersetzt etwa lautet: „Nimm Talk, dazu ammonisch Salz, und was Du findest auf der Straße, Dann etwas, was dem Baurak (Alkali, später Borax) gleicht, und mische es im rechten Maße. Was höchste Macht der Welt verleiht, das wird dem Mann gewährt, Der alles dies genau vollbringt, und fromm den Allah ehrt“.

Das bekanntestes Werk von ibn Yazid soll „Liber de compositione alchimiae“ heißen und wurde im 12. Jahrhundert ins Lateinische übersetzt. Allerdings gibt es zu diesem Werk kein arabisches Original mehr. Andererseits gibt es viele Verweise in arabischen Büchern auf Chalid ibn Yazid, so dass an seiner Existenz nicht gezweifelt wird. Dort gilt er als Alchemist und Verantwortlicher für diverse Übersetzungen aus dem Griechischen ins Arabische. In dem schon genannten Buch und dem zweiten ihm zugeschriebenen Buch „Liber trium verborum“, beide im Theatrum Chemicum, einem alchemistischen Sammelwerk, enthalten, verbindet er alchemistische Handlungen mit astrologischen Einflüssen, etwas, was heute noch von Bedeutung ist, zum Beispiel beim Tarot- Karten- Legen.

Geber

Sicherere Erkenntnisse liegen über den zweiten Alchemisten vor. Abū Mūsā Dschābir ibn Hayyān wird in der lateinisierten Form Geber oder Jabir ibn Hayyan genannt. Er lebte wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts und soll Schüler von Dscha’far Alsadiq gewesen sein, doch ist über sein Leben wenig bekannt. Dafür sind viele seiner Texte erhalten, darunter allerdings auch wieder Texte, die erst im Mittelalter um 1400 entstanden und die heute einem Pseudo- Geber zugeordnet werden.

Seine Bedeutung für die Alchemie beruht vor allem auf der Lehre vom Gleichgewicht der Naturen feucht- trocken- warm- kalt mit harmonischen Verhältnissen der Einzelteile sowie auf der Lehre von der fraktionellen Destillation, die Stoffe durch Destillation in ihre Naturen aufzuspalten. Auch gilt er als erster Alchemist, der eindeutig aufzeigt, dass Alchemie nicht nur qualitativ arbeitet, sondern, vor allem auch mittels Waage, quantitativ. Er erwähnt als erster das Wort Lebenselixier. „Iksir“ bedeutet im Arabischen etwa „unschätzbares Gut“ und kann frei mit Quintessenz übersetzt werden. Der Stein der Weisen gilt als dieses unschätzbare Gut, das unedle Metalle in Gold und Kranke in Gesunde verwandeln kann.

Sein Werk reicht aber auch bis in die Lehren der theoretischen Medizin, der Anatomie und der Augenheilkunde. So könnte er Paracelsus zu seiner spagyrischen Lehre inspiriert haben, aber dies ist Spekulation. Als Chemikalien kommen bei ihm unter anderen Almizadir (Salmiak), Duenec (Vitriolum), Baurac (Alkali) Seisarat (gelbes Schwefelarsen) und Alcofol (Schwefelantimon) zur Anwendung. Er beschreibt meist flüchtig, Verfahren, wie das Reinigen der Metalle, die Gewinnung von Ölen aus Pflanzen, die Aufbewahrung in verzinnten Gefäßen, das reinigen mit Seife und Alkali und die Destillation zum Beispiel des Rosenöls. Das Gefäß, in dem viele Reaktionen ablaufen nennt er Alutel oder alutel pergamenum, der Ofen zur Erhitzung für das Große Werk wird als Athanor bezeichnet.

Sein „Buch des Königs“ gilt als das fünfte von fünfhundert seiner Bücher und rühmt sich, das Große Werk in aller Klarheit darzustellen, warnt aber auch davor, dass Geheimnis zu verraten, da es die Welt in ein entsetzliches Verderben stürzen würde, wäre Gold so verfügbar wie Glas. Entsprechend ist seine Beschreibung weder klar noch nachvollziehbarer als viele andere Schriften. Die Methode, die er beschreibt, dauert nur 14 Tage, oder 9 Tage oder einen Augenblick, wenn man das reinste, kräftigste und beste Präparat zur Verfügung hat.

Sein „Buch der Milde“ soll ebenso klar und deutlich geschrieben sein, was allerdings ebenfalls nicht wirklich stimmt und er beschreibt das Große Werk als einfache Fixierung von Quecksilber.

Im „Buch der Gleichgewichte“ werden die vier Elemente in richtigem Mischungsverhältnis für das Große Werk benötigt. Trockenheit, Feuchte, Geist und Seele müssen zugegeben werden, das Verhältnis ergibt sich aus den Sternen nach den astrologischen Regeln des Ptolemäus. Das richtige Verhältnis ist dann bewiesen, wenn das Ergebnis, der fertige Stein purpur und kermesfarbig ist und gleichzeitig perlenartig glänze, weich wie Wachs sei, aber völlig feuerbeständig.

Im „Buch des Mitleids“ belehrt Dschābir Silber- und Goldmacher um die Betrüger und die Betrogenen vom falschen Weg abzuhalten. Gold oder Silber entsteht vor allem durch das Eindringen des Geistes in den Körper, wobei der Geist das aus dem kalten, flüssigen Zustand in einen heißen, flüchtigen Zustand übergegangene Quecksilber ist, das jedoch nur in geeignete, richtig vorbereitete, gereinigte und angepasste tote Körper eingeht wie Blei, Kupfer oder Eisen. Bereits vorhandenes Gold erleichtert diesen Vorgang.

Das „Buch des Quecksilbers“ übertrifft alle vorher genannten Bücher noch an Unverständlichkeit und weist in mystische Dunkelheit. Das Quecksilber wird in zwei Arten unterteilt, das orientalische oder Tier genannte und das okzidentalische, Myrte genannte oder göttliches Wasser, da es die Naturen oder Qualitäten zu verändern vermöge. Ist das Große Werk gelungen, so gerinnt das Elixier zu einer weißen glänzenden Masse, die „Milch der unbefleckten Jungfrau“ genannt wird.

Rhazes

Mit Rhazes, der Abū Bakr Muḥammad ibn Zakarīyā ar-Rāzī hieß, und von 865 bis 925 lebte, sind nun erstmals auch wirkliche Daten bekannt. Er war persischer Arzt, Philosoph und Alchemist. In dieser Zusammenstellung an Tätigkeiten war es zwangsläufig, dass er die Verbindung von Körper und Seele für die Heilung wichtig sei. Ein guter Arzt musste seiner Meinung nach ebenfalls ein guter Seelenarzt sein, will er erfolgreich sein.

Bekannt war er auch dafür, dass er zu seinem theoretischen Wissen durch Experimente gelangte. Seine Methode der Leichenkonservierung wurde bis ins 18. Jahrhundert angewendet. Er gilt als erster Mensch, der bewusst hochprozentigen Alkohol durch Destillation aus Wein herstellte, dass zur Desinfektion benutzt wurde. Rhazes vermied Spekulationen über den Aufbau der Materie, wie sie Geber übermittelte, sondern begründete sein Wissen jeweils experimentell, dargestellt im Buch „Geheimnis der Geheimnisse“. Dort sind neben vielen Gerätschaften auch Chemikalien und Minerale beschrieben, und vor allem, wie man ein Elixier zur Umwandlung von Stoffen erstellt.

War er zunächst Alchemist, so wandelte er sich nach einem bedeutsamen Ereignis zum Mediziner. Durch die Experimente und ihre giftigen Dämpfe war sein Augenlicht geschädigt und er besuchte einen Arzt, der zu ihm sagte „Ich heile dich nur, wenn ich zuvor von dir 500 Dinare erhalten haben“ und Rhazes antwortete „Dies ist die wahre Alchemie und die wahre Kunst Gold zu machen und nicht das, was ich bisher getrieben habe .“

Als Alchemist unterschied er zwischen nicht flüchtigen Körpern und flüchtigen Geistern, wobei er zu letzteren Schwefel, Quecksilber, Schwefelarsen und Salmiak zählte, die in Markasit, Magnesia, Vitriolen und Salzen enthalten sind. Man gewinnt sie durch Calcinatio, Sublimatio und Destillatio und benutzt dazu folgende Apparate und Materialien: Tannur (den Ofen), Qara (Gurke, ein Destilliergefäß), Ambix (der Destillierhelm mit dem Schnabel), Alatal (das Rohr), Qabilah (Rezipient), But-eber-But (Tiegel über Tiegel, zum Ausschmelzen und zur sogenannten absteigenden Destillation), Qandil (der Kerze) sowie den Ton der Philosophen, aus Ton, Mist, Haaren, Stroh und der Alkalipflanze Uschnan.

Ibn Umail

Aš-šaiḫ Abū ‚Abdallāh Muḥammad Ibn Umail, wie Ibn Umail mit vollem Namen heißt, lebte etwa von 900 bis 960 und gilt als bedeutender Vertreter der mystischen Alchemie. In seinen Texten sind allegorische Beschreibungen innerpsychologischer Transformationsprozesse enthalten. Seine Beschreibungen des Umgangs mit Getriebenheit und Begierde haben bis heute großen Wert in der Psychologie. Das diese Begierde auslösende „höllisch- göttliche Feuer“, die männliche Seele, kann durch das „göttliche Wasser“, dem weiblichen Geist, gedämpft werden.

Er wurde vermutlich in Ägypten geboren, da viele seiner Darstellungen darauf hindeuten. So bildet er die Brücke zwischen der ägyptischen Tradition und der arabischen Alchemie. Die Suche nach dem Stein der Weisen und dem Wasser des Lebens entsprechen dem Totenkult Ägyptens, der das ewige Leben sichern sollte.

Avicenna

Abū Alī al-Husain ibn Abd Allāh ibn Sīnā, bei uns als Avicenna bekannt, war ein persischer Arzt, Naturforscher, Philosoph, Astronom, Mathematiker und Alchemist, der etwa von 980 bis 1037 gelebt hat. Seine Bücher über die Medizin blieben bis in die Renaissance Lehrbücher des Medizinstudiums. Auch wenn er die Möglichkeit der Herstellung von Gold aus Blei oder anderen unedlen Metallen verneinte, und dadurch manchen Historikern als Alchemie- Gegner gilt, war er doch für etliche alchemistischen Methoden verantwortlich, wie die Wasserdampfdestillation zur Erzeugung von Ölen oder öligen Auszügen aus Kräutern. Diese Erfindungen wie auch die Ablehnung der Goldherstellung waren seine einflussreichsten Texte, die im Mittelalter als Basis heftiger Diskussionen diente.

Die Herstellung von Gold und Silber aus Kupfer oder Blei lehnte er ab, da sie nach seinen Ansichten durch den Einfluss von Sonne und Mond aus den Dünsten der Erde, die ihre besonderen Eigenschaften durch den Willen Allahs erhalten habe, entstünden, die kein Mensch nachzuahmen im Stande wäre.

al-Tughrai

Al- Thugrai, eigentlich Muʾaiyad ad-Dīn, lebte von 1061 bis zu seiner Enthauptung 1121, zu der er wegen Häresie verurteilt war. Er war persischer Arzt, Dichter und Alchemist und verteidigte die Alchemie gegen Avicennas ablehnende Haltung gegen viele alchemistische Praktiken. Er wird häufig mit Artephius gleichgesetzt.

Nach ihm findet sich Gold am oberen Nil und am Oxus, wo es mit haarigen Ziegenfellen aufgefangen wird, in Körnern mit einer Größe von Fischschuppen und mittels Quecksilber gesammelt wird.

Viele seiner dichterischen Werke sind erhalten und wurden übersetzt, seine alchemistischen Werke ebenfalls, wobei hier oftmals andere Autoren die Urheberschaft für sich beanspruchen, aber Mittels der Originaltexte der wirkliche Urheber festgestellt werden konnte. Eine Schwierigkeit, die bei vielen Autoren bis ins Mittelalter hinein anzutreffen ist, und die es häufig schwer macht, zeitliche Entwicklungen der Alchemie greifbar zu machen.

al- Simawi

Abū l-Qāsim Muḥammad ibn Aḥmad al-ʿIrāqī war ein islamischer Alchemist, der im 13. Jahrhundert lebte und experimentell bestrebt war, Avicennas Behauptung, Metalle sind nicht in andere Metall umwandelbar, zu widerlegen. Sein Buch des Wissens über die Kultivierung von Gold ist dabei sein maßgebliches Werk, in dem er seine Anschauung durch Auflistung der überlieferten Gründe und der eigenen praktischen Erfahrungen darlegt. Nach seiner Lehre sind alle Metalle im Wesen identisch und unterscheiden sich lediglich in geringen Abweichungen der Qualitäten wie z.B. Kälte und Wärme. Diese Abweichungen ließen sich durch den Stein der Philosophen beheben, welches das Metall nährt, wachsen lässt und innerlich umwandelt. Seine Begriffe stammen dabei aus älterer Zeit, wie z.B. Himmel und Erde für das Flüchtige und das Feste stehen, das Lebende der Stoffe das im Feuer austretende Gas, das Tote die nach dem Verbrennen übrig bleibende Asche. Weitere Autoren bis fast zur Neuzeit vertragen diese Ansicht und verschwendeten so viel Zeit ihres Lebens, wie wir heute wissen. Doch stellt sich die Frage, ob nicht auch ein Irrweg für zukünftige Generationen rückblickend lehrreich sein können.

al- Dschaldaki

Izz al-Din Aydamir al-Dschaldaki war ein persischer Alchemist, der vorwiegend in Ägypten arbeitete und in Kairo 1342 starb. Er war zu gleich einer der letzten Alchemisten des arabischen Kulturkreises und zugleich einer der Bedeutendsten seiner Zeit. Er versuchte in seinen Schriften vor allem den Zusammenhang aller Dinge festzustellen, und dabei profitierte er vor allem von seinem Umfangreichen Wissen über Tieren, Pflanzen, Mineralien, Magie, Pharmazie, Medizin und Astrologie. Er übernimmt die Zuordnungen zu den sieben Planeten bei Metallen und anderen Objekten und setzt so die Tradition griechischer Alchemisten fort.

Mit ihm endet nicht nur die alchemistische Tradition des arabischen Kulturkreises sondern er symbolisiert quasi auch den Zerfall des islamischen Reiches und seiner Nachfolgestaaten. Kleinstaaterei, Neidkultur und Abschottung ersetzten bald Wissensdurst, Weltoffenheit und die Kultur des Zusammenlebens. Ohne die frühen Reiche der Nachfolger Mohammeds idealisieren zu wollen, sie waren aggressiv, kriegerisch, expansionistisch, muss man doch andererseits anerkennen, dass in eroberten Gebieten Wohlstand, Wissenschaft und Kultur einzogen, wie es zu dieser Zeit nirgends vergleichbares gab. Was den Untergang dieser Kultur verschuldet hat, darüber mögen andere berichten, aber bemerkenswert ist, dass aus dieser Kultur heraus ein lange nachwirkender Einfluss auf Mitteleuropa im Mittelalter erfolgte.

Pseudo- Geber

Als Texte Pseudo- Gebers, auch Geber latinus genannt, werden heute eine Reihe Schriften eines oder mehrerer Autoren, zu zuerst Geber, Jabir ibn Hayyan, zugeschrieben wurden. Wichtige Teile dieses Werkes werden heute Paulus von Tarento, einem Mönch des 13. Jahrhunderts, zugeschrieben. Das enthaltene Wissen geht über das Wissen des Geber hinaus, doch sollte wohl der Inhalt durch die Autorenschaft eines „alten Meisters“ an Bedeutung hervorgehoben werden. Als bedeutendstes Werk des Pseudo- Geber gilt die Schrift Summa perfectionis magisterii (Die höchste Vollendung des Meisterwerks), in der die Rolle des Quecksilbers gegenüber dem Schwefel herausragende Bedeutung erlangt. Quecksilber spielt nun die entscheidende Rolle bei der Herstellung des Steins der Weisen und der Goldherstellung durch Transmutation. Während der erste Teil der Summa nahezu unleserlich ist und offensichtlich dem Verschleiern von Informationen dient, sind in den weiteren Teilen wichtige praxisnahe Arbeitstechniken beschrieben. Zwei neue Lehren sind in der Summa enthalten. Zunächst die Lehre von der Ordnung der Mittel zur Transformation, nach der Mittel der ersten Ordnung nur vorübergehende Transmutationen erzeugen, Mittel der zweiten Ordnung nur qualitative Änderungen bewirken, wie Schwere und Glanz, und erst Mittel der dritten Ordnung unedle Metalle in Gold oder Silber verwandeln könnten. Die zweite Lehre ist die der Korpuskulartheorie der Materie, nach der die Wirkung eingesetzter Mittel abhängig ist von der Feinheit derselben.

In weiteren Werken des Pseudo- Gebers werden vor allem verbesserte Verfahren und Apparate zur Destillation, Sublimation, Calcination und Reinigung beschrieben, die für die Entwicklung der Alchemie und der Naturwissenschaften bis ins 17. Jahrhundert bedeutend waren. Auch verschiedene Vitriole und Alaune, das mineralische und vegetabilische Alkali, und den Salmiak und Salpeter beschreibt er, und wie sie annähernd rein zu erhalten sind. Er beschreibt, wie durch Erhitzen von Schwefel mit Alkalien sog. Schwefelleber, durch Fällen einer Lösung von Schwefel in Atzlauge mittels Essigsäure Schwefelmilch bereitet wird, ferner wie man Quecksilberoxyd, Sublimat, Zinnober, Silbernitrat, Bleiacetat und andere Acetate, rein und zum Teil kristallisiert zu gewinnen sind,; wie unreine Schwefelsäure durch trockene Destillation des Alauns und die der Salpetersäure durch Erhitzen eines Gemenges von Salpeter, Vitriol und Alaun entsteht, und endlich auch die Entstehung des Königswassers beim Lösen von Salmiak in Salpatersäure, sowie die Löslichkeit des Schwefels und des Goldes im Königswasser.

Albertus Magnus

Den eigentlichen Beginn der Alchemie im Mittelalter bildet Albertus Magnus, der 1193 als Albert von Bollstaedt in Lauingen an der Donau geboren wurde und 1280 als emeritierter Bischof zu Regensburg in Köln starb und der als einer der bedeutendsten Allgemeingelehrten der Geschichte gilt. Er studierte in Padua, trat 1223 dem Dominikanerorden bei und lehrte später in Hildesheim, Regensburg, Köln und Paris. Von 1260 bis 1265 war er Bischof von Regensburg, zog sich aber danach in das Dominikanerkloster in Köln zurück. Allein auf Grund seines hohen Alters, welches er erreichte, nahmen viele an, er sei im Besitz des Steins der Weisen, mit dessen Hilfe er das Panacee herstellte, dass ihm ewiges Leben bescherte. Auch konnten es sich einige Menschen nur erklären, dass er seine vielen Reisen nur finanzieren und ein sorgenfreies Leben führen konnte, das Bistum Regensburg innerhalb von 3 Jahren schuldenfrei machen konnte, wenn er in der Lage gewesen sei, Gold aus unedlen Metallen herzustellen.

Albertus vertrat die Ansicht, dass die Alchemie der Natur am Nächsten kam, betrieb dabei aber selbst keine aktive Forschung, sondern begründete seine Thesen aus dem durch fleißiges Studium der Bücher erworbenes Wissen. Er folgte in seinen Schriften Aristoteles‘ Theorie der vier Elemente und deren Eigenschaften durch unterschiedliche Zusammensetzungen. Albertus glaubte auch an die Möglichkeit, unedle Metalle in edle Metalle umzuwandeln, ähnlich wie bei der Herstellung von Medikamenten, durch Feuer, astrologische Einflüsse und den Einsatz von Quecksilber und Schwefel. Neben der Theorie beschreibt er auch viele chemische Verfahren.

Sein wichtigstes Werk für die Alchemie ist „De mineralibus“ (Über Minerale), in dem seine alchemistischen Vorstellungen sowohl der griechischen Antike als auch der arabischen Welt gesammelt dargestellt werden. Zu dem Bild der Nachwelt von Albertus lässt sich aber sagen, dass er schon recht früh überhöht wurde, wohl auf Grund seiner alchemistischen Forschungen und seinem Hang zur Magie. Allerdings wurden ihm auch wiederum Werke untergeschoben wie „De mirabilibus mundi“, von den Wundern der Welt, und das „Liber de Alchemia“, das Buch der Alchemie.

Roger Bacon

Roger Bacon hatte für England die gleiche Bedeutung, die Albertus für den deutschen Raum hatte. Er lebte wohl von 1214 bis 1292 und beschäftigte sich vor allem mit der Naturphilosophie, wobei er sich vor allem der Mathematik, der Astronomie, der Astrologie, der Alchemie und der Optik widmete. Seine drei wichtigsten Schriften sind das Opus maius, das Opus minus und das Opus tertium, wobei vor allem die letzten beiden Werke sich der Alchemie widmeten. Er vertrat aristotelische Ansichten und hielt entsprechende Vorlesungen an der Universität Oxford. Erstaunlich ist, dass er die Scholastik für die Theologie ablehnte, also die Lehre der Beweisführung zur Klärung theoretischer Fragen, die er für Haarspalterei hielt. Der Scholastik setzte er das System der Erfahrungsphilosophie entgegen, nach der der Weg zur Erkenntnis vor allem von vier Hindernissen versperrt wird: dem Respekt vor Autoritäten, der Gewohnheit, dem blinden Folgen gängiger Meinungen und der Unbelehrbarkeit unserer natürlichen Sinne.

Roger Bacon wurde als Sohn einer der oberen Mittelschicht angehörigen Familie in Ilchester bei Somerset wohl im Jahr 1214 geboren, anderen Angaben zufolge aber auch erst 1220. Unter der Herrschaft von Heinrich III. verlor die Familie nicht nur ihr Vermögen, sondern viele Familienmitglieder flohen ins Exil. Bacon bleib und studierte an der Universität von Oxford Philosophie und hielt bald auch Vorlesungen über Aristoteles und seine Schriften, wobei letztere wohl auch die ihm nur zugeschriebenen enthielten. 1233 ging er nach Paris, wo er weiter studierte, da Paris damals Zentrum der intellektuellen Lehre in Europa war. Ab 1242 hielt er auch dort vielbeachtete Vorlesungen, ging aber 1246 zurück nach Oxford. Nun begann er neben Griechisch auch Mathematik mit Astronomie und Astrologie sowie Alchemie und Optik zu studieren. 1257 trat er vom Studieren körperlich und geistig erschöpft dem Franziskanerorden in Paris bei. Er geriet allerdings schnell in den Verdacht „gefährliche Lehren“ zu verbreiten und stand somit unter ständiger Beobachtung, nicht zuletzt wegen der Tatsache, dass er sich auch arabischen Texten zuwandte und gar selbst Experimente durchführte. Auch widersetzte er sich der Ordensregel, nach der alle Veröffentlichungen zunächst vom Ordensoberen abzusegnen sind. Bacon wurde nach einer nicht autorisierten Veröffentlichung die Lehrerlaubnis entzogen. Seine Familie entzog ihm darüber hinaus noch ihre finanzielle Unterstützung und so suchte er sich Förderer. Einen fand er in Kardinal Guy le Gros de Foulques, für den er 1266 und 1267 drei Werke verfasste: Opus maius, Opus minus und Opus tertium.

Im „Opus maius“ beschäftigt er sich mit Mathematik, Optik und Alchemie, er beschreibt unter anderem die Anwendung von Schwarzpulver für Feuerwerk, eine der frühesten bekannten Erwähnungen in Europa. Bacon beschreibt die Position und Größe der bekannten Himmelskörper, die Gesetze der Spiegelung und Lichtbrechung, die Entstehung eines Regenbogens und die Auswirkungen des Mondes auf die Gezeiten. In seinen anderen Werken soll er die Brille, das Mikroskop, das Teleskop, fliegende Maschinen und Dampfmaschinen vorhergesagt haben. Für ihn galt es als schwierig, zwischen Wissenschaft und Magie zu unterscheiden, da er an die Einflüsse der Magie auf die Handlungen der Menschen glaubte, ebenso wie den Einfluss der Himmelskörper auf den Geist der Menschen und ihr Schicksal. Seine Alchemie diente hauptsächlich der Herstellung von Medikamenten, die nicht nur heilende Wirkung besitzen sollten, sondern auch das Leben verlängern sollten und zu einer Unzerstörbarkeit des menschlichen Körpers beitragen sollten. Diese Medikamente hatten meist als Grundlage Quecksilber und Blut und ihre Herstellung leitete er aus den Schriften Avicennas, Arthepius‘ und Aristoteles‘ her, wobei man heute davon ausgehen muss, dass es jeweils den Genannten zugeschriebene Texte waren und keine wirklich von ihnen stammenden.

Sein Gönner, der als Papst Clemens IV. vielleicht bekannt ist, starb allerdings schon 1268 und so entschwand auch diese Unterstützung. 1278 wurde er unter Arrest gestellt, seine Schriften hatten doch zu viel Aufsehen erregt, vor allem seine Angriffe auf den Klerus und die damalige Wissenschaft, die vor allem eine Wissenschaft der theoretischen Beweisführung war und experimentellen Beweisführungen ablehnend gegenüber stand. Auch sein Hang zum Mystizismus, also seinen Berichte und Aussagen über die Erfahrung einer göttlichen oder absoluten Wirklichkeit sowie die Bemühungen um eine solche Erfahrung, wurde scharf vom Klerus kritisiert. Während seiner späten Jahre wurde er „Doctor mirabilis“, „bewundernswerter Lehrer“, genannt, doch schnell nach seinem Tode geriet er in Vergessenheit. Ende des 19. Jahrhunderts tauchte eine Schrift auf, das sogenannte Voynich- Manuskript, genannt nach Wilfrid Michael Voynich, der es 1912 publik machte, und welches unter anderen Roger Bacon zugeschrieben wurde. Es soll ein umfassendes Wissen enthalten, konnte aber bis heute nicht entschlüsselt werden und manchen stellt sich die Frage, ob es überhaupt einen sinnvollen Inhalt in sich trägt.

Arnaldus de Villanova

Arnaldus lebte von 1235 bis 1311 und war eigentlich kein Alchemist, lehnt die Alchemie sogar ab und nannte die Alchemisten unwissend und wahnwitzig. Andererseits verbesserte er die bekannten Destillations­verfahren und entwickelte einen noch heute bekannten Säure- Base- Indikator, den Lackmus- Test. Er entwickelte ein Destillat, das er Aqua vini oder Aqua vitae nannte, wohl dessen Wirkung als Allheilmittel andeutend. Mittels dieses Destillates gelang es ihm auch, alkoholische Pflanzenextrakte zu gewinnen, die noch heute Anwendung in der Medizin, der Aromatherapie und der Herstellung von Kräuterlikören finden.

Trotz seiner ablehnenden Haltung der Alchemie gegenüber wurden viele Schriften der Alchemie ihm untergeschoben, so „Thesaurus Thesaurorum o Rosarius Philosophorum“, aber wohl auch „Opus aureum“, „Hermetis Trismegisti Phoenicum Aegyptiorum Sed et aliarum Gentium Monarchae Conditoris … sive Tabula Smaragdina“ und „Hermetischer Rosenkrantz, Das ist: Vier schöne, außerlesene Chymische Tractätlein.“, die zum Teil erstmals im 17. Jahrhundert unter seinem Namen veröffentlicht wurden.

Für die Psychotherapie hatte Arnaldus vor allem mit seinen Ausführungen zu Träumen seine Bedeutung, in denen er Träume als Lupe bezeichnete, mit der Krankheitssymptome erkannt werden könnten.

Arnaldus wurde 1235 bei Valencia geboren und ging zunächst auf eine Dominikanerschule und ab 1260 auf die Universität von Barcelona und auf die Universität von Montpellier. Er galt bald als begnadeter Arzt und wurde ab 1285 Leibarzt der Könige Peter III, Alphons III und Jakob III. Er sagte aber auch den Tod Peter III. für 1285 und das Weltenende für das Jahr 1335 voraus, wobei nur die erste Prophezeiung eintrat. Neben den Prophezeiungen vertrat er aber auch freie theologische Ansichten, was ihm den Unmut der Inquisition eintrug und er zur Flucht nach Frankreich gezwungen war. In Paris geriet er in den Ruf, ein Teufelsbruder zu sein, da ihm nachgesagt wurde, Gold gemacht zu haben. So zog er wieder nach Montpellier und lehrte dort an der Universität Arzneikunde. Nach einigen Jahren zog er durch Italien, nach Bologna, Florenz, Rom und Neapel. In Rom wurde er trotz seiner schlechten Reputation Leibarzt von Papst Bonifatius VIII. In Rom begegnete ihm Johannes Andreas, ein berühmter Jurist seiner Zeit, der über Arnaldus schrieb: „Zu unserer Zeit hatten wir am römischen Hofe den Meister Arnald von Villanova, einen großen Arzt und Theologen, der auch ein trefflicher Alchymist war und Goldstangen machte, die er jeder Prüfung unterwerfen ließ.“

1296 ging Arnaldus nach Sizilien und wurde Leibarzt von König Friedrich II. von Sizilien, wurde von diesem dem in Avignon residierenden Papst Clemens V empfohlen, der an Steinleiden erkrankt war. Auf der Reise von Sizilien nach Frankreich erlitt er 1311 Schiffbruch, ertrank und seine sterblichen Überreste wurden in Genua begraben.

Raimundus Lullus und Pseudo- Lull

Ähnlich erging es dem Anti- Alchemisten Raimundus Lullus, dem ebenfalls eine Reihe von Schriften untergeschoben wurden, die in unserer Zeit unter dem Namen Pseudo- Lull verzeichnet sind. Ursache für diese Zuschreibungen von etwa 50 Schriften war wohl der Ruf Lullus, ein Magier zu sein, der zudem die Vier- Elemente- Lehre Aristoteles‘ akzeptierte, was dazu führte, dass er als einer der größten Alchemisten des Mittelalters galt. Die wirklichen Urheber der Texte sind heute nicht mehr zu ermitteln, es sei denn, es würden ältere Handschriften auftauchen, die den Autor zweifelsfrei feststellen lassen. Ein Großteil der untergeschobenen Texte ist in dem Sammelband Theatrum Chemicum enthalten. In einem Text, dem Testamentum, beschreibt der Autor, wie er durch Goldmachen Edward III., dem König von England, das nötige Geld für einen Kreuzzug verschafft. Eine Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert für Wahr galt, wie zum Beispiel bei Schmieder in seiner Geschichte der Alchemie. In den Schriften des Pseudo- Lullus fällt die Aufteilung der Alchemie in Theorie und Praxis auf. Ziel seiner Alchemie sind die Umwandlung von Metallen in Edelmetalle und die Herstellung einer Universalmedizin, beides mit Hilfe des Steins der Weisen, der wiederum aus Quecksilber und Schwefel erzeugt wird, sowie die Reinigung von Edelsteinen.

Bemerkenswert an Raimundus Lullus ist vor allem, dass er einerseits als entschiedener Gegner der Alchemie gilt und andererseits als einer der besten Alchemisten seiner Zeit, ja, die Alchemie wurde gar als „lullische Kunst“ bezeichnet. Er soll 1232 oder 1235 in Mallorca geboren worden und ebendort 1316 im Alter von 80 Jahren auch verstorben sein. Er kam aus guten Verhältnissen und diente am Hofe des Königs von Aragon, Chaime I. o Conqueridor (Jakob I, der Eroberer), manche Quellen nennen ihn gar als Berater. Mit 30 Jahren trat er ins Kloster ein und erlernte in der Benediktinerabtei Santa Maria de Montserrat nahe Barcelona Arabisch und Latein. Später studierte er in Santiago de Compostela, Montpellier und ab 1281 in Paris, wo er in Theologie promovierte und in den Orden der Minoriten, einem der Hauptzweige des Franziskanerordens, eintrat. Er bereiste halb Europa und auch Nordafrika, wo er in Tunis wohl wegen seiner Missionstätigkeit fast zu Tode gesteinigt wurde und schwer verletzt nach Mallorca zurückgebracht wurde, wo er seinen Verletzungen 1316 erlag.

Vieles davon ist Legende, so dass es von seinem Leben natürlich auch eine zweite Version gibt. Danach wurde er 1253 geboren als Sohn von Raimundus Lullus, überlebte die Steinigung von 1316 und versuchte später, mit Hilfe der Alchemie Gold herzustellen um die Kreuzzüge zu finanzieren. Die Herstellung des Goldes soll ihm 1330 in Mailand nach Vorschriften des Arnaldus de Villanova gelungen sein. Aus diesem Gold soll wiederum der Rosenobel hergestellt worden sein, die einen bewaffneten Krieger und ein Schiff zeigen. Nun sind die Rosenobel aber erst unter Eduard IV. 1465 geschlagen worden, wurden aber bis 1545 noch Raimundusnobel genannt. Wie dem auch sei, nach dieser Variante starb Lullus 1333 in Italien.

Etwas um 1317 muss allerdings den Papst Johannes XXII. dazu bewogen haben, eine Bulle gegen die Alchemie zu erlassen, die sich vor allem gegen die Goldmacher wendet, die ihre Versprechen nicht einhalten.

In seinem Werk „Ars Magna“ unternahm er den Versuch der Systematisierung der Prinzipien und Regeln und erfand dabei eine einfache Denkmaschine, die Heiden vom Christentum überzeugen sollte. Die Nachwelt, die großes Interesse zeigte, bezeichnete es als „hebräische Kunst“, als „alchemistische Kunst“ oder als „göttliches Alphabet“, und man könnte zu dem Schluss gelangen, dass von einer einfachen Denkmaschine nicht die Rede sein konnte, da sie offensichtlich nicht verstanden wurde. Jedenfalls soll Leibniz zur Erfindung seiner Rechenmaschine durch dieses Buch angeregt worden sein.

Nicolas Flamel

So langsam beschleicht einen der Eindruck, es gab gar keine Alchemisten im Mittelalter, sondern nur alchemistische Texte unbekannter Autoren und auch Nicolas Flamel, der von 1330 bis 1413 lebte, verspricht keine Besserung. Zu Lebzeiten hatte er sich durch Reichtum vermeintlich unbekannter Herkunft, die in Wahrheit auf dem Herstellen hochwertiger Manuskripte beruhte, einen zweifelhaften Ruf erworben. Auch bei ihm sind viele Schriften, die in mit seinem Namen veröffentlicht wurden, nicht von ihm geschrieben, sondern untergeschoben. Diese Schriften sind sowohl im 16. wie auch im 17. Jahrhundert veröffentlicht worden und auf Grund des Wortgebrauches eindeutig nicht aus dem 14. Jahrhundert.

Flamel wurde wahrscheinlich 1330 in Pontoise, nördwestlich von Paris, als Sohn zum Katholizismus konvertierter Juden in bescheidenen Verhältnissen geboren. Er wurde von Benediktinermönchen ausgebildet und wurde Kopist. Neben Französisch und Hebräisch hatte er auch Latein erlernt. 1355 heiratete er die Witwe Perronelle und führte neben seiner Tätigkeit als öffentlicher Schreiber und vereidigter Abschreiber der Universität von Paris mit seiner Frau ein kleines Geschäft. Er erwarb sich ein beträchtliches Vermögen, wie genau ist unbekannt, mit dem er sieben Kirchen renovieren, 14 Hospitäler und drei Kapellen stiftete sowie Armenspeisungen finanzierte. Seine Frau starb entweder am 11. September 1397 wie aus der Testamentsvollstreckung ersichtlich, anderen Angaben nach aber auch 1404 oder erst 1413, sein eigener Tod wird mit 1413, 1415, 1417 oder 1419 angegeben, je nach Quelle. Nach dem Tode seiner Frau soll es zu Erbstreitigkeiten gekommen sein, die er schlichtete, indem er einem Inspektor das Pulver der Projektion als „Geschenk“ übergab. Woher er dieses Pulver hat, ist nicht bekannt. Eines der von ihm gebauten Häuser ist in Paris, 51, Rue de Montmorency, 1407 erbaut, gilt als ältestes Haus der Hauptstadt und war ursprünglich eine unentgeltliche Herberge, war aber bei seinem Tode als Wohnungen vermietet.

Sein Reichtum ist bis heute ein Rätsel, doch sind ihm viele Schriften zugeschrieben worden, die vermuten lassen, er habe den Reichtum durch die Herstellung von Gold erworben. In seinem angeblich 1399 geschriebenen Buch „Figures hieroglyphiques“, erstmal 1612 gedruckt und 1681 auf deutsch („Des berühmten Philosophi Nicolai Flamelli Chymische Werke“) in Hamburg erschienen, gibt er an, im Jahre 1357 ein großes altes Buch einst erworben zu haben. Hier, auch um dem Leser einen Einblick in die wunderbare Sprache jener Zeit zu geben, ein Auszug aus der Übersetzung von 1751:

Als ich Nicolaus Flamell, als ein Schreiber, nach meiner Eltern Tode mit der Schreiber- Kunst mich suchte zu unterhalten, mit Inventarien aufrichten, Rechnungen und Ausgaben der Vormunden und Unmündigen zu verfertigen und zurechte zu bringen, gerieth mir einesmahls in die Hände ein vergüldetes Buch, das war fast alt und sehr breit, da gab ich zwei Gülden für, dies Buch war nicht von Papier oder Pergament, wie sonsten andere Bücher sind, sondern wie es scheinete, so war es allein aus zarten Rinden einiger zarter jungen Bäumlein gemacht. Sein Überzug war von gar dünnen geschlagenen Erz oder Kupfer über und über mit fremden Ausländischen Buchstaben und Figuren gegraben, und wie mich däucht so möchten es wohl Griechische Characteres seyn, oder dergleichen andern alten Sprachen eine; so viel war ihm, daß ich es nicht könnte lesen, und weiß doch wohl, daß es keine Französische oder Lateinische Buchstaben waren, dann davon hatte ich ein wenig Wissenschaft. Was das innwendige belangt, so war es auf seinen Rinden-Blättern mit einem eisern Griffel über alle massen fleissig gegraben und beschrieben, alles mit gar zierlichen Lateinischen gefärbten Buchstaben, über die massen schön und reinlich; es begrif überall in sich dreymal sieben Blätter, wie sie also bezeichnet und gezehlet waren, oben an jedem Blat, und jedes siebenden war nicht beschrieben, sondern gemahlet; und zwar auf dem ersten stund eine Rute und zwo Schlangen, die sich unter einander verschlungen; auf dem andern Siebenden war ein Creutz, woran eine Schlange geheftet, und gecreutziget war; am dritten und letzten Siebenden waren als wie einige Wüsteneyen gemahlet, in deren Mitte unterschiedliche schöne Brunnen flossen, woraus unterschiedliche Schlangen hervor kamen, und hier und dort herum lieffen; auf dem ersten Blate stund folgendes in grossen vergüldeten Buchstaben also: Abraham der Jude, ein Fürst, Priester und Levite, Astrologus und Philosophus wünschet denen durch den Zorn Gottes hin und her in Frankreich zerstreuten Juden Glück und Heil.“

Weiter gibt er an, mit Hilfe der Bilder versucht zu haben, den Stein der Weisen herzustellen, was ihm aber nicht gelang. Nach eigenen Angaben studierte und experimentierte er 21 Jahre ohne Erfolg. 1378 machte er sich auf eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela und begegnete auf der Rückreise einem getauften Juden, einem Medicus und Magister namens Canches, der ihm anvertraut, dass es sich um ein lange verschollen geglaubtes Buch handelt, dessen Inhalt und Bedeutung er ihm andeutete, dessen genaue Deutung er allerdings nur anhand des Originales erklären könne. Sie wurden so Reisegefährten und fuhren eine ganze Strecken gemeinsamen Weges. Bei Orleans erkrankt allerdings Canches und stirbt wenig später, ohne die genaue Bedeutung erläutern zu können. Flamel lässt seinen Reisebegleiter in der Kirche des heiligen Kreuzes begraben. Mit den von Canches erhaltenen Informationen macht er sich weiter ans Experimentieren und es sei ihm nach eigenen Bekunden am 17. Jänner 1382, einem Montag, die erste Transformation gelungen und wenig später weitere. Weitere Transformationen könnten seinen Reichtum erklären. Allerdings lässt sich feststellen, dass der 17. Jänner 1382 kein Montag war, sondern ein Freitag, ein Umstand, der Manchen an der Wahrhaftigkeit des angeblich von Nicolas Flamel geschriebenen zweifeln lässt.

Andere Versionen erklären seinen Reichtum mit Geldgeschäften, die er getätigt und dabei Wucherzinsen verlangt haben soll, auch soll er sich bei der Vertreibung der Juden aus Frankreich im Jahre 1393 bereichert haben indem er deren Besitz zu einem Spott übernahm und mit reichlichem Gewinn weiter veräußerte, oder er habe in Blanche de Navarra, der Gemahlin des französischen Königs eine Gönnerin und Mäzenin gehabt. 1715 erschien ein Buch eines reisenden Schriftstellers namens Paul Luckas, der behauptete, Flamel und seine Frau seien 1700 in Indien von einem arabischen Märchenerzähler gesehen worden und durch das Lebenselixier steinalt geworden. Urkunden in Paris weisen sein Todesdatum allerdings als den 22. März 1417 aus und zeigen, dass sich diverse Erben um seinen Nachlass stritten, der nicht vermuten lässt, er habe ein Vermögen durch Goldmacherei erworben.

Für alle Harry- Potter- Fans noch der Hinweis, dass Nicolas Flamel sowohl im Roman „Harry Potter und der Stein der Weisen“ als auch im Film „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ erscheint, also Ende und Anfang des 20. Jahrhunderts noch lebt.

Johannes de Rupescissa

Johannes de Rupescissa, war Franziskanermönch, apokalyptischer Visionär, Alchemist und lebte von 1310 bis 1366 im Süden Frankreichs. Seine Werke gehören zu den wenigen mittelalterlichen alchemistischen Werken, deren Autor bekannt ist. Allerdings sind von seinen etwa 30 Werken heute nur noch 7 erhalten. Er nannte den von Arnaldus von Villanova und Geber bekannten Weingeist „Quinta essentia“ und „Aqua vitae“, das fünfte Element nach Feuer, Wasser, Luft und Erde, und es wirkte mit seiner himmlischen Kraft gegen den Verfall durch Alter und Krankheit. Nach Rupescissa lässt sich das fünfte Element grundsätzlich aus allen Dingen der Natur entnehmen, wie Pflanzen, Mineralen und Metallen und er gibt Anleitungen dafür, wie sie zu gewinnen sind.

Seine Werke beeinflussten nicht nur Alchemisten sondern auch Ärzte und Apotheker, zum Teil bis in die Gegenwart, und zeichnen ihn so als einen der einflussreichsten Alchemisten des Mittelalters aus.

Geboren um 1310 im Schloss Marcolès bei Aurillac in der Auvergne im Süden Frankreichs, studierte er später in Toulouse freie Künste und Philosophie. 1332 trat er dem Franziskaner­orden bei, in dem er nun auch Theologie studierte. In seiner Zeit im Kloster von Aurillac von 1340 bis 1344 hatte er erste Visionen, von denen er berichtete. Unter anderem hatte er den Antichristen in Gestalt eines kleinen Jungen in China gesehen. Zum Teil waren seine Vorhersagen, die er aus den Visionen tätigte, leider falsch. Darüber hinaus betätigte er sich als Kritiker der Kirche, prangerte den Verkauf kirchlicher Titel an, sprach sich für die Armut des Klerus aus und kritisierte den Papst in Avignon, woraufhin er 1344 zunächst eingesperrt wurde und dann von Kloster zu Kloster weitergereicht wurde. 1349 begann in Avignon der erste Prozess gegen ihn, doch wurden keine häretischen Ansichten entdeckt. Trotzdem blieb er bis 1356 in Avignon in Haft, wobei ein zweiter Prozess 1354 zum gleichen Ergebnis kam. Um 1356 wurde seine Haft erleichtert und 1360 wurde er auf dem Schloss Brignoles in der Provence unter gebracht. Letzte Nachrichten sind von ihm von 1365 aus dem Minoritenkloster in Avignon, wo er bereits schwer erkrankt war und wohl im Jahr 1366 dort verstarb.

In seinen langen Jahren der Gefangenschaft war es ihm fast immer möglich, zu lesen und zu schreiben. So schrieb er seine Visionen nieder, die vor allem spirituelle Deutungen seiner Visionen darstellen, die von der Apokalypse und der Herrschaft des Antichristen handeln. Mittel zur möglichen Überwindung der Apokalypse sah er im Studium der Bibel, der Natur und der Alchemie. Von seinen etwa 30 Werken sind lediglich 7erhalten, die meist aus seiner Zeit der Gefangenschaft stammen und von dieser stark beeinflusst sind. Aber auch alchemistische Texte sind erhalten, in denen er die „quinta essentia“ oder das „aqua vitae“ beschreibt, die bei ihm gleichgesetzt sind. Dieses fünfte Element, entsprechend der Lehre des Aristoteles neben dem Feuer, dem Wasser, der Luft und der Erde, enthalte von allen Elementen etwas, sei ein universelles Heilmittel, sei himmlischen Ursprungs und wirke den verderblichen und zerstörenden Einflüssen wie Krankheit und Alter entgegen, war von Gott geschaffen wie der Himmel um den Körper zu erhalten, aber keine Unsterblichkeit zu geben, da Gott diese selbst Adam genommen hätte. Es sei aus aller Materie zu gewinnen, also nicht nur Pflanzen sondern auch Metallen und Steinen, wobei deren Reinheit nicht so groß sei, wozu er viele auch später noch angewandte Destillationsverfahren beschreibt.

Berthold der Schwarze

Berthold, der Schwarze, der um 1360 zum Erfinder des Schießpulvers und der Kanone wurde, wird bei näherem Hinsehen zu einer Phantasiegestalt. Der Legende nach soll ein Ordensbruder Namens Berthold heimlich alchemistische Experimente durchgeführt haben. Als er eines Abends Salpeter, Schwefel und Holzkohle in seinem Mörser zerstieß und mitsamt des Stößels auf den Herd stellte, gab es eine mächtige Explosion, bei der der Stößel in den Deckenbalken geschossen wurde. Dort ließ er sich selbst mit den Reliquien der heiligen Barbara nicht wieder herausziehen. So wurden angeblich gleichzeitig das Schießpulver, dass wegen seines Erfinders und nicht etwa wegen der schwarzen Farbe, Schwarz- Pulver heißt, und die kurzläufige Kanone, der Mörser erfunden worden sein.

So schön die Geschichte klingt, so unwahr ist sie. Schwarzpulver war bereits Roger Bacon um 1260 gekannt und war eine Erfindung der Chinesen, die über die arabische Invasion Spaniens nach Europa gelangte. Ebenso waren kurzläufige Kanonen schon im frühen 14. Jahrhundert bekannt. Weniger bekannt war Berthold Zeit seines Lebens, denn erste Erwähnungen tauchen erst um 1410, dann zum Ende des 15. Jahrhunderts auf. Auch ist weniger von einem Ordensbruder die Rede als viel öfter von einem Magier, Meister oder Magister. So bleibt er Legende, wie so Vieles der mittelalterlichen Alchemie.

Doch mit der Erfindung beweglicher Lettern erfolgte ein Quantensprung in Lehre und Forschung. Texte mussten nicht mühsam von Hand kopiert werden, sondern konnten massenhaft verbreitet werden. Damit nahm auch die Veröffentlichung von alchemistischen Texten unvorhergesehene Ausmaße an. Dabei handelte es sich um Kopien alter Texte, um vermeintliche Kopien alter Texte, um neue Texte, um vermeintlich neue Texte, von bekannten Autoren wie unbekannten Autoren. Alchemie hatte meist einen schlechten Ruf, was viele Schreiber bewog, unter einem Pseudonym zu schreiben.

Es lässt sich eigentlich sagen, dass das Mittelalter nicht unbedingt mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus endete, denn diese Entdeckung änderte wenig am Verständnis der Menschen von der Welt, als vielmehr durch den Buchdruck, dessen Bedeutung für die Entwicklung des Menschen in Forschung und Technik wohl nur noch vom Computer überboten wird.

Bernhardus Trevisanus

Einer der bedeutenden Autoren der Renaissance ist Bernhardus Trevisanus, dessen Lebensdaten, geboren 1406 in Padua, gestorben 1490, in seinem Buch „De Chemia, opus historicum et dogmaticum“ von ihm selbst angegeben sind. Oft wird er mit Berhard von Trevisan, dem Autoren der „Responsio ad Thomam de Bolonia“, allerdings 1380 erschienen, gleichgesetzt, was aber zweifelhaft ist, da beider Schreibstil sehr unterschiedlich ist. Andererseits weisen beide Autoren explizite Kenntnisse der griechischen Philosophen wie auch der arabischen und mittelalterlichen Alchemisten auf, was aber für Alchemisten der damaligen Zeit nicht unüblich war.

Nach eigenen Angaben wurde er 1406 in Padua geboren und widmete sich bereits mit 14 Jahren der Alchemie. Er kannte die Werke von Rhazes, Geber, Albertus Magnus, Rupescissa und anderen Alchemisten und arbeitete zunächst nach ihnen. Dabei brachte er einen Großteil des Familienvermögens durch, nach eigenen Angaben allein „achthundert Kronen an Rhases und zweitausend Kronen an den Schriften Gebers“, was zu einer Entzweiung mit seiner Verwandtschaft führte. Um 1452, also bereits mit sechsundvierzig Jahren, begann er Europa zu bereisen um mit den bekanntesten Alchemisten seiner Zeit in Kontakt zu treten. Er wanderte nach Italien, Rom, Neapel, Sizilien, weiter nach Spanien, England, Schottland, die Niederlande, Frankreich und Deutschland, später nach Ägypten, Palästina und Persien. Doch wo er auch hin kam, er fand keinen wirklichen Adepten, nur eine Vielzahl von Schwärmern und Betrügern umlagerten ihn, sobald er irgendwo auftauchte. 1472 kam er schließlich verarmt auf Rhodos an, wo ihn ein befreundeter Kaufmann aufnahm und es ihm auch ermöglichte, wieder ein Laboratorium zu betreiben. Er studierte wieder die Aufzeichnungen der Alchemisten und 1481 sei ihm nicht nur ein Licht aufgegangen, sondern er habe den Stein der Weisen gefunden, sowie dessen Verstärkung bis zum höchsten Grade. In diesem hohen Alter machte er sich nun wenig aus dem Golde, das zu erzeugen ihm nun in der Macht stand, und er verlegte sich darauf, seine Erlebnisse niederzuschreiben. Leider erzählt er zwar spannend von seinem Leben, doch nicht wirklich aufschlussreich über seine Experimente und den Weg zum Stein der Weisen, es sei den man versteht z.B. den folgenden Satz. „Man vermische den Merkus mit dem reifen Golde“ lässt die Frage offen, was unter Merkus zu verstehen sei, denn im Text ist ersichtlich, dass es sich nicht einfach um Quecksilber handelt, und auch bleibt offen, wie reifes Gold genau reif wird. Im dritten Buch hat er dann das Geheimnis gelüftet, allerdings wieder nicht in klaren Worten, sondern in Form einer Parabel.

Basilius Valentinus

Mit Basilius Valentinus tritt der nächste legendäre Alchemist auf die Bühne der Welt. Zahlreiche Schriften werden ihm zugeschrieben, was ihm nicht zugeschrieben werden kann sind Lebensdaten, außer in seinen Schriften selbst bekannt gegebene. Heute wird vermutet, dass der Herausgeber der Schriften des Valentinus, Johann Thölde, auch Autor war, aber zumindest die Schriften zusammengestellt und um 1600 veröffentlicht hat.

Johann Tölde behauptet auch, die Schriften des Basilius als originale Handschriften unter einer Marmorplatte des Hochaltares des Erfurter Domes gefunden zu haben, nach einer anderen Version in der von einem Blitz gespaltenen Säule in eben diesem Dom und so wie gefunden zu Papier gebracht zu haben. Der Jenaer Medizinprofessor Georg Wolfgang Wedel will eigene Nachforschungen angestellt haben und, wie er 1704 veröffentlichte, dabei herausgefunden haben, dass im dreißigjährigen Krieg die Manuskripte des Basilius Valentinus in die bibliothek der schwedischen Königin Christine verbracht worden seien, nachdem sie zuvor in einer Mauer des Refektoriums des Klosters Erfurt zusammen mit einem goldgelben Pulver gefunden worden seien, allerdings sind sowohl die Originalmanuskripte als auch das Pulver verloren gegangen.

Der Legende nach soll Basilius Valentinus ein Benediktinermönch aus Erfurt gewesen sein, der nach eigenen Angaben 1394 in Mainz, oder am Oberrhein oder im Elsass geboren wurde. Rankten sich doch schon früh um ihn Legenden, so wollte Kaiser Maximilian I, der letzte Ritter, 1515 herausfinden lassen, wer dieser Valentinus war. Danach soll nach Angaben der Untersuchenden sogar im Verzeichnis der Benediktinermönche im Vatikan nachgeschaut worden sein, was schier unmöglich erscheint angesichts der Tatsache, das ein solches Verzeichnis nie existierte. Wie dem auch sei, er muss aber begründet durch diese Untersuchung vor 1515 gelebt haben, so dass eine gewisse zeitliche Einordnung möglich ist.

Valentinus führte schon lange vor Paracelsus die Drei- Prinzipien- Lehre von Mercurius, Sulphur und Sal in der Alchemie ein. Zur Bedeutung dieser Lehre später mehr, denn sie ist wichtiger Bestandteil der Alchemie geworden. Valentinus hatte große Erfahrung in der experimentellen Chemie und verbesserte diverse Laborgeräte. Auch gab er detaillierte Beschreibungen von Antimon, Antimonverbindungen, Salzsäure, Bleiessig, Grünspan, Goldfulminat und anderen Salzen sowie seiner Experimente, was in gewisser Weise außergewöhnlich war, da Geheimhaltung bei vielen Alchemisten ganz hoch gesetzt wurde. Vielleicht liegt es daran, dass der Autor, da ein Pseudonym, nicht belangt werden konnte.

George Ripley

George Ripley war einer der bedeutendsten englischen Alchemisten und lebte von etwa 1415 bis 1490 in Yorkshire als Chorherr im Augustinerorden. Er interessierte sich für Naturwissenschaften und Alchemie und verfeinerte seine Kenntnisse auf Reisen durch Europa. 1477 wurde er Kammerdiener von Papst Innozenz VIII., kehrte 1479 nach England zurück und behauptete, die Rezeptur zur Herstellung des Steins der Weisen zu besitzen. Mit zunehmender Tätigkeit in der Alchemie distanzierte sich die Kirche von ihm, die ihm Betrügereien vorwarf und zudem das Anwenden heidnischer Praktiken. In seinen Schriften, die zum Teil als absolut unverständlich gelten, beschreibt er unter anderem den Weg der Herstellung des Steins der Weisen, der sich aber auf Grund der unverständlichen Verse, in denen er beschrieben ist, nicht nachvollziehen lässt. Hier ist besonders „das Buch der zwölf Tore“ zu erwähnen, dessen Verse zum Teil völlig unverständlich sind. Ripley nimmt als einer der Ersten Mercurius als das Wesen aller Metallität an, das heißt, in Edelmetallen ist der Grad des Mercurius höher als in unedlen Metallen. Die Veredlung der Metalle erfolgt durch Bereicherung der unedlen Metalle mit Mercurius mittels einer Substanz, die den Mercurius der Metalle ölartig auflöst. In diesem Öl ist die Quintessenz aller Metalle enthalten, man kann mit ihr alle Metalle herstellen, aber gleichzeitig auch alle Krankheiten heilen.

Giovanni Francesco Pico della Mirandola

Giovanni Francesco Pico della Mirandola, auch Gianfrancesco genannt, war der Neffe und Schüler des Philosophen Giovanni Pico della Mirandola und sollte nicht mit diesem verwechselt werden, da Ersterer sich mit Alchemie beschäftigte, Letzterer aber lediglich mit Philosophie. Della Mirandola wurde 1469 in Mirandola geboren und 1533 eben dort von seinem Neffen Galeotto II Pico ermordet.

In seinem Buch „De Auro“ legte er, zum Teil philosophisch, die Möglichkeit der Metallveredelung dar, und versichert darüber hinaus auch, mehrere Personen zu kennen, denen dieses gelungen sei, wobei seine Texte aber eher das Gegenteil beweisen, da er vor allem die Vergoldung unedler Metalle beschreibt. Andererseits kann es als erster Versuch Beschreibung der der Geschichte der Alchemie angesehen werden.

Johann Georg Faust

„Der Faust“, die Vorlage zu Goethes Tragödien, lebte ca. von 1480 bis 1541 und war ein Alchemist, Wunderheiler, Magier, Astrologe und Wahrsager, heute würde man wohl Phantast und Hochstapler sagen. Wirklich bekannt ist eigentlich nur, dass er bei einem alchemistischen Experiment, bei dem er Gold herstellen wollte, durch eine Explosion ums Leben kam. Nach seinem Tode reihten sich Legenden und Geschichten aneinander, die später Goethe zu seinen Tragödien verarbeitete.

Grade die Geschichte des Johann Georg Faust zeigt aber den schmalen Grat, auf dem sich die Alchemie stets bewegte, einerseits schnell hochgejubelt und ebenso schnell verdammt. Es sollte aber nicht missverstanden werden, das Alchemisten Opfer waren, sie waren ebenso an ihrem schlechten Ruf beteiligt. Zu groß war und ist oft die Versuchung, durch phantastisch ausgeschmückte Geschichten die eigene Bedeutung zu überhöhen.

Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim

Abbildung 15: Agrippa von Nettesheim Aber es geht auch anders. Heinrich Cornelius Agrippa von Nettelsheim war kein Aufschneider und Gernegroß, sondern galt schon zu seiner Zeit als Universalgelehrter. Er lebte von 1486 bis 1535 und war als Jurist, Theologe, Arzt und Philosoph tätig, beschäftigte sich intensive mit Magie, Religion, Astrologie, Alchemie und Naturphilosophie. Schon 1507 beschäftigte er sich während seines Studiums in Paris mit Alchemie und experimentierte dort mit Unterstützung reicher Bürger. Eine weitere längere Zeit widmete er sich ab 1528 in Antwerpen der Alchemie, auch hier unterstützt durch wohlhabende Bürger. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien 1550, 15 Jahre nach seinem Tode. Eines seiner vielen Zitate, die viel über seine Sicht der Dinge ausdrückt lautet: „Wo wir wohnen, ist nicht der Abgrund der Hölle, aber auch nicht der Himmel der Sterne . In unserem Geist leben wir“.

Geboren wurde er am 14. September 1486 als Spross einer verarmten Kölner Adelsfamilie. Über seine Jugend ist wenig bekannt, aber am 22. Juli 1499 ist an der Universität von Köln die Immatrikulation des Henricus de Nettesheym an der Fakultät der Freien Künste verzeichnet. Er studierte nach einem freien Lehrplan, für den er sich unter anderem Latein, Astrologie, Theologie, Grundlagen des magischen Denkens, Kabbala, Römisches Recht, Medizin, Optik und Geometrie aussuchte und erhielt das Doktorat beider Rechte, also des zivilen wie des kanonischen Rechtes sowie der Medizin. Er erhielt am 14. März 1502 die Lehrerlaubnis und wechselte ab 1503 zu weiteren Studien nach Paris. 1508 zog er mit einem Freund nach Spanien, dessen Burg zurück zu erobern, was auch gelang, doch die Bauern in den umgebenden Ländereien waren unzufrieden und belagerten die Burg. Agrippa trug einem Soldaten die Merkmale der Pest künstlich auf und schickte ihn zu den Bauern, die daraufhin flüchteten und die Belagerung aufgaben und so die Flucht ermöglichte. 1509 nahm er an der Universität von Dole in der Freigrafschaft Burgund eine Stelle als Dozent oder Professor an, erhielt dabei ein festes Gehalt, denn seine Vorlesungen waren kostenlos. Er erregte großes Interesse aber auch den Unmut der Franziskaner und musste flüchten, ging nach England. Zu Ende des Jahres 1509 nahm er Kontakt zu Johannes Trithemius auf, mit dessen Hilfe und Unterstützung er sein dreibändiges Hauptwerk „De occulta philosophia“, „Über die geheime Philosophie“, schrieb, dass er im Frühjahr 1510 vollendete. Agrippa beherrschte 8 Sprachen, sprach 6 davon fließend, und aus diesem Grunde schickte ihn Kaiser Maximilian 1510 nach England um auf die Politik Heinrich VIII. einzuwirken. Über seine Erfolge ist allerdings wenig bekannt. Nach seiner Rückkehr machte er sich bald nach Italien auf und nahm 1511 am Konzil von Pisa teil, nach dem er wohl auf Grund des Widerspruches einiger Theologen gegen Vertreter der römischen Kirche mit diesen zusammen exkommuniziert. 1512 lehrte er an der Universtät Pavia über Platon, doch schon Mitte des Jahres kämpfte er er in Maximilians Heer gegen die Venezianer und wurde anschließend wegen seiner Tapferkeit vor dem Feind zum Ritter geschlagen. 1513 reiste er in diplomatischer Mission zum Konzil von Pisa, bei dem Giovanni de‘ Medici zum Papst Leo X. gewählt wurde. Dieser hob die Exkommunikation von 1511 gegen Agrippa und andere Theologen wieder auf, doch half es ihm wenig, den Zwist mit den Vertretern der Kirche zu mildern.

1514 studierte er weiter auf Reisen durch Italien, vertiefte sein Wissen und konnte 1515 in Pavia Vorlesungen über Hermes Trismegistos halten, promovierte noch im selben Jahr. Auch heiratete er in diesem Jahr, doch ist über seine Ehefrau nichts bekannt. Ende des Jahres standen allerdings die Franzosen vor der Stadt und Agrippa flüchtete mit seiner Familie nach Piemont, wobei er alles Hab und Gut zurück ließ. 1516 starb Johannes Trithemius und hinterließ Agrippa einen Teil seiner riesigen Bibliothek. 1517 wurde sei Sohn Aymont geboren und er nahm 1518 eine Arbeit als Stadtanwalt und Festredner in Metz an. Im Jahr 1519 wurde er von der Stadt Metz beauftragt, einer der Hexerei verdächtige Frau vor der Inquisition zu verteidigen. Da die Frau als bereits verurteilt galt, gab man Agrippa freie Hand bei der Verteidigung. Doch Agrippa gelang es, den aus dem Malleus maleficarum, dem Hexenhammer, zitierenden Inquisitor zu widerlegen und einen Freispruch zu erwirken. In Metz galt er seit diesem Tag als Schwarz- und Teufelskünstler, denn nur wenn man mit dem Teufel im Bunde sei, könne man gegen die Inquisition bestehen. Dieser Ruf umgab den Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim auch über seinen Tod hinaus.

Im Jänner 1520 verließ er mit der Familie Metz und ging zurück nach Köln, wo er das Erbe Trithemius‘ annahm. Bei einem Besuch alter Freunde in Metz im Jahr 1521 starb unerwartet seine Frau. Agrippa zog es mit seinem vierjährigen Sohn nun nach Genf, wo er als Arzt arbeitete und schon Ende 1521 wieder heiratete. Aus dieser Ehe gingen weitere 6 Kinder hervor. 1522 wurde Agrippe Direktor des Stadtkrankenhauses von Genf, doch 1523 zog es ihn weiter nach Freiburg im Üechtland, wo er Stadtphysicus wurde und seine okkulten Studien vertiefen konnte. Da er arme Leute auf eigene Kosten behandelte und den Ärzten und Apothekern nicht die Kassen füllte, brachte er diese gegen sich auf, so sehr, dass er sich im Juli 1523 veranlasst sah, seine Entlassung selbst einzureichen. Ab 1524 war er Leibarzt von Luise von Savoyen, der Mutter des französischen Königs Franz I. Doch 1526 wurden die Zahlungen unregelmäßig, er schrieb Bitt- und später Drohbriefe und geriet in Ungnade, schon weil er sich weigerte Horoskope für Franz zu erstellen. Er wurde weiter genötigt und so erstellte er ein Horoskop zum weiteren Kriegsverlauf zwischen Frankreich und der Bourbonnais und Auvergne, wobei er den Sieg des Hauses Bourbon vorhersagte. Umgehend war er von der Besoldungsliste gestrichen, obwohl er weiter als Leibarzt tätig war. So zog es ihn 1528 nach Antwerpen, wo er als Arzt tätig war und von reichen Bürgern für seine alchemistischen und mechanischen Experimente zusätzlich bezahlt wurde. 1529 brach in Antwerpen die Pest aus, an der seine Frau und einige Hausbedienstete starben, seine Kinder hatte er frühzeitig aus der Stadt bringen lassen. Agrippa nahm nun die Stelle des kaiserlichen Archivars in Mechelen für Margarete von Österreich, der Regentin der Niederlande an.

1530 brachte er sein Buch „De Incertitudine et vanitate scientiarum „ heraus, in dem er den geringen Wissensstand unter anderem der Mediziner kritisiert. Klerus und weltliche Machtträger sahen sich bloß gestellt. Die Kirche wollte das Buch wegen Häresie und Ketzerei verbieten lassen. Die Universität von Löwen wurde hinzugezogen, die das Werk ablehnten, der Kaiser bat ihn, wenigstens die Passagen gegen die Kirche und den Klerus zu widerrufen. Doch Agrippa weigerte sich. Das Gericht in Mechelen übergab ihm daraufhin eine Anklage, das Buch nicht weiter zu veröffentlichen. Er verteidigte sich erfolgreich dagegen und durfte es weiter vertreiben, hatte sich aber viele Feinde gemacht. Dies bekam er bei einer Reise nach Brüssel zu spüren, wo er in den Schuldturm gesperrt wurde und erst freigelassen wurde, als er versicherte, Brüssel sofort zu verlassen und nie wiederzukommen. 1531 wurde das Buch von der Universität Sorbonne in Paris als ketzerisch verdammt, der Humanist Louis de Berquin, der sich dazu bekannte, hingerichtet.

Agrippa zog sich zurück um weiteren Anfeindungen aus klerikalen und universitären Kreisen zu entgehen. Auf einer Reise nach Lyon starb Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim am 18. Februar 1535 im Alter von 48 Jahren in Grenoble.

Mit seinen Feinden hatte sich auch eine Vielzahl von Legenden gesammelt. So soll Agrippa stets mit „verblendetem Gelde“ seine Zeche bezahlt haben, die sich am nächsten Tag in Hornstücke verwandelten. In seinem Studierzimmer in Löwen soll ein Mitstudent in Abwesenheit Agrippas den Teufel zitiert haben und unmittelbar darauf verstorben sein, und als Agrippa nach Hause kam, sah er Dämonen um den First des Hauses tanzen. Er habe daraufhin einen Teufel in den Leib des Verstorbenen zitiert und dieser sei aufgestanden, zum Marktplatz gegangen und dort, als der Teufel ausfuhr, tot zusammengebrochen. Auch soll Agrippa stets von dem Familienteufel, einem schwarzen Pudel begleitet worden sein. Als Agrippa nun seinen Tod nahen sah, nahm er dem Tier sein ledernes Halsband ab, auf dem aus Nägeln gebildete nekromantische Inschriften standen und rief „Pack dich, verwünschte Bestie, die du an meinem ganzen Unglück schuld bist“ , worauf sich das Tier in die Saone, den Fluss ,der durch Grenoble fließt, stürzte und nie wieder gesehen wurde. Diese Legenden hielten sich lange und schädigten den Ruf Agrippas bis in unsere Tage, wo der Name Agrippa von Nettesbach oft noch mit teuflischen Machenschaften verbunden wird.

Sein wesentliches alchemistisches Werk „De occulta philosophia“ schrieb er mit dreiundzwanzig Jahren und prägte damit bis heute den Begriff „Okkultismus“. Er beschreibt darin systematisch Astrologie, Kabbala, Theologie, Mantik, Evokationsmagie, Angelologie, Amulett- und Talismanzauber und verteidigt sie gegen „Zauberer“ und „Teufelsbeschwörer“. Er vertritt dabei neoplatonische Ansichten, nennt zwar einerseits Vater, Sohn und heiligen Geist, andererseits von einem Gott in dem alle Dinge als Idee vorhanden sind. Im Gegensatz zu anderen mittelalterlichen Neoplatonikern vertritt Agrippa die Ansicht, der Kosmos werde von den Kräften einer metaphysischen Wesenheit durchströmt, somit Gott auch in der Welt ist, die Welt als Inkarnation Gottes betrachtet werden kann. Agrippa weist auch auf die Weltenseele hin und gibt allen Dingen, auch der Materie, eine Seele. Der Mensch stellt ein Abbild Gottes und einen Mikrokosmos dar, seinen einzelnen Gliedern und Organen weist Agrippa bestimmte Planeten und Gestirne zu. Auch spricht er wie Averroes von vier inneren Sinnen, dem Gemeinsinn, der Einbildungskraft, der Phantasie und dem Gedächtnis. Zum Zustand der Seele nach dem Tode äußert er sich zwar, nimmt aber zum Thema Reinkarnation nicht klar Stellung. Der von ihm geprägte Begriff des Okkultismus und der okkulten Künste bezog sich auf die geheimen und verborgenen inneren Strukturen und Wirkweisen der Natur und nicht auf eine Geheimwissenschaft, die die Alchemisten schützen mussten und nur im eingeweihten Kreise Preis geben dürften. Schon das er ein solches Buch veröffentlichte spricht für diese Tatsache, auch wenn die Folgen für Agrippa nach der Veröffentlichung doch zeigen, in welcher Gefahr jemand schwebte, der Magie öffentlich machte. Auch kursierte eine Vielzahl von verfälschten vermeintlichen Abschriften seines Werkes, sodass er sich 1530 genötigt sah, sein Werk „De occulta philosophia“ überarbeitet erneut selbst heraus zu geben.

Paracelsus

Nach heutiger Sicht gehört auch Paracelsus, der eigentlich Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim hieß, zu den bedeutenden Alchemisten der Renaissance. Er selbst nannte sich Paracelsus, was so viel wie „besser als Celsus“, einem bekannten Arzt aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., bedeutet. In einer anderen Deutung von Johann Christoph Adelung ist dieser Name eine Übersetzung des Namens von Hohenheim, allerdings halb aus dem Griechischen und halb aus dem Lateinischen. Doch sein Ruf war schon Zeit seines kurzen Lebens, das von 1493 bis 1541 dauerte, zweifelhaft, ebenso im Laufe der Geschichte. Und nicht der Verwirrung genug. Sein Name Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim ist in Teilen eine eigene Erfindung des Paracelsus, zum Teil eine Erfindung seiner Anhänger und nur zum Teil der wirkliche Taufname. Jener lautete wohl Philippus. Den Namen Theophrastus gab er sich, wohl um als Naturkundiger von Gottes Gnaden zu gelten. Beide Namen stehen auf seinem Grabstein in Salzburg. Nicht erwähnt ist dort Aureolus, wobei einige Quellen auch von Aurelius sprechen. Erst 1538 taucht dieser Name in einem Schreiben Paracelsus‘ auf und geistert seitdem herum. So strittig wie seine Namensgebung ist auch sein Werk und seine Nachwirkung auf unsere Zeit.

Paracelsus gilt heute als Vorreiter der alternativen Medizin, hatte aber auch maßgeblichen Einfluss auf die Geschichte der Kirche und der Philosophie. In seinen Werken kritisierte er die vorherrschende Medizin, die sich nicht am Menschen orientiere, sondern an alten Büchern von Galen und Avicenna, die er während seiner Lehrtätigkeit in Basel aus den Regalen verbannte. Er verfolgte die Drei- Prinzipien- Lehre, die schon Valentinus beschrieb, die neben den Prinzipien Sulphur (Schwefel) und Mercurius (Quecksilber) auch das Sal (Salz) hinzufügte. Seine Hauptbedeutung liegt allerdings in der medizinischen Auslegung der Alchemie, die er Spagyrik nannte.

Paracelsus wurde vermutlich 1493 als Sohn des Arztes Wilhelm Bombast von Hohenheim in Einsiedeln in der Schweiz geboren, woher der gelegentlich auftauchende Namenszusatz „Eremita“ herrührt, wuchs aber in Villach in Kärnten auf. Nach eigenen Angaben war seine frühe Jugend von Not, Armut und Hunger geprägt, sein Wissen dieser Jahre habe er durch seinen Vater vermittelt bekommen und ansonsten alles durch Gottes unmittelbare Eingebung. Später studierte er Medizin in Ferrara in Italien, promovierte dort auch zum Doktor, was von seinen Kritikern aber bezweifelt wurde. Sein Assistent Johannes Oporinus beschreibt ihn als paranoides, sonderbares, Missbrauch treibendes, normalerweise betrunkenes Genie. Er soll nach Oporinus‘ Bekunden ein geringes Interesse an Frauen gehabt haben, wenig Wert auf sein Äußeres gelegt haben, indem er Kleidung so lange trug, bis sie ihm vom Leibe fiel, und morgens mit einem Sprung aus dem Bett kam, die Augen weit aufgerissen und sein blankes Schwert in der Hand. Diese Beurteilung gab Oporinus allerdings ab, nachdem er von Paracelsus entlassen war, oder wie er behauptete, selbst gekündigt hatte. Paracelsus war viel auf Reisen, nach eigenen Worten bei den Deutschen, den Italienern, den Franzosen, in Lissabon, durch Spanien, durch England, durch die Mark, durch Litauen, durch Polen, Ungarn, Walachei, Siebenbürgen, Kroatien und anderen Ländern, aber auch durch Dänemark und Rhodos, Niederlande, Romanei, wohl Rom, und Neapolis, Finnland und Lappland, bis Asien und Afrika. Sinn war nach eigenen Worten, die Natur zu studieren und die Weisheit zu suchen. Sicher sind diese Angaben des Paracelsus selbst etwas übertrieben, doch bei seiner Lebensbeschreibung werden wir die wichtigsten Stationen wieder- und auffinden. Studiert hat er auf diesen Reisen jedenfalls die Schriften des Galen und jene des Avivenna, doch schaute er auch auf die Heiler und Bader, schnappte von ihnen manches Wissen auf und war auch als Wundheiler bei mancher Schlacht helfend zugegen.

Paracelsus zog mit seinem Vater 1502 nach Kärnten, zunächst nach Villach und später nach Klagenfurt. Nicht sicher belegt ist die Behauptung des Paracelsus, er habe 1515 in Ferrara seinen Dr. med. gemacht. 1524 ist sein Stadtrecht in Salzburg und 1525 in Straßburg nachgewiesen.

Im Jahre 1526 kam er nach Basel und betrieb dort zunächst vor allem einen Handel mit selbstgefertigten Medikamenten. Ab 1527 gab Paracelsus Vorlesungen über Medizin in Basel, allerdings, was den Unmut seiner etablierten medizinischen Kollegen hervorrief, auf Deutsch und nicht wie es im medizinischen Bereich üblich war auf Latein. An die Universität wurde er berufen, nachdem er das von Wundbrand befallene Bein des Verlegers Johannes Frobenius gerettet hatte. Auch hierbei fiel er auf, als er zu dem zuvor behandelnden Arzt sagte „Bist du der Läusejäger, der das versaut hat? Du bist ein Gugelfritz. Wenn du nicht im roten Röckchen gingest, wollte dir keiner den Arzt ansehen“. In einer öffentlichen Rede auf dem Marktplatz zu Basel verkündete er: „Ich klage gegen euch, ihr Ärzte von den hohen Schulen! Ihr lästert meine Lehre, weil sie nicht aus euren Köpfen kommt, weil ich von Grund auf dringe zur Arznei und nicht oben zum Säuloch hinein luge. Aber das Gesundmachen gibt den Arzt und die Werke machen Doktoren, nicht Kaiser, nicht Papst, nicht Previlegien und keine Hohen Schulen! Was ihr verdorben habt, das habe ich wieder aufgerichtet. Ihr haut die Glieder ab und sprecht: Theophrast kann auch nicht helfen! Aber wer kann ein abgehauenes Glied ansetzen? Wer kann einem jeglichen die Büberei aufdecken? Wem ist’s möglich, eine jegliche Hur fromm zu machen?

Solche Worte kamen erwartungsgemäß bei seinen Kollegen nicht besonders gut an und sie betreiben alles erdenkliche, ihn wieder los zu werden, was ihnen auch bald belang, denn er zog dann als Arzt durch die Lande, nachdem ihm auch noch wegen ungebührlichen Verhaltens vor Gericht eine Haftstrafe drohte.

Er reiste nun 1528 nach Colmar und durch den Elsass, 1529 nach Nürnberg, wo er zwei Abhandlungen zur Behandlung von Syphilis mittels Quecksilber und Guajakholz veröffentlichte, 1531 nach St. Gallen, 1532 nach Preußen, 1536 nach Wien und Augsburg und 1537 nach Böhmen und Mähren. Überall, wo er auftaucht, erregt er zunächst Aufmerksamkeit, dann Bewunderung und zum guten Schluss den Unmut der Bürger, meist geschuldet seines aufbrausenden überheblichen Charakters. Nach einiger Zeit in Kärnten kommt er 1541 nach Salzburg.

Auf seinen Reisen legt er sich nicht nur mit den Medizinern an, sondern nach eigenem Bekunden auch mit den Apothekern, über die er schrieb: „Die Apotheker sind mir auch feind, sagen, ich sei seltsam, wunderlich, niemand könne es mir recht tun. Ich schreibe kurze Rezepte, wenig und selten, nicht mit vierzig oder sechzig Ingredenzien; ich leere ihnen ihre Büchsen nicht und schaffe ihnen nicht viel Geld ins Haus. Wem habe ich als Doktor geschworen? Dem Apotheker den Handel anzutreiben? Oder dem Kranken zu seinem Nutzen zu verhelfen?“

Er lernte nicht nur die akademische Medizin, sondern hörte auch Heilkundigen und Kräutersammlern zu, deren Wissen er in seine Behandlungen einbezog. Sich selbst konnte er nicht helfen, denn er starb am 24. September 1541 auf seinen Reisen mit erst 48 Jahren unter mysteriösen Umständen in Salzburg, wo er auch begraben liegt. Es gibt auch das Gerücht, er wurde ermordet, weil jemand an den Stein der Weisen gelangen wollte, den er angeblich in seinem Spazierstock mit der Aufschrift Azoth aufbewahrte.

Auf seinen Reisen soll er auch in den Orient gelangt sein, wo er angeblich von einem arabischen Alchemisten in dessen Wissen eingeweiht worden sein. Aus dieser Quelle soll das Prinzip des Sal kommen, welches von Paracelsus (wieder) in der Alchemie eingeführt wurde. Er greift also auf die drei Prinzipien, die tria prinzipia der Alchemie zurück, Sal, den Körper, Merkur, den Geist und Sulfur, die Seele, wobei es sich keinesfalls um chemische Substanzen handelt sondern um geistige Wirkkräfte. Er überträgt diese in die Medizin und gelangt so zu seinen iatrochemischen Elixieren, Essenzen, Quintessenzen, Tinkturen, Arkanen, Panaceen, Allheilmittel und Universalpräparaten.

Heute gilt Paracelsus als Begründer der Iatrochemie, dem Vorläufer der pharmazeutischen Chemie, einem Begriff der in der Alchemie zur Abgrenzung zur Goldmacherei eingeführt wurde. Allerdings war er kein Pharmazeut im heutigen Sinne, da seine Abhandlungen über Kräuter und Mineralien kaum Unterschiede zu Werken anderer Alchemisten wie beispielsweise Valentinus aufweisen. Eher ist er bedeutend, da er der Praxis und der Volksmedizin den Vorzug vor der reinen theoretische Medizin gab. Seinen Beitrag zur Alchemie, der Spagyrik, ist in diesem Buch im Abschnitt zur Heilkunst ein ganzes Kapitel gewidmet. Zwar waren sowohl die Drei- Prinzipien- Lehre als auch die Idee der substanzbezogenen Quintessenzen vorher bekannt, doch fällt Paracelsus die Rolle zu, diese Ideen zu Allgemeingut gemacht zu haben. Verschwiegen werden sollte aber auch nicht, dass Paracelsus an schwarzmagische Kräfte glaubte, die bestimmte Krankheiten verursachen könnten.

John Dee & Arthur Dee

Neben dem deutschsprachigen Raum war vor allem England weiter eine Hochburg der Alchemie. John Dee war einer ihrer dortigen bedeutenden Vertreter und lebte von 1527 bis 1608. Als Mathematiker, Astronom, Astrologe, Geograph, Alchemist und Mystiker wurde er unter Königen Maria I. wegen schwarzer Magie und Zauberei angeklagt, von deren Nachfolgerin Elizabeth I. aber zum Hofastrologen und königlichen Berater ernannt. So unterschiedlich können mystische Alchemisten angesehen sein.

Dee studierte Mathematik, die Kabbala, Magie, Astrologie, hermetische Philosophie und Alchemie und führte die Schöpfung auf die Einheit von Punkt, Linie und Kreis nach der neoplatonischen Lehre zurück. Er betrieb naturwissenschaftliche Forschung und Magie und Wahrsagerei und betrachtete diese beiden Denkrichtungen als Suche nach einem transzendenten Verständnis Gottes und seiner Idee, welche hinter der sichtbaren Welt für ihn verborgen war. Sein bedeutendstes alchemistisches Werk war „Monas Hieroglyphica“, die 1659 auch im Sammelwerk „Theatrum Chemicum“ enthalten ist. Darüber hinaus bemühte er sich, Kontakt mit Engeln aufzunehmen, wobei ihm sein Schüler Edward Kelley als Medium diente. Zur Verständigung mit den Engeln wurde Dee und Kelley die henochische Sprache übermittelt, die über eigene Buchstaben und eine eigene Grammatik verfügte. Sie fand ab 1888 mit dem Alchemisten- Orden Hermetic Order of the Golden Dawn Anwendung in magischen Praktiken.

Arthur Dee, der älteste Sohn John Dees aus dessen dritter Ehe, schrieb eine Sammlung alchemistischer Schriften unter dem Titel „Fasciculus Chemicus“ in Latein, welches später von Elias Ashmole ins Englische übersetzt wurde.

Abbildung 17: John Dee Doch zurück zu seinem Vater, John Dee. Er wurde am 13. Juli 1527 in London als Sohn einer wohlhabenden, aus altem Adel stammenden Familie geboren. Nach dem Stand angemessener Ausbildung schloss er 1548 das St. John’s College in Cambridge mit dem Master of Arts ab und studierte dann unter anderem in Löwen in den Niederlanden weiter. 1550 ging er nach Paris und lehrte dort nach eigenen Angaben unter anderem Euklid.1551 jedoch wieder zurück nach England, wo nun Edurad VI. auf dem Thron saß, wenn auch nur bis 1553. 1556 schlug John Dee Königin Maria I., die auch „Bloody Mary“ genannt wurde, geschuldet der Tatsache, dass sie Andersgläubige und vermeintliche Verräter angeblich schnellstmöglich hinrichten ließ, und von 1553 bis 1558 Königin von England war, die Gründung einer Nationalbibliothek vor, sein Vorschlag wurde aber abgelehnt und darauf baute er eine Privat- Bibliothek auf, die mit seinen 4000 Büchern zu einer der größten Sammlungen der damalige Zeit zählte. Basis seiner Sammlung bildeten vor allem Bücher aus den unter Heinrich VI. Aufgelassenen Klöstern. Grund für die Ablehnung war sicher auch, dass er im Jahr zuvor wegen Ausübung der schwarzen Magie, Zauberei und Verrat an der Königin angeklagt wurde. Das Verfahren wurde dem katholischen Bischof Edmund Bonner, der für seine Grausamkeiten bekannt war und innerhalb von 3 Jahren etwa 200 Protestanten auf den Scheiterhaufen brachte, zur religiösen Begutachtung vorgelegt. Dee wurde kurz darauf wieder auf freien Fuß gesetzt und er und Bonner wurden enge Freunde.

1558 bestieg Elizabeth I. den Thron und machte John Dee zu ihrem engsten Berater für Astrologie und Wissenschaften, allerdings ohne feste Anstellung und somit ohne festen Sold. 1564 veröffentlichte er seine alchemistische Schrift „Monas Hieroglyphica“, in der eine einzige Glyphe im kabbalistischen Sinne erklärt, die die mystische Einheit der gesamten Schöpfung symbolisieren soll und die, wie er behauptet, ihm unmittelbar von Gott als himmlisches Geheimnis offenbart wurde. In dieser Glyphe sind die Symbole der vier Elemente und der sieben Planeten zusammengefasst. 1616 taucht sie auch in der „Chymischen Hochzeit“ des Christian Rosenkreuz auf und findet so einen Platz in der Rosenkreuzerbewegung.

Abbildung 18: Dee- Hieroglyphe In den 1580er Jahren zweifelte Dee immer mehr an sich, da seine Fortschritte in der Forschung nicht seinen Erwartungen entsprach. Er wandte sich mehr und mehr dem Übersinnlichen zu, auf der Suche nach Weisheit. Dabei versuchte er mittels eines „Scryers“, eines Wahrsagers, als Medium Kontakt mit Engeln aufzunehmen. Schon lange hatte er sich mit der Angelologie beschäftigt, hatte alles gesammelt, was an Schriftstücken über die Gespräche zwischen Menschen und Engeln aufzufinden war. 1581 traf er auf das Medium Edward Kelley, dessen Lebensgeschichte weiter unten nachzulesen ist, und der ihn tief beeindruckte, obwohl beider Herkunft doch so unterschiedlich war. Er nahm ihn als Medium in seine Dienste auf und widmete sich nun ganz den „Engelsgesprächen“ und „spirituellen Konferenzen“, die bei Dee geprägt waren von dessen tiefer christlicher Frömmigkeit und begleitet wurden von intensivem Beten und Fasten. Die Gespräche mit den Engeln und die von ihnen diktierten Schriften wurden in der henochischen Sprache getätigt, die von Dee in seinen Tagebüchern penibel aufgeschrieben wurden. Dort ist nachzulesen, wie der heilige Tisch und das Siegel Gottes zubereitet und andere Vorbereitungen stattzufinden haben für die Gespräche mit den Engeln.

Der heilige Tisch, den er auch Tisch des Bundes nennt, und den er nach Vorschriften des Erzengels Gabriel fertigen ließ, zeigt in der Mitte der Tischplatte das Siegel Gottes, nach John Dee auch Sigillum Dei Æmeth genannt, welches sich aus zwei Kreisen, einem Pentagramm und drei Heptagonen zusammensetzt und mit Namen Gottes und seiner Engel beschriftet ist.

Mit Hilfe dieses Siegel hat der in die magische Kunst Eingewiesene nach Erläuterungen des „Liber iuratus“, einer Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, Macht über alle Geschöpfe außer den Erzengeln und kann den sonst nur Seligen und Engeln vorbehaltene Schau Gottes erlangen. Dee hatte in seinem Haus eine Art Kapelle eingerichtet, in der dieser Tisch stand und den nur Eingeweihte sehen durften. Des weiteren war ein Kristall in diesem Raum, über den Kelley die Weisheiten der Engel erfuhr und den Dee bei einer Beschwörung am 21. November 1582 von einem Engel erhalten haben will. Über den Kristall auf dem Tisch konnte Dee durch das Medium Kelley alles sehen und durch dessen Orakelsprüche alles erfahren, was er nur wollte.

Im September 1583 verließen Dee, Kelley und ihre Familien England und bereisten Europa, über die Niederlande nach Lübeck, Stettin und Krakau, jeweils ihre Geisterseherei vorzeigend, später auch nach Prag, wo sie am Hofe des Kaisers Rudolph II. ihre Fähigkeiten demonstrierten. Allerdings trat hier bald die Inquisition auf den Plan und bezichtigte sie der Ketzerei Hexerei und sie flohen nach Erfurt und dann nach Kassel, wo sie aber ebenfalls nicht gut aufgenommen wurden. So zog es sie wieder nach Krakau, wo sie in König Stephan von Polen einen Gönner fanden. Ihm weissagten sie, er habe gute Chancen, neuer Kaiser zu werden, doch die ständigen Geldforderungen der Reisegruppe brachte ihnen bald Verdruss ein und sie mussten weiter ziehen nach Böhmen, wo sie 1586 in Wilhelm von Rosenburg in Wittingau, heute Třeboň, einen neuen Förderer fanden.

Zwischen Kelley und Dee traten zunehmend Spannungen auf, hervorgerufen auch davon, dass Kelley sich mit Erfolg alchemistischen Experimenten widmete und so die Aufmerksamkeit von Kaiser Rudolph II. und Elizabeth I. fand, aber auch dadurch, dass Dee zusehends den Charakter Kelleys erkannte, den er als „Ausbund eines verruchten Buben, im höchsten Grade liederlich, einen Trunkbold und dabei zänkisch und unbändig“ beschrieb, aber doch von dessen Fähigkeiten als Medium überzeugt war. Kelley trieb seinerseits die Trennung voran, unter anderem, in dem er in einer Sceance den Tausch ihrer Frauen als vom Erzengel Uriel bestimmt verkündete. Dee und seine Frau stimmten erst zu, kehrten dann aber Kelley den Rücken und gingen zurück nach England.

1589 kamen sie wieder in England an und fanden die Bibliothek geplündert, sein Laboratorium zerstört. Er bat Königin Elizabeth um Hilfe, die ihn unterstützte Rektor des Christ’s College in Manchester zu werden, was er am 20. Mai 1595 auf Anweisung Elizabeths auch wurde. Er war jedoch als Schwarzmagier geschmäht und nach Elizabeths Tod kam Jacob I. auf den Thron, der ihm jegliche Hilfe entzog. Dee lebte den Rest seines Lebens zurückgezogen und verarmt, starb Ende 1608 oder Anfang 1609 in Mortlake. Genaue Angaben gingen verloren, sowohl sein Sterberegistereintrag als auch sein Grabstein.

John Dee war dreimal verheiratet und hatte acht Kinder. Sein ältester Sohn Arthur, geboren am 13. Juli 1579 in Mortlake, wurde wohl durch den Einfluss seines Vaters ebenfalls Alchemist. Er begleitete die Gruppe um seine Vater und Kelley auf ihren Reisen durch Europa und wurde von diesen unterrichtet, aber wohl mehr schlecht als recht. Als die Spannungen und Streitigkeiten zwischen seinem Vater und Kelley zunahmen, wollte Dee, dass sein Sohn die Stelle des Mediums einnehme, jedoch kamen trotz Tisch, Siegel und Kristallkugel keine Orakelsprüche und Weissagungen der Engel zustand. Nach der Rückkehr der Familie nach England besuchte er die Westminster School, wurde Doktor der Medizin und 1614 Arzt im London Charterhaus, einem Krankenhaus. Später ging er nach Moskau und wurde Leibarzt von Michael I. von Russland, beschäftigte sich aber nebenher mit der Alchemie und veröffentlichte 1631 sein Werk „Fasciculus chemicus“, das in Paris erschien, einer Sammlung alchemistischer Schriften u.a. von Arnaldus de Villanova, Basilius Valentinus und George Ripley.

1637 starb seine Frau Isabella, die Tochter des Richters Edmund Prestwich, mit der er insgesamt 12 Kinder hatte. Nun zog er von Moskau zurück nach England und wurde Leibarzt von Karl I. Arthur Dee selbst lebte noch bis 1651 in Norwich, wo er im September starb.

Edward Kelley

Über Edward Kelley, der sich auch Edward Talbot nannte, ist vor der Begegnung mit John Dee im Jahre 1582 wenig bekannt. Geboren 1555 in Worchester war er der Legende nach zunächst als Apotheker oder Gemeindeschreiber tätig, als Letzterer soll er wegen Urkundenfälschung überführt und seiner Ohren durch den Henker verlustig gegangen sein, andere Quellen behaupten, er habe seine Ohren wegen Geldfälscherei verloren. Auf der Flucht kam er nun nach Wales, wo er in einem Gasthaus gebeten wurde, etwas zu einer den Bewohnern des Dorfes unverständlichen Schrift zu sagen. Kelley erkannte wohl, dass es eine Schrift war, die sich mit der Metallveredelung beschäftigte und in Latein verfasst war. Er erfuhr auch, dass diese Schrift früher einem reichen Bischof gehört hatte, dem der Legende nach all seine Reichtümer ins Grab mitgegeben wurden. Nach der Abkehr der Briten vom Katholizismus getrauten sich die Bewohner, das Grab zu öffnen und die Schätze zu suchen, doch es ward lediglich diese Schrift und zwei Elfenbeikugeln aufzufinden.

Die Kugeln wurden zerstoßen und es fand sich ein rotes Pulver in der einen und ein weißes Pulver in der anderen, mit dem die Bewohner des Ortes nichts anzufangen wussten. Der Gast wusste wohl um den Wert der Schrift und bot dem Wirt ein Pfund Sterling für die Schrift. Der Wirt schlug sofort ein und gab Kelley nicht nur die Schrift sondern auch die Reste des Pulvers, mit denen Kelley schnellstmöglich verschwand. Da er sich mit alchemistischen Experimenten nicht auskannte, begab er sich nach London, wo er Kontakt zu John Dee hatte. Dee erkannte das Pulver als rote und weiße Tinktur und sie stellten etwas Gold damit her. Da sie nun um ihr Wissen fürchteten, verließen sie England auf dem schnellsten Wege. Kelley war jünger als Dee und ab 1582 sein Medium bei der Kommunikation mit Engeln. Diese Zusammenarbeit, die beide durch halb Europa führte, endete 1589, als Kelley versuchte, Dee in einer Seance zu überzeugen suchte, der Erzengel Uriel habe einen Frauentausch der beiden angeregt. Er selbst wurde 1591 auf Befehl des Kaisers Rudoph II. wegen Mordes inhaftiert, 1593 angeblich auf Betreiben von Elizabeth I. entlassen und verstarb wohl im Jahr 1597.

Gemeinsam hielten Dee und Kelley die henochische Schrift fest, wobei ihnen unter anderem Schriften von Giovanni Agostino Panteo als Grundlage gedient haben sollen.

Robert Fludd

Robert Fludd wurde 1574 in Kent geboren, studierte später in Oxford und praktizierte als Arzt auf Reisen durch Frankreich, Deutschland und Italien. Er war von Paracelsus beeinflusst und Anhänger esoterischen Gedankengutes, dargelegt in seinem Werk „Utriusque cosmi maioris scilicet et minoris Metaphysica, physica atque technica Historia“, in dem seine Thesen häufig mit Zitaten aus dem Corpus Hermeticum begründet sind. Darin ließ er sich auch nicht beirren, als Isaac Casaubon den Ursprung des Corpus aus dem antiken Ägypten in die Zeit um das 2. Jahrhundert ermittelte. Viele seiner Schriften handelten von den Sympathien, die in der Natur zwischen dem Menschlichen, dem Irdischen und dem Göttlichen herrschten. Dabei trat er der parazelsischen Tria Prima entgegen in dem er die Theorie aufstellte, das alle Dinge aus dem ersten Chaos, dann aus dem göttlichen Licht, das auf dieses Chaos wirkte schließlich das Wasser hervor brachte. Dieses Wasser nannte Fludd „Geist des Herrn“ und es bildete die passive Materie aller späteren Substanzen, einschließlich der sekundären Elemente und der vier Eigenschaften der Philosophen. Paracelsus Tri- Prima- Theorie der drei Grundprinzipien, Sulfur, Mercurius und Sal, rührten nach Fludd daher, dass Chaos und Licht interagierten und so Variationen des Wassers, des „Geistes des Herrn“, erzeugten.

Fludd war der Überzeugung, dass echte Weisheit in den Schriften der alten Magier zu finden ist, womit er vor allem Pythagoras seine Zahlenlehre meinte, in der alle großen verborgenen Geheimnisse zu finden seien. Für die Makrokosmos- Mikrokosmos- Beziehung stellte Fludd die Theorie auf, dass das göttliche Licht die aktive Kraft sei, die für die Schöpfung verantwortlich ist. Der Geist des Herrn ist buchstäblich in der Sonne enthalten und Sonne und erde verhalten sich wie das Herz zum Menschen. Die Sonne bringt der Erde ihren Geist durch ihre Strahlen, die die Erde treffen und ihr Leben geben, wie das Herz das Blut als Geist des Herrn durch den menschlichen Körper zirkulieren lässt. Nach Fludd wird der von der Sonne genährte makrokosmale Geist von Astralkörpern beeinflusst und in seiner Zusammensetzung verändert. Durch aktives Handeln kann der makrokosmale Geist auf den mikrokosmalen Geist im Blut übertragen werden. Wird die Bewegung des Geistes zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos verfälscht, können Krankheiten in den Mikrokosmos eindringen. So gesehen stellte sich Fludd Krankheiten ähnlich wie Paracelsus als externes Eindringen vor, nicht als ein komplexes Ungleichgewicht der Säfte im Körper.

Auch trat er als Verfechter der Rosenkreuz- Ideen auf, zu denen wir später noch ausführlich kommen, behauptete aber stets, keinem Rosenkreuzer- Orden anzugehören. Auch verteidigte er die Rosenkreuzer gegen die Vorwürfe der Häresie, teuflischen Magie und Aufruhr.

Fludd wurde von seinen Kritikern auf Grund seines geistigen Hintergrundes Trismegistian- Platonick- Rosy-crucian Doctor genannt.

Alexander von Suchten

Doch nach diesem Ausflug nach England zurück in den deutschsprachigen Raum.

Alexander von Suchten war Alchemist, Arzt und Dichter und lebte von 1520 bis 1590. Als Arzt und Alchemist verfolgte er in seinen Schriften die Ideen des Paracelsus weiter und wandte sich entschieden gegen die Vortäuschung falscher Tatsachen in der Alchemie, indem er die Transmutation der Metalle, also die Goldmacherei, entschieden ablehnte.

Geboren wurde er um 1520 in der Nähe von Danzig geboren, seine Eltern waren Georg und Euphemia von Suchten, seine Familie stammte vom Niederrhein und übersiedelte um 1400 in die Danziger Gegend. Sie gewann recht schnell an Einfluss, bis hin zu seinem Onkel Christoph, der Sekretär des polnischen Königs Sigismund I. war. Alexander von Suchten besuchte das Gymnasium von Elbing und studierte ab 1541 an der Universität Löwen Philosophie und Medizin. Von 1549 bis 1552 war er Alchemist am Hofe von Ottheinrich von der Pfalz, hielt sich von 1554 bis 1557 am polnischen Königshof in Krakau auf, dann ging er an die Universität von Ferrara in Italien, wo er den Doktor in Medizin machte. Er versuchte 1563 als Leibarzt in Königsberg angenommen zu werden, was nicht gelang. Ab 1567 ging er in den Elsass zu Michael Toxites, einem Arzt, Alchemisten und Buchverleger, übernahm 1574 eine Stelle als Landarzt in Linz in Österreich, verstarb dort aber im darauf folgenden Jahr.

Leonhard Thurneysser

Leonhard Thurneysser, der von 1531 bis 1596 lebte, ist ein weiteres Beispiel eines Alchemisten, der auf dem schmalen Grat wandert. Einerseits war er Goldschmied, interessierte sich aber auch für Pharmazie, Chemie, Metallurgie, Botanik, Mathematik, Astronomie, Alchemie und Medizin, andererseits wurde er schnell ein reicher Mann indem er astrologische Kalender, Horoskope, Talismane und selbst erstellte Heilmittel, die eindeutig medizinischer Scharlatanerie gleich kamen, verkaufte. Weiter entwickelte er ein paracelsisches Wörterbuch und ein astronomisches Buch mit Planetentafeln, starb aber schlussendlich unglücklich und arm in der Nähe von Köln.

Thurneysser wurde am 22 Juli 1531 in Basel als Sohn eines Goldschmiedes geboren. Von seinem Vater lernte er das Goldschmiedehandwerk, interessierte sich aber schon in jungen Jahren für Alchemie und über den Medizinprofessor Johannes Huber auch für Kräuter und Arzneien, deren Herstellung von den Werken des Paracelsus geprägt waren. Ab 1547 ging er auf Wanderschaft, kehrte um 1555 kurz nach Basel zurück, heiratete, wurde Mitglied der „Zunft der Hausgenossen“, der Zunft der Geldwechsler und Goldschmiede, und ging ab 1558 wieder auf Wanderschaft. 1559 wurde er in Tirol Metallurg und Besitzer eines Bergwerkes und erlangte dort nach eigenem Bekunden den Ruf als vorzüglicher Experte in den Bereichen Pharmazie, Chemie, Metallurgie, Botanik, Mathematik, Astronomie und Medizin. Unter anderen bewunderte ihn Kaiser Ferdinand I. und sein Sohn Ferdinand II. sowie dessen Frau Philippine. Letztere ermutigte ihn zu Reisen in den Orient und Nordafrika,wo er fleißig Pflanzen, Mineralien und Rezepturen für Arzneimittel sammelte. Ab 1569 war er Leibarzt des Bischofs von Münster, Johann III. von Hoya, der ihn auch beauftragte, eine apotheke einzurichten, doch die umfangreichen Vorstellungen des Thurneysser standen den geringen Mitteln des Bischofs entgegen.

1570 wurde er Leibarzt des brandenburgischen Kurfürsten Johann Georg, nachdem er dessen Ehefrau geheilt hatte. Der Kurfürst stellte ihm einige Räumlichkeiten im ehemaligen Franziskanerkloster in Berlin, heute das „Graue Kloster“, für seine Tätigkeiten ein. Hier begann er, eine Mischung aus Medizin und Scharlatanerie zu betreiben, die ihm in kurzer Zeit die Taschen füllte, verkaufte astrologische Kalender, Horoskope und Schutzzauber gegen böse Geister, richtete aber auch das erste naturwissenschaftliche Kabinett und einen botanischen Garten in Berlin ein und hielt exotische Tiere in seinem Garten.

1579 reiste er wieder einmal nach Basel, heiratete dort zum dritten Mal und holte allen seinen Besitz aus Berlin nach Basel. Doch schon bald geriet er in Streitigkeiten mit seiner Frau, der im Zuge der Trennung nahezu das gesamte Vermögen Thurneyssers zugesprochen wurde. Er ging zurück nach Berlin, später nach Rom und verstarb 1596 in oder nahe Köln. Er liegt im Kölner Dominikanerkloster „Zum Heiligen Kreuz“, auch Predigerkloster genannt, begraben.

Sein bedeutendstes Werk trägt den Titel „Archidoxa“ und behandelt der Lauf und die Wirkung der Gestirne auf den Menschen. In seiner Schrift „Magna Alchymia“ sind sowohl seine paracelsischen Kenntnisse als auch seine mineralischen Kenntnisse gesammelt.

Andreas Libavius

Andreas Libavius wurde etwa um 1555 in Halle an der Saale geboren und gilt heute als einer der Mitbegründer der modernen Chemie. Er studierte zunächst Philosophie, Geschichte und Medizin, war dann als Lehrer tätig und später als Professor. Libavius verfasste 1597 das erste systematische Buch über Chemie mit dem bezeichnenden Titel „Alchemia“, in dem er auch die Möglichkeiten der Transmutation beschreibt. Zu Paracelsus‘ Ideen hatte er ein gespaltenes Verhältnis, besonders zur Chemiatrie, der Nutzbarmachung der Alchemie für die Medizin, indem möglichst reine Heilmittel erzeugt werden sollten. Andererseits befürwortete er weite Teile der paracelsischen Lehre, ohne dessen spirituelle und astrologische Auslegungen gut zu heißen. Gegen die Rosenkreuzer verfasste er eine ablehnende Abhandlung.

Libavius, eine latinisierte Form von Li(e)bau, wurde 1555 als Sohn des Leinwebers Johann Liebau in Halle geboren, besuchte in halle das Gymnasium und studierte 1576 an der Universität Wittenberg und 1577 an der Universität Jena Philosophie und Geschichte, wo er 1582 Doktor der Philosophie wurde. In Jena studierte er zusätzlich noch Medizin, ohne allerdings zu einem Abschluss zu gelangen. Ab 1581 war er auch als Lehrer in Illmenau und später in als Rektor in Coburg tätig. Erst 1588 promovierte er in Basel an der dortigen Universität als Doktor der Medizin und begann noch im selben Jahr als Professor für Geschichte und Poetik in Jena Vorlesungen zu halten. 1591 wurde Libavius Stadtphysicus in Rothenburg ob der Tauber und 1606 Rektor des neu gegründeten Gymnasiums Casimiranum in Coburg, wo er bis zu seinem Tode im Jahr 1616 als Direktor und Professor Primarius angestellt war.

Auch wenn er als erster „Chemiker“ gilt, so war er doch auch Alchemist, glaubte an die Transmutation und die Existenz des Steins der Weisen, für die er als Zeugen u.a. Pico della Mirandola, Edward Kelley und Michael Sendivogius benannte.

Heinrich Khunrath

Heinrich Khunrath lebte von 1560 bis 1605, war Arzt, Alchemist und Kabbalist und wurde vor allem wegen seiner Kupferstiche in den Büchern über Alchemie berühmt, vor allem dem „Amphitheatrum Sapientiae Aeternae“. Seine alchemistischen Kenntnisse verdankt er in erster Linie dem Kontakt mit John Dee im Jahre 1589.

Heinrich Khunrath wurde 1560 als Sohn des Kaufmanns Sebastian Khunrath und dessen Frau Anna in Leipzig geboren. Er war Bruder von Conrad Khunrath, der ebenfalls Alchemie betrieb. Heinrich Khunrath wurde 1570 bereits im Alter von 10 Jahren an der Universität Leipzig eingeschrieben, musste, da er noch nicht 13 Jahre alt war, auch keinen Eid auf die Universität ablegen, und kam dort etwa 1574 erstmals mit der Alchemie in Kontakt. 1588 zog er nach Basel, studierte dort an der Universität weiter und erwarb den Doktor der Medizin mit dem Werk „De signatura rerum naturalium“, das sich sowohl auf die Signaturenlehre des Paracelsus bezieht als auch auf die „Historia animalia“ des Aristoteles. Im Jahre 1589 traf Khunrath wohl in Bremen auf John Dee, der nach seinem misslungenen Versuch, den Pragern seine universelle Religion zu vermitteln, hier durchreiste. Im Amphitheatrum ist bei Darstellung der hermetischen Festung am Portal die Monas-Hieroglyphe zu sehen, die Dee kurz zuvor entwickelt hatte. Khunrath und Dee waren aber nicht nur wegen ihres Altersunterschiedes von 33 Jahren sehr verschieden. Während die den Eifer eines Missionars an den Tag legte, war Khunrath eher der zurückgezogen lebende Forscher, der kaum einmal Schüler um sich ertragen konnte. Khunrath war, vielleicht auf Empfehlung Dees, später Hofarzt am Hofe von Wilhelm von Rosenberg und Graf Albrecht VII. von Schwarzburg- Rudolstadt und erhielt 1598 durch Kaiser Rudolf II. auch ein kaiserliches Privileg für 10 Jahre für sein Amphitheatrum. Heinrich Khunrath starb am 9. September 1605 in Dresden.

Alexander Setonius Scotus

Alexander Setonius, genannt Seton, lebte Ende des 16. Jahrhunderts und starb im September 1606 in Basel, anderen Quellen zufolge 1604 in Krakau. Er stammte vermutlich aus Schottland und bereiste weite Teile Europas. Deswegen bezeichnete er sich selbst gerne als Kosmopolites. Erste Berichte über ihn stammen aus dem Jahr 1601, als der holländische Schiffer Jakob Hanssen vor der schottischen Küste Schiffbruch erlitt und von Setonius gerettet wurde. Setonius besuchte Hannsen ein Jahr später in Enkhuysen in Holland und demonstrierte ihm hier am 13. März 1602 um 4 Uhr nachmittags, wie man Blei in Gold verwandelt. Das erzeugte Goldstück wurde gerne herumgezeigt, unter anderem 50 Jahre später Daniel Georg Morhof, der Berichte über Goldmacher sammelte. Setonius hingegen verschwand schnell wieder und tauchte 1603 zwischen Zürich und Basel auf, wo er eine Zeit mit Johann Wolfgang Dienheim reiste, der ihn als ziemlich betagten, verständigen und ungemein bescheidenen Mann bezeichnete. In Basel gesellt sich Dr. Jakob Zwinger hinzu und Sentonius demonstriert den beiden Zweiflern die Transmutation, indem er eine Tafel Blei mit Schwefel schichtweise in einen Schmelztiegel gab und aufschmolz, sodann ein Brieflein mit einem schweren, gelblichen, fettigen Pulver hineinwarf und fleißig umrührte, bis reinstes Gold aus dem Tiegel gegossen wurde. Zwinger, Doktor der Medizin und Professor in Basel bestätigte unabhängig von Dienheim dieses Geschehen, da er glaubte, Dienheim sei ein Diener Setonius‘ gewesen.

Weitere Demonstrationen der Transmutation folgten an unterschiedlichen Orten, in Helmstedt bei Philosophieprofessor Cornelius Martini, in München, wo er heiratete, in Stuttgart, wo er dem Herzog Friedrich von Württemberg seine Kunst vorführte, was zur Hinrichtung des Hofalchemisten wegen Unfähigkeit führte, in Straßburg, Frankfurt, Köln und Schloss Crossen in Sachsen, wo er die Transmutation dem Kurfürsten Christian II. von Sachsen demonstrierte. Dieser wollte nun von Setonius das Wissen über den Stein der Weisen erfahren, sperrte ihn ins Gefängnis und versuchte zunächst mit Drohungen, später mittels Folter an die Geheimnisse zu gelangen. Aber Setonius wollte eher qualvoll zugrunde gehen, als einem Ketzer, als der der Kurfürst als Protestant in den Augen des Katholiken Setonius galt, das Geheimnis anzuvertrauen. Michał Sędziwó, Sendivogius genannt, soll ihn befreit haben, indem er die Wachen betrunken machte, doch Setonius starb 1604 an den Folgen der Folter in Krakau, ohne Sendivogius das Geheimnis anzuvertrauen. Lediglich eine Unze des Goldpulvers hatte er ihm kurz vor seinem Tod übergeben. Auch behauptete Setonius, dass sein Goldpulver wohl alle Krankheiten heilen könne, aber nicht die durch die Folter erlittenen Wunden. Sendivogius heiratete die Witwe Setonius‘ und nutzte dessen Pulver weiterhin.

Einer anderen Aussage nach starb Setonius allerdings im Hause Zwingers in Basel und soll einem Briefwechsel zwischen Zwinger und Johann Weidner eigentlich Girolamo Scotto aus Piacenza gewesen sein.

Belege gibt es für keine der beiden Versionen, geblieben ist der Ruf einer der wenigen Alchemisten zu sein, die den Stein der Weisen gefunden und erfolgreich eine Transmutation von Blei zu Gold durchgeführt haben.

Oswald Croll

Oswald Croll war ein deutscher Arzt, Pharmazeut und Alchemist, der um 1560 bis 1609 lebte. Bei seinen Reisen durch Deutschland, Polen, Ungarn, Italien und Frankreich kam er mit der Alchemie in Kontakt und verfasste nach seinen Reisen das umfangreiche Buch „Basilica Chymica“ in dem er vor allem die Chemiatrie des Paracelsus vertrat und ihr durch detaillierte Beschreibungen für die Arznei- Herstellung in akademischen Kreisen endlich Geltung verschaffte.

Michał Sędziwój

Michał Sędziwój, der lateinisiert Sendivogius genannt wurde, war ein polnischer Adliger, der von 1566 bis 1636 lebte und sich mit Philosophie, Medizin und Alchemie beschäftigte. Er war sowohl bei Kaiser Rudolph II. in Prag und Kaiser Ferdniand in Wien tätig. Dank seiner praktischen Experimente war er ein Vorreiter der modernen Chemie, vor allem der Metallurgie, und beeinflusste mit seinen Werken kommende Alchemisten wie Isaac Newton, Michael Maier, Johann Rudolph Glauber und Thomas Vaughan.

Michał Sędziwój hieß ursprünglich Sędzimir und wurde als Sohn Jacob Sędzimir am 2. Februar 1566 in Łukowica geboren. Seine Familie gehörte dem polnischen Adel an und er wuchs zunächst auf dem kleinen Gut bei Nowy Sacz nahe Krakau auf. Später studierte er in Krakau zunächst Philosophie und Theologie, später auch Mathematik und Naturwissenschaften. Über die Schriften von Arnaldus de Villanova kam er zur Alchemie. Er setzte seine Studien in Wien, Altdorf und Leipzig fort und reiste nach eigenen Worten auch nach Cambridge, Padua, Rom, Neapel, Venedig und Konstantinopel.

1593 zog er nach Prag und wurde Alchemist am Hofe Rudolph II. und betrieb ein Labor im Hradschin. Auf Grund des gemeinsamen Interesses für die Alchemie kamen er und der Kaiser sich nah und Sendivogius wurde zunächst Höfling und ab 1598 kaiserlicher Rat. Durch die Freundschaft zwischen Rudolph II. und Sigismund III. Wasa von Polen kam er 1594 in den Rang eines Diplomaten am polnischen Hofe. 1597 kaufte er das Gut Liber bei Prag von der Witwe von Edward Kelley und änderte in dieser Zeit auch seinen Namen von Sędzimir in Sedziwoj, latinisiert Sendivogius, was ihm nobler erschien.

1594 heiratete er Veronika Stiebar von Buttenheim, der reichen Witwe von Hans Ehrenfried von und zu Absberg, die allerdings bereits 1599 in Prag an der Pest starb.

1599 geriet er in Erbstreitigkeiten und wurde des Mordes beschuldigt, kam aber durch Einwirkung von Sigismund frei. Enttäuscht über die fehlende Unterstützung vom Kaiser verkaufte er sein Gut und zog nach Polen, wo er gemeinsam mit dem polnischen König alchemistische Experimente betrieb, aber auch zwischen dem Kaiser und dem polnischen König diplomatische Verhandlungen über den Zugang zum schwarzen Meer. 1604 befreite Sendivogius der Legende und eigenen Angaben nach Sentonius aus dem Kerker des Kurfürsten von Sachsen und gelangte an einige Unzen Goldpulver, aber nicht an das Geheimnis es herzustellen. Im selben Jahr soll Sendivogius in Prag dem Kaiser Rudolph II. die Transmutation einer Silbermünze in Gold vorgeführt haben, eben mit diesem Goldpulver des Sentonius, worauf der Kaiser eine marmorne Gedenkplatte anbringen ließ.

1605 löste er eine diplomatische Krise aus, als er auf einer Reise nach Stuttgart vom Herzog Friedrich von Württemberg inhaftiert wurde um ihm sein alchemistisches Wissen abzupressen. Der Kaiser und der König von Polen schalteten sich ebenso ein, wie andere Fürsten und erwirkten seine Freilassung. Der Herzog bezeichnete die Inhaftierung als Irrtum, der seinem Hofalchemisten Johann Müller von Mühlenfels geschuldet war, der umgehend gehängt wurde. Hier mischen sich dann die Legenden von Sedigovius und Setonius, wie man sieht, denn diese Geschichte wird beiden nachgesagt.

Ab 1608 war er als Diplomat in Moskau und Padua, war sowohl für den Wojwoden Jerzy Mniszech, den Kaiser und den polnischen König tätig. Auf seinen Reisen pflegte er Kontakte zu anderen Alchemisten wie Johann Hartmann und Michael Maier, der Sendivogius in sein Buch „Symbola aurea mensae“ aufnahm.

Sendivogius starb am 12. August 1636 in Deutsch Krawarn, einem Dorf bei Troppau, das er vom Kaiser Ferdinand II. statt ausstehender Gelder erhielt.

Das wichtigste Werk Sendivogius‘ ist „12 Traktate über den Stein der Philosophen“ auch als „Novum Lumen Chymicum“ veröffentlicht, dessen Inhalt anderen Quellen als den Worten Sendivogius‘ zufolge komplett von Setonius geschrieben wurde. Es ist allerdings ein wegweisendes Werk, da es die spekulative zugunsten der experimentellen Alchemie zurückweist. Nachwirkung hatte er aber auch für die Chemie, denn er entwickelte verschiedene Methoden zur Herstellung verschiedener Säuren, Metalle und anderer Verbindungen. Auch erkannte er, dass Luft nicht eine Substanz ist, sondern ein Gemisch und lebensspendende und feuernährende Bestandteile in sich trug. Für die Alchemie stärkte er die Bedeutung des von Paracelsus wieder eingeführten Prinzipes Salz neben Quecksilber und Schwefel, aber mit einer Hervorhebung des Elementes Luft und einer Schwächung der Bedeutung der Metalle bei der Suche nach dem Stein der Weisen.

Im 17. und 18 Jahrhundert genoss Michał Sędziwój in alchemistischen Kreisen einen herausragenden Ruf, man vermutete, er war im Besitz des Wissens um den Stein der Weisen und sei auch Rosenkreuzer gewesen. Keine Legende ist, das Sendivogius eine Geheimgesellschaft namens „Unbekannte Philosophen“ gründete, deren Statuten erhalten sind.

Michael Maier

Michael Maier war ein Arzt, der die Lehren von Paracelsus anwandte. Als Hofarzt von Rudolph II. Kam er mit alchemistischen und hermetischen Ideen in Berührung und wurde bald zum Vertreter der Rosenkreuzer- Bewegung. In seinem Leben (1568–1622) schaffte er zwei bedeutende Werke der Alchemie, die „Symbola Aureae Mensae duodecim nationum“ 1617 und die „Atalanta fugiens“ 1618, die beide durch ihre kunstvolle Gestaltung Beachtung fanden. Immer wieder musste er trotz seines Einsatzes für die Rosenkreuzer feststellen, dass keine Antwort von ihnen kam, so sehr man sich auch bemühte mit ihnen in Kontakt zu treten. Zur Ursache dieses Umstandes bitte ich um etwas Geduld, im Abschnitt über Johann Valentin Andreae wird dies näher erläutert.

Michael Maier wurde 1568 in Rendsburg geboren. Von 1587 bis 1591 studierte er Sprachen, Medizin und Rhetorik in Rostock und schloss das Studium 1592 mit der Magisterprüfung ab. 1595 wollte er in Padua promovieren, musste aber zuvor wegen eines Duelles Padua fluchtartig verlassen und ging nach Basel, wo er 1596 promovierte. Er kehrt nach Rostock zurück und wird hier 1597 auch Doktor der Philosophie, allerdings ist in seinen frühen Schriften kein paracelsischer, neoplatonischer oder religiöser Einfluss erkennbar.

Ende 1597 lernte er wohl in Königsberg eine Gruppe von Alchemisten kennen, die Mittels eines geheimen Pulvers Kranke heilten. So wurde Maiers Interesse für Alchemie geweckt, der er sich nun intensiv widmete. 1601 verbringt er einige Monate auf einem Landgut eines guten Freundes, der über eine umfangreiche alchemistische Bibliothek verfügte. Er reist bald darauf nach Kiel, wo er neben seiner ärztlichen Tätigkeit viele alchemistischen Experimente durchführt. 1607 bricht er seine alchemistischen Versuche ab, nachdem er die dritte Stufe des großen Werkes vollendet hatte, er aber an der vierten Stufe zweimal scheiterte, seine Ersparnisse aufgebraucht waren und seine Nachbarn ihn bereits verdächtigten, Hexerei zu betreiben. Er ging wieder nach Rostock und eröffnete eine Arztpraxis. Maiers Interesse an Alchemie war aber noch am lodern und so folgte er dem Ruf Kaiser Rudolf II. nach Prag, der Alchemisten aus ganz Europa um sich versammelte. Maier wurde jedoch nicht sofort zum Kaiser vorgelassen und nutzte die Wartezeit für seine Schrift „Medicina regia“, die er nur dem Kaiser überbringen ließ und einigen Freunden. Postwendend wurde Maier beim Kaiser vorgelassen, der beeindruckt war und ihn zum Leibarzt und Privatsekretär machte. Auch wurde er zum Pfalzgrafen erhoben und war somit nun sein eigener Herr nebst üppiger Einnahmequelle. Maier hatte nun Kontakt zu den einflussreichsten Alchemisten seiner Zeit, aber auch zu Astronomen wie Tycho Brahe und Johannes Kepler und Malern wie Giuseppe Arcimboldo.

1613 veröffentlich Maier sein erstes Werk „Arcana arcanissima“, in dem die ägyptische und griechische Götterwelt als aussagestarke Bilder alchemistischer Vorgänge beschrieben sind. 1616 bekennt er sich zum Rosenkreuzertum und verfasst die Verteidigungsschrift „Symbola aureae mensae“. Sei bekanntestes Werk „Atalanta fugiens“ erscheint 1618, zu dem Matthäus Merian das Titelbild, ein Porträt und 50 Kupferstiche beisteuert.

Seine Spur verliert sich 1622 in den Wirren des 30- jährigen Krieges, der von 1618 bis 1648 die deutschen Lande verwüstete, bei Magdeburg.

Martin Ruland der Jüngere

Martin Ruland der Jüngere lebte von 1569 bis 1611 und ist Verfasser des posthum 1612 erschienenen „Lexicon Alchemiae“, einem Lexikon der alchemistischen Terminologie und Symbolik, dass bis heute dem Verständnis der alchemistischen Lehre dient. Es ist in Latein verfasst, eine englische Übersetzung erfolgte durch Arthur Edward Waite 1964, eine deutsche Übersetzung existiert nicht, allerdings sind in den Drucken neben den lateinischen Ausdrücken oft deutsche Wörter zu finden, die es erleichtern, auch die Ausgabe Waites besser zu deuten.

Georg Honauer

Georg Honauer wurde 1572 in Olmütz geboren und war Goldschmied und Alchemist. 1596 trat er in die Dienste des Herzogs Friedrich I. von Württemberg, nannte sich dazu selbst Herr zu Brunhoff von Grobschütz und fälschte nicht nur den Namen sondern auch die Versuche, die ihm den gut bezahlten Posten beim Herzog einbrachten. Selbst die für ihn extra eingerichteten Laboratorien in Kirchheim unter Teck und in Stuttgart beflügelten seine Fähigkeiten nicht, aus Eisen Gold herzustellen. 36 Zentner Eisen wurden herangeschafft und als es ihm nicht gelang, es umzuwandeln, gelang es Honauer zunächst zu fliehen, er wurde aber aufgegriffen und 1597 gehängt. Der Herzog ließ es sich nicht nehmen, etwa 3000 Gulden für die Hinrichtung auszugeben, Honauer in ein gülden besetztes Gewand zu kleiden, den Galgen, den mit 12 Metern höchsten Deutschlands, zu vergolden und das Fundament aus 36 Zentner Eisen fertigen zu lassen. Der Galgen diente anschließend auch zur Hinrichtung von weiteren „Goldmachern“, denen ihr versprochenes Werk nicht gelang, wie Petrus Montanus 1600, Heinrich Nüscheler 1601 und Hans Müller 1606.

Noch 1738 wurde Joseph Süß Oppenheimer in einem eisernen Käfig an diesen Galgen gehängt, wo sein Leichnam bis 1744 verblieb. Joseph Oppenheimer wurde allerdings nicht wegen misslungener Goldmacherversuche hingerichtet, sondern war Opfer eines Justizmordes auf Grund antisemitischer Anschuldigungen.

Jakob Böhme

Jakob Böhme war ein deutscher Philosoph, Mystiker und Theosoph, lebte von 1575 bis 1624 in Görlitz und wird von Georg Wilhelm Friedrich Hegel als erster deutscher Philosoph angesehen. Obwohl Böhme nie studiert hat, oder vielleicht grade deshalb, hat er wunderbare mystisch- phantastische Schriften verfasst, die ihm in seiner Zeit Anfeindungen und Verleumdungen einbrachten, ihm ein christliches Begräbnis verwehrte und dafür sorgte, dass sein Grab besudelt wurde. Doch geblieben ist sein Werk, dass fern akademischer Worthülsen in ausdrucksstarken und bildreichen Worten seine zum Teil alchemistischen Gedanken überliefert.

Geboren wurde Jakob Böhme 1575 in Alt- Seidenberg, einem kleinen Ort in der Oberlausitz als Sohn armer Bauern. Da er bei der Landwirtschaft benötigt wurde, war die Zeit, die er in der Schule verbringen konnte relativ kurz bemessen. Beim Viehhüten soll er eine kleine Höhle gefunden haben, in der sich ein Schatz befunden haben soll. Als er seinen Freunden davon berichtete und sie an den Ort führte, war die Höhle nicht mehr zu finden. Manche bezeichneten diesen Vorfall als Vorzeichen für das spätere Werk Böhmes, den verborgene Eingang zur Schatzkammer der natürlichen und göttlichen Geheimnisse. In der Schule lernte er keine Geheimnisse kennen sondern lediglich dürftig Lesen und Schreiben. Später ging er zur Ausbildung bei einem Schuhmacher in Görlitz zur Lehre. Auch hier setzten sich die merkwürdigen Ereignisse fort. Als er einmal allein im Geschäft des Schuhmachers war, kam ein Fremder herein, der ein Paar Schuhe kaufte, und da Jakob Böhme den Preis nicht wusste einen überhöhten Preis genannt bekam aber diesen auch ohne Worte zahlte. Nachdem er das Geschäft verlassen hatte, hörte Böhme eine Stimme vor der Tür „Jacob, kommt heraus!“. Unsicher kam er raus und der Fremde mit dem neuen Paar Schuhe sagte zu ihm „Jacob, du bist klein, aber du wirst groß, und ganz ein anderer Mann werden, so dass die Welt sich über dich verwundern wird. Sey also fromm, fürchte Gott und ehre sein Wort. Besonders lies gern in der heiligen Schrift, worin du Trost und Unterweisung finden wirst; denn du wirst viel Noth, Armuth und Verfolgung leiden müssen. Aber sey getrost und bleibe beständig; denn du bist Gott lieb und er ist dir gnädig.“ Böhme neigte schon in jungen Jahren zur Melancholie und Schwermut und vertrieb sich seine Zeit häufig mit Lesen, vor allem der Bibel. Wenig gab er sich mit Altersgenossen ab, sondern war eher als Einzelgänger zu bezeichnen und mied jede Art von Ausschweifung. Nach der Lehre begab er sich auf Wanderschaft und nach seiner Rückkehr nach Görlitz erwarb er 1594 die Meisterrechte,heiratete bald Catharina Kunschmann, die Tochter eines Fleischhauers und betrieb ein eigenes Handwerksgeschäft.

Jetzt las er nicht nur die Bibel, sondern auch die Schriften von Paracelsus, Weigel und anderen Theosophen. Er verfügte über eine starke bildliche Vorstellungskraft, die von dieser Art Bücher mit ihrer bildlichen Sprache maßgeblich genährt wurde. Nach eigener Aussage hatte er mehrere Visionen, die er vor allem auf sein Wesen und seinen Lebenswandel zurückführte. Die erste Vision hatte er noch während der Wanderschaft, als er geraume Zeit gebetet hatte und im Geiste in den heiligen Sabbat der Seele versetzt und für sieben Tage in göttliches Licht getaucht wurde. Die zweite Vision hatte er als er 25 Jahre alt war. Beim Anblick eines Zinngefäßes wurde sein Blick in den Bann gezogen, er konnte die Augen nicht mehr abwenden und er empfand in dem Moment in die innersten geheimen Gründe der Natur eingeführt worden zu sein. Glaubte er dieser Erscheinung zunächst nicht und versuchte durch einen Gang vor die Tür sie zu vertreiben, so spürte er, nun allen Geschöpfen direkt ins Herz und ihre innere Natur blicken zu können.

Auch durch diese Visionen getrieben studierte er manches mystische Buch und manche theosophische Schrift und galt bald selbst als Theosoph. In seinen Schriften wird aber auch deutlich, dass er bestrebt war, dieses Denken seinen Zeitgenossen und vielleicht darüber hinaus zu vermitteln, allerdings ohne die Festen der Kirche erschüttern zu wollen. Er hatte zu seinem Glück mehrere Mitstreiter, von denen er manch weiterführenden und manch lenkenden Gedanken empfing. Balthasar Walther, Tobias Kober, Abraham von Frankenberg und Johann Rothe, wären hier unter anderen zu nennen. So lernte er die Zusammenhänge von Alchemie mit paracelsischer Medizin, Theosophie und Mystik kennen und war trotz seiner einfachen Herkunft wissbegierig und sog alles in sich auf, ja brachte sie mit Hilfe seiner Freunde zu Papier.

Seit 1610 schrieb er fleißig sein Wissen nieder, als erste Schrift „Die Morgenröthe im Aufgange“, die sehr schnell die Runde machte und so die Kirche gegen sich aufbrachte, dass er von der Kanzel herab als als Fantast und Erzketzer betitelt wurde. Allerdings gereichte dies lediglich dazu, die Aufmerksamkeit nun erst recht auf Böhme zu lenken, der binnen kurzer Zeit zu nicht beabsichtigtem Ruhm gelangte. Was die Kirche so erregte war sicher die Verbindung von Religion, Theosophie, Astrologie und Mystik. Letztendlich erwirkte der Rat der Stadt Görlitz ein Schreibverbot für Böhme, an das dieser sich offiziell sieben Jahre hielt.

Doch 1617, nach einer weiteren Vision, begann er wieder zu schreiben und vollendete sein zweites Werk schon 1618, vernachlässigte dabei aber sein Handwerk, bis er es schließlich ganz aufgab. Seine Freunde sahen trotz allem mit Bewunderung zu ihm auf und sahen in ihm einen wahren Propheten, wobei sicher auch eine Begebenheit bei David von Schweinitz auf dem Gut Seifersdorf in Schlesien beitrug, wo ihn einer der Anwesenden, ein Herr von Kottwitz verspottete ob seiner Bücher und ihn bedrängte, etwas weiszusagen. Böhme sagte darauf, dass dieser Herr von Kottwitz ein ruchloses Leben führe, welches bald enden würde. Es brach daraufhin ein Tumult aus, an dessen Ende der Herr von Kottwitz wutentbrannt davon ritt und noch auf dem Weg nach Hause vom Pferd stürzte und sich den Hals brach.

Alle Schriften Böhmes erschienen zunächst nur als Handschriften, doch als Abraham von Frankenberg 1623 ein Buch mit Schriften Böhmes als „Weg zu Christo“ heraus brachte, erwachte auch die Kirche wieder, die fürchtete, Görlitz würde nun von den Feuern der Erde verschlungen werden, weil eine solch ruchlose Ketzerei in ihren Mauern gedruckt wurde. Doch Gott war wohl noch geduldiger als das Papier, auf dem dieses Werk gedruckt wurde, die Stadt blieb stehen. Böhme wollte dem Streit entgehen und reiste zunächst nach Schlesien, später nach Dresden und wieder nach Schlesien zu von Frankenberg und von Schweinitz. Doch im Dezember 1624 erkrankte er schwer und wurde zurück nach Görlitz gebracht, wo sich sein Zustand verschlimmerte und er am 27. Dezember verstarb, nicht ohne zuvor das heilige Abendmahl empfangen zu haben.

Alle Bildnisse von ihm sind erst nach seinem Tode entstanden und somit als Produkte der Phantasie anzusehen, auch wenn einige Künstler behaupteten, ihn noch gekannt zu haben und die Bildnisse aus dem Gedächtnis erstellt zu haben.

Der Inhalt seiner Schriften ist durchweg theosophischer Natur, verwebt dabei mystisch- religiöse Themen mit naturphilosophischem Denken, Ideen der Kabbala und Gedanken von Paracelsus. Sein Einfluss war enorm. Seine Schriften gaben Goethe das Rüstzeug für seine Kritik an Newtons materialistischer Weltsicht, aber auch Newton Inspiration für seine Gravitationstheorie und seine Theorien zum Licht.

Johann Isaac Hollandus

Immer wieder ist es interessant, dass bei einigen Autoren fast alle Lebensdaten bekannt sind, bei anderen, wie zum Beispiel Johann Isaac Hollandus nicht einmal Geburts- und Sterbejahr. Also wollen wir auch gar nicht darüber spekulieren, sondern orientieren uns an der Veröffentlichung der Werke. In diesen Werken werden detaillierte Beschreibungen alchemistischer und chemischer Experimente gegeben, so über den Stein der Weisen und die Herstellung von Gold zu medizinischen Zwecken. Dabei ähneln die Ideen denen von Paracelsus, wobei unklar bleibt, wer von wem wusste. Heute geht man davon aus das Hollandus bewusst so geschrieben hat, als wären seine Werke vor Paracelsus geschrieben.

Johan Baptista van Helmont

Johan Baptist van Helmont lebte von 1580 bis 1644 und war Universalgelehrter, der sich vor allem mit Medizin, Naturforschung, Chemie und Alchemie befasste. Als Chemiker ist er verantwortlich für das Wort „Gas“, dass er für „luftartige Substanzen“ benutzte, die sich von der atmosphärischen Luft unterschieden. Als Anhänger der hermetischen Lehre war es ihm nach eigenem Bekunden gelungen, Quecksilber in Gold zu verwandeln. Berühmter wurde er allerdings doch durch seine experimentelle Chemie und als Wegbereiter der Biochemie.

Geboren wurde Johan Baptista van Helmont am 12. Jänner 1580 als Sohn eines begüterten flämischen Landadligen, der aber noch im Jahr der Geburt seines Sohnes verstarb. Helmont erbte ein beträchtliches Vermögen, das später noch gemehrt wurde, als er heiratete und das Lehen seiner Gattin hinzu kam. Finanziell unabhängig widmete er sich vor allem dem Studium der Philosophie, der Theologie, der Naturkunde und der Medizin an einem Jesuitenseminar in Löwen und promovierte dort 1599 zum Doktor der Medizin. Bereits 1597 trat er als Lehrer auf, reiste jedoch nach seiner Promotion durch die Schweiz, Italien, Frankreich, Deutschland und England, ehe er sich 1605 vorübergehend in Amsterdam nieder ließ und dort bei der Pestepidemie als Arzt tätig war. Schon 1606 verließ er wieder Amsterdam und residierte fortan auf seinem Gut Vilvoorde bei Brüssel, wo er als Arzt und Naturforscher tätig war und in seinem Privatlabor chemische und physikalische Experimente durchführte. Er heiratete 1609 Margarite van Ranst und führte fortan den Titel Lord. Angebote der Jesuiten in ihre Dienste zu treten lehnte er ebenso ab, wie das Angebot des Kaisers Rudolph II.

1610 zeigte ihm ein Traum den Weg auf, den er gehen sollte. Er befand sich in einem dunklen Hof und sah vor sich eine Flasche auf einem Tisch stehen, in der sich etwas Flüssigkeit befand. Plötzlich ertönte aus der Flasche eine Stimme: „Verlangst du Ehre und Reichtümer?“. Helmont sah sich verschreckt um, doch außer einem Riss in der Mauer, durch die ein helles Licht leuchtete, sah er nichts. Der Riss schloss sich, während er ihn betrachtete und das Licht war verschwunden. So steckte er die Flasche ein und trug sie mit sich fort. Von Neugier geplagt öffnete er sie kurze Zeit später allerdings unter Mühen und probierte die Flüssigkeit. Sie war so schrecklich bitter, dass er darüber erwachte. Lange Jahre grübelte er über diesen Traum, nach eigener Aussage 23 Jahre, bis ein weiterer Traum ihm die Lösung des ersten Traumes verriet. Er sah seine Seele in menschlicher Gestalt und doch von kristallener Struktur, welche aus sich heraus leuchtete. Die Seele befand sich in einer Schale, die mit Geschlechtszeichen versehen war. Er deutete diesen Traum als Erkenntnis seiner Selbst und zog daraus den Schluss, den Armen kostenlos als Arzt zu dienen, aber von den Reichen reichlich Lohn für seine Medizin abzunehmen.

Er beschäftigte sich mit den Schriften von Galen, Hippokrates, Avicenna und Paracelsus, wobei er zu den Anhängern von Paracelsus zu zählen ist. Ausschlaggebend dafür war, dass er durch paracelsische Medizin von der Krätze befreit wurde, was zuvor der klassischen Medizin der vier Säfte nicht gelungen war. Nach Helmont waren auf Grund seiner eigenen Erlebnisse Krankheiten nicht hervorgerufen durch ein Ungleichgewicht der Säfte sondern waren eigenständige Lebewesen, die von außen den menschlichen Körper befielen, sich in einem spezifischen Organ niederließen und dessen Funktion beeinträchtigten.

Die Methoden von Helmont waren allerdings auch ungewöhnlich, um es freundlich auszudrücken. Ein Mittel gegen die Pest konnte man gewinnen, wenn man im Juni am Nachmittag eine Kröte fing, sie über dem Herd an den Füßen aufhinge und unter ihr eine Schüssel mit heißem Wachs platziere. Nach drei Tagen erbräche die Kröte Erde und einige Fliegen mit grünlich- güldenen Flügeln und stürbe. Dies sei nun zu Pillen gedreht, eine Substanz mit der man mindestens 4000 Pestkranke kurieren könne. Ein ähnliches Verfahren mit im Juli gefangenen Kröten mit Würmern in den Augen würde ebenso zubereitet ein ebensolches Mittel ergeben. Eine genauere Beschreibung ist hier sicher unangebracht, auch um das kostbare Buch des geneigten Lesers nicht nicht unverhofft beschmutzt zu finden.

Johan Baptist van Helmont war Theosoph und sah es so, dass er alles Wissen direkt durch die innere Gnade Gottes erhalten hatte. Die gesamte Natur und jedes darin befindliche Lebewesen ist beseelt, diese Seele nennt Helmont Archeus, die gleichzeitig innere wirkende wesentliche Ursache ist. Der Archeus besteht aus der Verbindung der Lebensluft mit dem Samenbilde und erschafft seinen Körper daraus selbst. Er ist wie alle Materie durch Gott aus dem Nichts erschaffen, aber kein Teil Gottes, sondern von Gottes Wesen. Der Mensch besitzt darüber hinaus noch eine eigene Seele, die ein Ebenbild Gottes sei, das im Magenmunde wohnt, wo sie das Denken verrichtet. Das Gehirn ist dagegen nur die Werkstatt des Gedächtnisses. Da die Seele das Ebenbild Gottes sei, so sieht und denkt sie auch nichts als Gott und dessen Willen. Durch Einkehr und innere Beschaulichkeit kann der Mensch zu Erleuchtung, Entzückung und Offenbarungen geführt werden.

Er gab der Iatrochemie mystisch- christliche Züge und stellte die Lebensvorgänge als Gärungsprozesse dar. Durch eine Stellungnahme Zugunsten eines protestantischen Professors aus Marburg, Rudolph Goclenius d.J., hinsichtlich der Wirksamkeit des „sympathetischen Pulvers“ zog er sich den Unmut der Römisch- Katholischen Kirche zu, so dass er 1625 von der spanischen Inquisition, die für die spanischen Niederlande zuständig waren, in 27 Fällen der Häresie, vermessenen Arroganz und Nähe zur lutherischen und calvinistischen Kirche für schuldig befunden wurde, und unter Hausarrest gestellt wurde. Geschuldet war dies wohl vor allem der Tatsache, dass er einem jesuitischen Doktor, Jean Roberti, zu widersprechen gewagt hatte. Die Universität Löwen verwarf seine Lehren, da sie paracelsische Züge trugen. Bis 1642 konnte Helmont auf Grund der Verurteilung nichts publizieren und erst im Jahr 1642 endete die Verfolgung der Kirche, als er das Recht der Veröffentlichung durch die Kirche für eine Abhandlung über Fieber erhielt. Johan Baptista van Helmot starb am 30. Dezember 1644 auf seinem Gut Vilvoorde. Rehabilitiert wurde er erst 1646. Ursache seines Todes soll „Seitenstechen“ gewesen sein, damals eine Bezeichnung für eine Blinddarmentzündung.

Sein Sohn Franciscus Mercurius van Helmont setzte seine Arbeit fort und veröffentlichte seine gesammelten Werke 1648 unter dem Titel „Ortus Medicinae“ in Amsterdam.

Johann Valentin Andreae

Johann Valentin Andreae (1586–1654) hat die Rosenkreuzer- Legende entwickelt. Er war deutscher Theologe, Mathematiker und Schriftsteller, dessen bekanntestes Werk seiner Zeit „Christianopolis“ eine protestantisch- christliche Idealgesellschaft frei nach Thomas Moores „Utopia“ ist. Doch für uns sind drei Werke von Bedeutung, die von einer geheimen Gesellschaft handeln, die Wissenschaft, Christentum und Ethik verbindet, der Bruderschaft des löblichen Ordens des Rosenkreutzes.

Andreae wurde am 17. August 1586 als Sohn des lutherischen Pfarrers Johannes Andreae und seiner Frau Maria in Herrenberg im Herzen Württembergs geboren. Sein Vater starb 1601 und seine Mutter zog mit den Kindern nach Tübingen, wo sie auf Grund ihrer Kenntnisse in der Pflanzen- Heilkunde ab 1607 die herzogliche Apotheke in Stuttgart mit Erfolg leitete. Johann studierte in Tübingen von 1602 bis 1605 die freien Künste und schrieb nebenbei Bühnenstücke sowie seine berühmte Schrift „Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz“, die allerdings erst 1615 veröffentlicht wurde und dann Aufsehen erregte. 1605 schloss er das Studium mit dem Magister ab und studierte nun Theologie und Mathematik, wurde aber 1607 vom Studium auf Grund eines Studentenstreiches ausgeschlossen und nicht zur Prüfung zugelassen. Andreae reiste nun, mal allein, mal in Gesellschaft durch Deutschland und erwarb sich seinen Unterhalt hier und dort als Hauslehrer. 1611 lernte er in Genf den Reformator Johannes Calvin kennen und war beeindruckt von dessen strenge Forderung nach einem arbeitsamen und enthaltsamen Leben ihn beeindruckte. Er studierte kurz darauf in Padua und durfte ab 1612 auch wieder in Tübingen studieren, wo er 1614 seinen Abschluss machte und dann als Diakonus , etwa gleichbedeutend mit „zweiter Stadtpfarrer“, in Vaihingen an der Enz wurde. Er heiratete im selben Jahr Agnes Elisabeth Grüninger, mit der er neun Kinder zeugte.

Andreae hatte die Lehren Calvins im Kopf, als er seine Stelle antrat und versuchte, durch ein radikales Programm für Zucht und Ordnung zu sorgen. Als Strafe waren Geldbußen für die Armenkasse und Haftstrafen bis zu 3 Tagen Arrest vorgesehen. Sein Vorhaben scheiterte am Widerstand der Bevölkerung.

1614 erscheint die „Fama Fraternitatis“, die als politisches Programm einer Bruderschaft zu lesen ist, die die Institutionalisierung der Wissenschaft fordert. Als Handschrift muss es bereits 1610 vorgelegen haben, denn Adam Haslmayr stimmt der Schrift in seiner Antwort „An die Lobwürdige Brüderschafft der Theosophen vom Rosenkreutz R. R. … Ad Famam Fraternitatis einfältigst geantwortet“ zu. Welche Kontakte zwischen Haslmayr und Andreae bestanden ist nicht bekannt, bekannt ist nur, dass Haslmayr mit vielen dem okkulten theosophischen Kreis zugerechneten Alchemisten in Verbindung stand.

1615 folgte die „Confessio Fraternitatis. Oder Bekanntnuß der löblichen Brüderschafft deß hochgeehrten Rosen Creutzes an die Gelehrten Europae geschrieben.“ in der die Fama verteidigt und in einzelnen Punkten näher erläutert wird. Wieder wird in der Confessio wie in der Fama schon dazu aufgerufen, Kontakt aufzunehmen. Doch alle, die es irgendwie versuchten, scheiterten. Interessant ist auch der Hinweis gegen Ende der Confessio, die „meisten Büchern der falschen Alchimisten, die es für einen Scherz und eine Kurzweil halten, wenn sie… mit wunder-seltsamen Figuren und dunklen, verborgenen Reden die Leute betrügen und die Einfältigen um ihr Geld bringen.“ und endet mit dem Satz „Meidet und fliehet solche Bücher, die ihr gewitzt seid, und wendet euch zu uns, die wir nicht euer Geld suchen, sondern unsere großen Schätze euch gutwillig anbieten.“ Fraglich ist, ob es als Satire gemeint war oder nicht.

1616 erschien dann das dritte Werk, die „Chymische Hochzeit“, im Gegensatz zur Fama und dem Confessio nicht als Manifest verfasst, sondern eher in Stil einer Autobiographie. Die „Hochzeit“ ist als sinnliches, obskures, alchemistisches Märchen, dass die letzten sieben Tage im Leben des Christian Rosenkreuz beschreibt.

Vor allem die ersten beiden Werke riefen ein ungeahntes Echo von mehreren hundert Schriften hervor, in denen Zustimmung, Kritik und vor allem der Wunsch geäußert wurde, Kontakt aufzunehmen.

Inhaltlich geht es jedenfalls um das Wissen, dass ein gewisser Christian Rosenkreuz auf seiner Reise durch den Orient im Jahre 1378 erworben haben will. Er selbst habe die erworbenen Geheimnisse nur wenigen anvertraut, und seine schriftlichen Enthüllungen fand man erst 1604 in seinem Grab. Nur den Würdigsten unter den Menschen wurden die Geheimnisse anvertraut und auch nur unter dem Siegel äußerster Verschwiegenheit.

Andreae distanzierte sich 1619 nicht, wie oft behauptet, von diesen Schriften, sondern verspottete die verwirrten Reaktionen und ihre Autoren als Betrüger, Alchemisten und Gaukler. Inhaltlich distanzierte er sich nicht, wies aber darauf hin, dass die Einschärfung des christlichen Lebens nicht durch eine geheime Bruderschaft erfolgen kann, sondern nur durch Eigeninitiative jedes Einzelnen. Seine Kritik hielt allerdings die Anhänger der Rosenkreuzer- Bewegung nicht davon ab, an die Echtheit der Manifeste zu glauben und bis heute in geheimen Zirkeln nach den dort genannten Idealen zu trachten. Im Abschnitt über die Inhalte der Alchemie werde ich näher darauf eingehen.

1620 wurde Andreae Superintendent in Calw. Hier konnte er seine Idee der Reformation des Schul- und Sozialwesens sowie der Armenpflege durchsetzen. Es entstand die Calwer Färberstiftung, eine soziale Einrichtung, die bis 1923 bestand hatte. 1634 wurde Calw in den Wirren des dreißig- jährigen Krieges niedergebrannt, wieder aufgebaut, doch 1638 erneut verwüstet. Andreae floh wie die meisten Bürger der Stadt in den Schwarzwald, erst nach Neuweiler, dann nach Aichelberg, wo kurz darauf die kaiserlichen Truppen einfielen und zur Strafe für die Unterbringung der Prostestanten den Hof des reichsten Bauern im Orte samt seiner Bewohner niederbrannten. Von den 4000 Bewohnern Calws kehrten nur 1500 zurück, davon starben 750 an der folgenden Pestepidemie. 1638 ging der nun mittellose Andreae nach Stuttgart, dann nach Tübingen und promovierte dort 1641 als Doktor der Theologie. Er wurde von Herzog Eberhard III. in den Kirchenkonvent berufen und erwirkte dort für Württemberg als erstem Land in Europa eine allgemeine Schulpflicht. 1646 wollte er auf eigenen Wunsch den Kirchenkonvent verlassen, da der Widerstand des Adels und des Klerus gegen seine strenge Auslegung des Christentums und seine sozialen Reformen stetig gewachsen war und er zermürbt war. Seiner Bitte wurde aber 1650 entsprochen und er wurde nun Generalsuperindendent in Bebenhausen. Am 27. Juni 1654 starb er nach langer Krankheit im Alter von 68 Jahren in Stuttgart und liegt auf dem Friedhof der Hospitalkirche begraben.

Johannes Agricola

Johannes Agricola war Mediziner, Alchemist und Salinenfachmann, wurde am 21. März 1590 in Neunburg vorm Walde geboren und starb am 1. April 1668 in Breslau. Über seine Jugend ist wenig bekannt. Erst als er sich 1607 an der Universität Königsberg einschreibt, taucht er aus dem Dunkel der Geschichte auf. Dort studierte er Medizin und war von 1611 bis 1614 nach eigenen Angaben in Österreich, Ungarn, der Schweiz, Kroatien, Italien, Griechenland, Syrien, Ägypten, Frankreich, England und Schottland unterwegs, ehe er 1615 in Basel seinen Doktor der Medizin machte und anschließend Stadtarzt in Thüringen war. 1622 wurde er Oberaufseher der sächsisch- altenburgischen Salinen. Im 30- jährigen Krieg floh er zunächst nach Jena, dann nach Leipzig, wo er sein Hauptwerk „Chymische Medicin“ verfasste. Ab 1645 war er bis zu seinem Tode Stadtphysikus in Breslau.

Daniel Stolz von Stolzenberg

Daniel Stolz von Stolzenburg wurde 1600 geboren und seine Spur verliert sich im 30- jährigen Krieg um 1644. Als Astrologe, Arzt, Alchemist und Poet tätig, war er auch Schüler von Michael Maier, so dass manche seiner Werke an seinen Lehrer erinnern. Die veröffentlichten Bücher über Alchemie sind mit Kupferstichen versehene sehr schöne Emblembücher mit Erläuterungen in Epigrammform. Inhaltlich spiegeln sie das bekannte Wissen seiner Zeit wieder und bieten keine neueren Erkenntnisse.

Athanasius Kircher

Einen entschiedenen Widersacher der Alchemisten wollen wir nicht auslassen, hat er doch mehr über die Alchemie vermittelt als so mancher Alchemist. Kircher wurde am 2. Mai 1602 in Geisa bei Fulda geboren. Von 1614 bis 1618 besuchte er das Jesuiten- Kolleg in Fulda und trat dem Orden 1618 auch bei. Später studiert er in Paderborn Philosophie und Theologie, muss das Studium aber 1622 unterbrechen, als der dreißigjährige Krieg die Stadt verwüstet und er nach Köln flüchtet. Später wird er zunächst Lehrer für Mathematik, Hebräisch und Syrisch in Heiligenstadt, aber 1628 wird er Priester und Professor für Mathematik und Ethik in Würzburg.1631 zwang ihn der Krieg erneut zur Flucht und er setzte seine Lehrtätigkeit an der päpstlichen Universität in Avignon fort.

Als er 1633 als Nachfolger Keplers als Mathematiker an den kaiserlichen Hof nach Wien berufen wurde, erreichte sein Freund Fabri de Peiresc dass die Berufung widerrufen wurde und er an die Jesuitenschule Collegio Romanum nach Rom gehen konnte, wo ihm mehr Zeit für seine Forschung blieb, unter anderem für die Entschlüsselung der Hieroglyphen. 1637 und 1638 bereiste er Malta und Sizilien, bestieg den Ätna und den Stromboli, und kehrte nach Rom zurück, wo er am Collegio Mathe­matik, Physik, und orientalische Sprachen lehrte. Ab 1645 widmete er sich vor allem der Erforschung von Krankheiten wie der Malaria und der Pest, für die er von der Lehrtätigkeit freigestellt wurde. Nebenher sammelte er Antiquitäten, die er in seinem Museum Kircherianum ausstellte, und das in seinem Buch „Turris Babel“ abgebildet ist. Am 30. Oktober 1680 starb Kircher in Rom.

Zahlreiche Werke hat er zu unterschiedlichsten Themen verfasst und so gilt er als einer der Universal­gelehrten des 17. Jahrhunderts. Heraus­ragend wurde seine Bedeutung noch durch de Tatsache, dass er oft als päpstlicher Sonderbeauftragter zu aktuellen Forschungen kirchliche Stellungnahmen erstellte. Zur Alchemie nahm er eine zwiespältige Stellung ein. Einerseits lehnte er die Transmutation der Metalle als teuflisches Blendwerk ab, andererseits hielt er die spagyrische Alchemie für durchaus nützlich. In seinem Buch „Ars magna lucis“ von 1646 befasst er sich u.a. mit Botanik, Zoologie, Farbenlehre, Strahlungslehre, Lichtbrechung, Parabolspiegel, Astrologie, Sonnenuhren, Stundenlinien, Astronomie und Medizin, wobei seine Ausführungen zur Farbenlehre auch Goethe beeinflusste. Kircher bewegt sich bei seinen detailliert dargestellten Beschreibungen zuweilen aber doch noch im mystischen Raum. Bei Kircher sind Licht und Schatten dem Apollo, der die Sonne darstellt, zugeordnet. Die von ihm ausgehenden Lichtstrahlen stellen den Grad der Erkenntnis dar, wobei dem sinnlich Wahrnehmbaren nur die Bedeutung einer schwachen Reflexion des göttlichen Lichtes in der Höhle des menschlichen Körpers zu kommt. Andererseits beschreibt er auch die Laterna Magica ausführlich und macht sie so in Europa bekannt.

Johann Rudolph Glauber

Glauber wurde nach eigenen Bekunden 1604 in Karlstadt in Franken als Sohn eines Barbiers geboren. Seine Eltern starben früh und er konnte trotz alledem seine Lehre als Apotheker beenden. Er arbeitete ab 1625 als Spiegelmacher, erkrankte aber noch in diesem Jahr an Typhus, konnte aber durch Quellwasser geheilt werden. So beschloss er, die medizinische Heilkunst zum Wohle der Menschen zu erlernen und zu praktizieren. Zwecks dieses Studiums ging er nach Wien, Salzburg, Gießen, Wertheim, Kitzingen, Basel, Paris, Frankfurt am Main, Köln und Amsterdam. Allerdings war er niemals an einer Universität, sondern lediglich bei diversen Apothekern tätig, bzw. betrieb eigene Laboratorien. Ein weiterer Beweggrund war eine Vision, die er im Jahre 1630 gehabt haben will.

Danach wollte er ein Ferment finden, das Metalle in Gärung bringen könne um so Metallgeist zu gewinnen, was ihm allerdings nicht gelang. Doch in diesem Jahr träumte er, wie ein alter grauer Mann ihn fragte: „Sohn, warum bist du so traurig? Was fehlt dir?“. Er erschrak, denn der alte Mann ähnelte seinem Vater doch sehr. Doch er antwortete „Sollte ich nicht traurig sein, da ich mich schon so viele Jahre mit den Schriften der Philosophen geschleppt habe, und doch nichts kluges darin finden kann? Denn je mehr ich lese, desto verwirrter werde ich.“ Der Alte antwortete nur „Ex fece, de fece, debes carpere vinum tuum“, auf deutsch etwa „vom Bodensatz des Bodensatzes musst du den Wein holen“. Glauber grübelte über diesen Satz wohl 30 Jahre, bis ihm sein Spiritus volatilis metallorum, das flüchtige Metall, gelang. Wichtige Stationen auf seiner Reise durch halb Europa waren vor allem Gießen, wo er ab 1644 die fürstliche Hofapotheke leitete, sowie Wertheim und Kitzingen, wo er zwischen 1649 und 1654 Laboratorien betrieb. In Kitzingen will er an den Wurzelstock eines Weinstockes Gold vergraben haben, worauf dieser daraufhin güldene Trauben getragen habe. 1654 kam es zum Streit in Kitzingen, allerdings nicht wegen der Trauben und er zog weiter nach Amsterdam, wo er ein großes Laboratorium mit 6 Angestellten hatte sowie einen Garten, in dem er verschiedene Mineraldünger untersuchte. Dort ließ er sich 1656 auch endgültig nieder. Auch gab er hier die Mehrzahl seiner vielen Schriften heraus. Im Buch „Glauberus conzentratus“, einem später herausgegebenen Sammelband, ist unter anderem die Herstellung und der Verkauf des Aurum potabilis erwähnt, jenem ewiges Leben versprechenden Goldtrankes. Im Buch „Miraculum mundi“ von 1653 beschreibt er sein Menstruum universale, mit dem er alle Körper einschließlich Gold und Silber aufschließen könne, ja gar binnen kürzester Zeit den Stein der Weisen erstellen könne. Auch sei sie eine Universalmedizin, die gegen Pest, Venus- Seuche, Wassersucht, Zahnweh und vieles mehr helfen kann, sie sei ein Mittel zur Herstellung der schönsten Farben, sie härte jedem Bildhauer das Werkzeug, Uhrmacher könnten damit Eisen und Stahl verschmelzen, Schneider Flicken auf Kleidern anbringen, Bäcker den Teig zum Gehen bringen, Gärtner die Reife beschleunigen und Bauern die Fruchtbarkeit der Samen erhöhen. In der Realität handelt es sich um Salpetersäure, damals auch Salpetergeist genannt, einer starken, ätzenden Säure (HNO3), der keine dieser Eigenschaften zuzuordnen ist. Gold lässt sich damit tatsächlich nicht auflösen und daher dient noch heute Salpetersäure zur Echtheitsprüfung von Gold. Unter Zugabe von Salzsäure entsteht das sogenannte Königswasser, das Gold auflösen kann. 1658 schrieb er sein Buch „De natura Salium“, in der er auch ein Wundersalz beschreibt, das er Sal aureum, grüner Löwe, güldischer Liquor, Sal elixum, Sal mirabilis und Vitriolum Solis nennt, und dem er ähnliche Eigenschaften wie dem Menstruum universale zuschreibt, das aber heute als Glaubersalz noch erhältlich ist und bei dem es sich um Natriumsulfat handelt, dem Natriumsalz der Schwefelsäure, welches Anwendung findet in Waschmittelherstellung, der Lebensmittelindustrie, der Medizin, als mineralischer Pflanzendünger und als Mittel der homöopathischen Medizin als Natrium sulfuricum.

Früh hatte er geheiratet, doch seine erste Frau hatte ihn betrogen und so verließ er sie. Mit seiner zweiten Frau Helena Cornelius, die er 1641 heiratete, hatte er 8 Kinder. Obwohl er viel alchemistisch experimentierte, erwarb er seinen Haupt­lebens­unterhalt durch den Verkauf seiner Arzneimittel. Um 1660 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, wohl als Folge des Experimentierens mit Arsen und Quecksilber. Ab 1666 war er zeitweise bettlägrig und erblindete 1668. Nun musste er sein Laboratorium und Teile seiner Bibliothek verkaufen um seiner Familie einen gewissen Unterhalt gewähren u können. Am 16. März 1670 starb Glauber in Amsterdam und wurde in der Westerkerk bestattet. Eine Gedenktafel erinnert heute hier an ihn.

Elias Ashmole

Elias Ashmole war Rechtsanwalt, Wissenschaftler, Historiker und Alchemist, lebte von 1617 bis1692, und erlangte vor allem durch die Übersetzung lateinischer Texte ins Englische Bedeutung. Sein wichtigstes Werk war das Theatrum Chemicum Britannicum, in dem er viele Texte in englischer Sprache der Nachwelt bewahrte und das als Standardwerk für Generationen von Alchemisten in England galt. Bei der Übersetzung wurde er durch den Gutsbesitzer und Alchemie- Liebhaber William Backhouse, einem wohlhabenden väterlichen Freund unterstützt. Bekannt ist auch, dass Ashmole seit 1646 Mitglied der Freimaurerloge in Warrington, Lancashire, war und „Original Fellow“ der Royal Society.

Thomas Vaughn

Bleiben wir gleich in England, oder gehen genau genommen nach Wales und kommen zu dem walisischen Alchemisten, Okkultisten und Mystiker Thomas Vaughn, der von 1621 bis 1665 lebte. Er schrieb auch unter dem Pseudonym Eugenius Philaletes, nicht zu verwechseln mit Irenäus Philalethes, dem Pseudonym von George Starkey, zu dem wir sofort kommen. Philaletes ist übrigens griechisch und bedeutet „Freund der Wahrheit“.

Vaughn war Anhänger von Paracelsus und verkaufte auch paracelsische Medizin, starb allerdings auch bei Experimenten zur Erstellung eben solcher Medikamente. Seine Ehefrau Rebecca war ebenfalls Alchemistin und unterstützte ihren Mann. In seinen Werken vertrat er die Lehre Sendivogius‘ und Agrippa von Nettelsheim, lehnte die aristotelische Materielehre ab und suchte experimentell nach Alternativen. Vaughn übersetzte auch die Fama Fraternitatis der Rosenkreutzer.

George Starkey

Auch Johann Friedrich Schweitzer, genannt Helvetius, berichtet von einer Transmutation am 27. Dezember 1666, die der Legende nach ebenfalls von Philalethes durchgeführt worden sein soll. Der Bericht wird immerhin von Johann Konrad Barchusen, Professor der Chemie in Leiden, und Baruch Spinoza, einem berühmten Philosophen, bestätigt. Sie Starkey zuzuschreiben fällt allerdings schwer, da dieser ein Jahr zuvor verstarb. Allerdings könnte es sein, dass es sich hier um eine Verwechslung der Philaletes handelt, da Thomas Vaughan einer Version nach erst 1666 starb.

Anzumerken wäre noch, dass beide Philalethes unterschiedliche Richtungen der Alchemie vertraten. Während Starkey der Linie der Alchemie angehörte, die die Universalsubstanz aus Metallen gewinnen wollte, gehörte Vaughan der Linie an, die sie aus Salzen und ähnlichem gewinnen wollte.

George Starkey wurde 1628 als Sohn des calvinistischen Ministers George Stirk und dessen Frau Elizabeth auf den Bermudas geboren. Als sein Vater im Jahr 1637 starb, wurde Starkey nach Neu- England zur Ausbildung geschickt und besuchte dort ab 1643 das Harvard College, wo er Logik, Physik, Mathematik, Politik, Theologie, Geschichte und klassische Sprachen studierte und das er 1649 als Magister abschloss. Im Lehrplan Physik standen unter anderen Inhalten auch Alchemie, Transmutation der unedlen Metalle und trinbares Gold, die Starkeys schon vorhandenes Interesse noch weiter anfachten. Er ging nach Boston und arbeitete dort als praktischer Arzt und betrieb nebenbei chemische Experimente. Anfang 1650 heiratete er Susanna Stoughton und zog nach London. Warum er übersiedelte und warum er in dieser Zeit auch seinen Namen von Stirk auf Starkey änderte ist nicht bekannt. Er erwarb sich in London schnell den Ruf eines guten Alchemisten und chymischen Ofenbauers, aber seinen Finanzen gingen den Bach runter, so dass er 1654 als Schuldner in Haft genommen wurde. Zu sehr hatte er sich in den Jahren zuvor verzettelt, hatte neben der Alchemie auch Parfüm und Pharmazeutika hergestellt. Nach seiner Freilassung betrieb er wieder erfolgreich eine Arztpraxis und seine alchemistischen Experimente, wobei er sich vor allem der Suche nach dem Alkahest widmete. Auch begann nun die Zeit seiner Veröffentlichungen, von denen die Meisten unter dem Pseudonym Eirenaeus Philalethes erschienen. Im Jahr 1665 ereillte die Pest London und Starkey war bemüht, sie mit seinen Mittel zu bekämpfen, verlor aber nicht nur diesen Kampf sondern auch sein Leben, denn er starb in diesem Jahr an der Pest.

Robert Boyle

Robert Boyle lebte von 1627 bis1692 und war zunächst Anhänger der Alchemie und Schüler von George Starkey. Er lehnte zwar die Vier- Elemente- Lehre des Empedokles und die Drei- Prinzipien- Lehre des Paracelsus ab, glaubte aber noch an eine mögliche Transmutation unedler Metalle zu edlen Metallen mittels des Steins der Weisen. Er gab in seinen Briefen an Isaac Newton und John Locke an, eine Pulver entdeckt zu haben, dass er „Rote Erde“ nannte und mit dem Gold herzustellen sei. Newton soll dieses Pulver ausprobiert haben, allerdings nicht um Gold u machen sondern hatte es eingenommen, was zu einem emotionalen Zusammenbruch führte. Auch eine Wirkung, wenn auch nicht unbedingt die erhoffte. Von Bedeutung ist Boyle heute durch seine Experimente, die sowohl in der Physik als auch der Chemie einen bemerkenswerten Fortschritt bewirkten.

Isaac Newton

Nach Isaac Newton, dem bedeutendsten Physiker Englands, der von 1643 bis 1727 lebte, und dessen alchemistische Tätigkeiten erst aus dem Nachlass bekannt wurden, da er es zu Lebzeiten geheim hielt, werden wir England wieder verlassen.

Doch zunächst ein paar Worte zu einem der bedeutendsten Physiker der Geschichte. Damals allerdings gab es keine scharfe Trennung zwischen den Disziplinen, so dass er als Naturforscher, Theologe und Philosoph bezeichnet wurde.

Seine alchemistische Tätigkeit betrieb er im Verborgenen, zumal damals das „Goldmachen“ wegen der vielen Betrugsfälle unter Strafe stand. Grade mit dieser alchemistischen Tätigkeit wollen wir uns aber hier beschäftigen. Welchen Anteil die Alchemie in seinem Leben spielte, zeigt ein Blick in seine Bibliothek: 369 Bücher hatten Bezüge zur Mathematik oder Physik, 170 Bücher beschäftigten sich mit der Alchemie, der Kabbala und den Rosenkreuzern. Sein Bestreben galt es auch, den übergreifenden Zusammenhang der Disziplinen zu finden und sie so unter einer Lehre zu vereinen. Trotz seines sicher herausragenden Geistes sind aber hinsichtlich der Alchemie tatsächlich keine Neuerungen durch Newton zu verzeichnen. Er war aber überzeugt, ein Glied der Goldenen Kette zu sein, der Aurea Catena“, für die Gott in jeder Generation einen herausragenden Geist auswählte, dass uralte alchemistische Wissen zu erhalten.

Hennig Brand

Zurück nach Deutschland, genauer nach Hamburg, wo Henning Brand experimentierte und auf der Suche nach dem Stein der Weisen das erste Element fand, den Phosphor. Brand lebte von 1630 bis 1692 in Norddeutschland und 1669 gelang ihm seine Entdeckung, die er kaltes Feuer nannte, da Phosphor im Dunkeln leuchtet. Gewonnen hatte er es durch Destillation und weitere Verfahren aus Urin, ein Experiment, dass trotzdem schnell Nachahmer fand, wie Johannes Kunckel, einem Alchemisten und Glasmacher in Diensten des brandenburgischen Kurfürsten, und Johann Daniel Kraft, einem Kaufmann aus Leipzig, die die Entdeckung auch für sich proklamierten bzw. vermarkteten. Durch die Unterstützung von Gottfried Wilhelm Leibniz bleib sein Ruf erhalten, wenn er auch nicht wie seine Mitbewerber um den Titel des Entdeckers wirklich reich wurde.

Johann Kunckel

Johann Kunckel war ein deutscher Glasmacher und Alchemist, geboren um 1630 in Wittenberg bei Plön und gestorben am 20. März 1703. Sein genaues Geburtsjahr ist allerdings nicht bekannt, da gehen die Quellen auseinander. Bekannt ist, dass bereits sein Vater Glasmacher und Alchemist war und sich Johann zunächst mit Chemie und Pharmazie beschäftigte. 1659 war er Alchemist und Apotheker im Range eines Kammerdieners am Hofe des Herzogs von Sachsen- Lauenburg. Auf Reisen nach Venedig, genauer auf die Insel Murano erwarb er umfangreiche Kenntnisse in der anspruchsvollen Glasmacherei. Auch beschäftigte er sich früh mit Phosphor, einem Stoff, mit dem sich schon Hennig Brand beschäftigt hatte und der wie man heute sagt „in“ war.

Ab 1670 war er „geheimer Kammerdiener und Chymico“ am Hofe des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen in Dresden mit einem jährlichen Salär von 1000 Talern, was vermuten lässt, er stand im Ruf ein Goldmacher zu sein. Als er 1677 sein Gehalt anmahnte, soll der Kurfürst geantwortet haben „Kann Kunckel Gold machen, so bedarf er keines Geldes, kann er solches nicht, warum sollte man ihm Geld geben?

Zum seinem Glück kam nun ein Angebot, an den Hof nach Brandenburg zu gehen und dort seine Experimente mit Phosphor zu zeigen. Als Bewerbung nahm er die Entdeckung des Phosphors, die eindeutig Hennig Brand zuzuschreiben ist, für sich in Anspruch. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst, nahm ihn mit 500 Talern Salär als Geheimer Kammerdiener in Dienst. Kunckel arbeitete fleißig und entwickelte zahlreiche Geräte für chemische und physikalische Experimente. Doch Hauptaufgabe von Kunckel wurde es, die Glasmacherei in Brandenburg voran zu bringen, was ihm auch zur Zufriedenheit des Kurfürsten gelang, der ihm dafür Pfauenwerde, heute Pfaueninsel, schenkte mit den Privilegien, keine Abgaben und Dienste leisten zu müssen, Brauen, Backen und Branntwein brennen zu dürfen sowie sein eigenes Mehl in eigenen Mühlen herstellen zu dürfen. Dafür musste er auf der Insel eine Glasmanufaktur aufbauen und alle Mitarbeiter durften die Insel aus Gründen der Geheimhaltung nicht verlassen. Schnell stand Kunckel im Ruf der Hexerei, da sich um die Insel, die zu betreten verboten war, viele Gerüchte rankten. Als 1688 der Kurfürst starb, entzog ihm sein Sohn und Nachfolger Friedrich III. alle Gelder und Privilegien. Ein jahrelanger Prozess wegen Veruntreuung endete ohne Schuldnachweis mit dem Urteil der Rückerstattung von 8000 Talern. Als 1689 auch noch die Glashütte und das Laboratorium niederbrannte, war Kunckel finanziell ruiniert.

Allerdings bekam er 1692 eine Einladung vom schwedischen König, verkaufte allen Besitz in Brandenburg, bezahlte alle seine Schulden und ging arm aber reich an Wissen nach Schweden, wo er sich schnell als königlicher Bergrat ein hohes Ansehen erwarb und von König Karl XI. In den Adelsstand erhoben wurde und sich nun Johann Kunckel von Löwenstern nennen durfte. 1703 starb Johann Kunckel auf einer Reise.

Kunckel war nicht eigentlich Alchemist, auch wenn er zeitweise in diesem Ruf stand und mancher auch vermutete, er könne Gold machen. Insgesamt gilt er allerdings als einer jener Forscher, die noch mit einem Bein in der Alchemie verankert waren und mit dem anderen bereits einen Schritt in die moderne Chemie mit seinem mathematisch- mechanischen Denken taten. Die herkömmlichen Alchemisten sah er als „paracelsische Schwarmgeister“ an, auch dargestellt auf der Titelseite seines Buches „Ars vitraria experimentalis“ in der Ausgabe von 1744, wo einerseits die „Experimentia“ steht, deren Licht der Natur, beschienen von der Sonne der Wahrheit im Brennspiegel der Vernunft entzündet wird, während andererseits der Unverstand der mondsüchtigen Phantasia in der Finsternis der Torheit stehen.

Johann Friedrich Schweitzer

Johann Friedrich Schweitzer, auch Johann Friedrich Helvetius genannt, lebte von etwa 1630 bis 1709 und war Mediziner und lehnte die Alchemie strikt ab. Nach eigenem Bekunden hatte er am 27. Dezember 1666 Besuch von einem Alchemisten, der ihm zeigte, wie man mittels des Steins der Weisen unedles Blei in Gold umwandelt. Am nächsten Tag wollte er ihm weitere Kostproben seines Könnens demonstrieren, aber er erschien nie wieder. Schweitzer forschte daraufhin intensiv, den Stein der Weisen zu finden. Sein bedeutendstes Werk mit dem Titel „Vitulus Aureus“ fasst die Forschungen zusammen.

Johann Joachim Becher

Johann Joachim Becher lebte von 1635 bis 1682, war Ökonom, Gelehrter und Alchemist und gilt als einer der bedeutendsten frühkapitalistischen Wirtschaftstheoretikern. Sein Vater Joachim Becher war ein protestantischer Pastor in Speyer und starb bereits im Jahre 1643. Er wurde nach eigenem Bekunden in Speyer geboren, war Schriftsteller und seit 1659, also mit 24 Jahren bereits kurfürstlicher Leibarzt und Professor in Mainz. Auch will er zuvor bereits weite Teile Europas bereist haben, unter anderem in Stockholm, wo er Umgang mit einem bedeutenden Gelehrten, Cartesio, Umgang gepflegt haben will, also im Alter von 15 Jahren, was wir wohl nicht ohne Zweifel mal glauben wollen. Weitere Berichte seines Lebens lassen vermuten, dass er sich als jünger ausgab als er tatsächlich war, und er eigentlich 1625 geboren wurde. Nachdem sein Vater früh verstorben ist, heiratete seine Mutter erneut und da die Familie viel herum reiste, war an regelmäßige Schulbesuche nicht zu denken und Becher sagt von sich, er habe sich das meiste durch Experimente selbst beigebracht, da es ihm an Büchern mangelte. So hatte er sich mit Didaktik, Theologie. Mathematik, Medizin und Chemie befasst. Auch diverse Handwerke, Rechte und Politik brachte er sich selbst bei.

Wir finden Becher jedenfalls 1656 in Wien, wo er diverse Experimente dem Kaiser Ferdinand III. vorführt. Es gelang ihm allerdings nicht, die Gunst des Kaisers zu gewinnen und zog darum weiter. Auf diesen Reisen lernte er vor allem Goldmacher und Mediziner her, die mehr oder weniger im Ruf standen, Scharlatane zu sein. Ab 1658 ist er in Mainz zu finden, wo er die Gunst des kaiserlichen Pfalzgrafen und kurmainzischen Hofrates Ludwig von Hoernigk gewinnen konnte. Er trat der Römischen Kirche bei und gewann so die Tochter der Hofrates und wurde Professor der Medizin und kurfürstlicher Leibarzt am Hofe von Johann Philipp von Schönborn, der wiederum ein großes Interesse für die Wissenschaften teilte und daher auch viele Gelehrte an seinen Hof zog, wie später z.B. Leibnitz. Als Professor lehrte Becher Medizin, übte sie aber auch gleichzeitig aus und bot seine chymischen Arzneien mit oft marktschreierischen Methoden an, was ihm manchen Unmut zuteil werden ließ. Andererseits machte er sich in der Chemie, Mineralogie und der Metallurgie verdient, die er als einer der Ersten in einer gewissen wissenschaftlichen Art behandelte, seine eigene Bedeutung aber schwächte, da er in seinen Schriften eine unstete Gedankenwelt offenbart. Auch wurde schon zu seiner Zeit nachgewiesen, dass einige seiner Schriften reine Plagiate waren.

Becher erfand auch ein Perpetuum mobile, die aber eigentlich eine selbst aufziehende Uhr war, bei der über eine Zisterne Regenwasser aufgefangen wurde, dass dann über ein kleines Rohr den Aufziehmechanismus betrieb. Also kein eigentliches Perpetuum mobile, wie so manche seiner Erfindungen vor allem Vorspielung falscher Tatsachen war, aber andererseits für seine Phantasie sprach. Eine seiner Phantasien war es, Donau und Rhein mittels eines Kanals zu verbinden. Wurde er zwar vom Mainzer Kurfürsten unterstützt, so scheiterte das Projekt an der politischen Zerrissenheit Deutschlands und den unterschiedlichen Interessen der zu beteiligenden Fürsten. Erst im 20. Jahrhundert wurde dieses Projekt tatsächlich verwirklicht, wenn auch anderenorts als von Becher projektiert.

Becher galt seinen Zeitgenossen als aufgeblasen, herrschsüchtig, ungestüm und ungesittet, darüber hinaus hatte er die Begabung sich mit jedem anzulegen, seien sie von weltlicher oder geistlicher Macht. So verließ er 1663 Mainz, ob aus eigenem Entschluss oder weil er raus geflogen ist bleibt unklar, und ging nach Würzburg und später nach München. Auch hier wurde er wieder kurfürstlicher Leibmediziner, diesmal vom Ferdinand Maria von Bayern. Doch darüber hinaus unterbreitete er dem Kurfürsten den Vorschlag, alleiniger Kaufmann, Verleger, Fabrikant und Geldwechsler zu werden und so die Staatskasse gehörig aufzufüllen. So zog er sich den Unmut, ja Hass der gesamten Unternehmerschaft von München zu, die ihren nicht unerheblichen Einfluss auch gegenüber der Kirche geltend machten, und so wurde bald selbst von der Kanzel gegen diesen Becher gewettert.

So zog es ihn weiter nach Wien, wo er 1666 als kaiserlicher Kommerzienrat und Hofmediziner angestellt wurde. Auch hier gab er manchen Anstoß für wirtschaftliche und politische Veränderungen, doch konnte er bei keinem Versuch einen Erfolg miterleben, da er jeweils zuvor, geschuldet seines jähzornigen und überheblichen Charakters, von den Unternehmungen ausgeschlossen wurde. Trotz all dieser umtriebigen Tätigkeiten war und blieb er der Chemie oder genauer der Alchemie stets treu, bezeichnete sie gar als seine Sucht.

1669 kam einer der merkwürdigsten Handel seines Lebens zustande. Vom Hanauschen Hofe, dem verschwenderischen Grafen Friedrich Kasimir von Hanau beauftragt, verhandelte er in Holland mit der Westindien- Companie und erhielt die Zusage für ein Stück Landes zwischen Orinoko und Amazonas zustande, 30 holländische Meilen entlang der Küste und 100 holländische Meilen ins Landesinnere reichend. Als dieser Handel nun umgesetzt werden sollte, mussten alle Beteiligten feststellen, dass es wieder einmal mehr Hirngespinst als realisierbarer Gedanke war und vor allem kein Geld zur Verfügung stand. Der Graf erhielt übrigens kurz nach diesem Handel einen offiziellen Vormund.

1672 konnte er die Grafen von Pöttingen überzeugen, ihm 120 Dukaten wöchentlich aus dem Gewinn der aus Silber in Gold verwandelten Geldstücke zu gewähren, doch auch hier blieb es bei der Idee, die Umsetzung erfolgte nie. Als Alchemist untersuchte er vor allem Möglichkeiten der Goldherstellung, wobei ihm bei der Prozedur, die er in Wien unter Zuhilfenahme von Silber und Schwemmsand aus dem Wiener Becken entwickelte, entgangen war, dass im genutzten Sand schon in erheblichen Anteil Gold vorhanden war. Getrieben wurde er wohl weniger vom Wissensdurst als von der Habsucht. Ursache dieser Goldmacherei war eine Äußerung Bechers in seinem Buch „Physica subterranea“ behauptet, Metalle bestünden bloß aus Erde und könnten demgemäß auch nur aus ihr gewonnen werden. Der Widerspruch, nach Bechers Worten „aus aller Welt“ reizten ihn zu den besagten Verwandlungen. 1673 bekam er die Erlaubnis, dies im größeren Rahmen durchzuführen, nachdem die Vorführungen im Kleinen vielversprechend erfolgreich verliefen, allerdings nicht in Wien sondern in Holland. In Wien hatte er sich derweil alle Sympathien verscherzt, und 1677 brach der Hass seiner Feinde über ihn herein, dass er bei Nacht und Nebel Wien verlassen musste um sein Leben zu retten, wie Becher später schrieb. Allerdings kommt er nicht zum Goldmachen nach Holland, sondern wird in Harlem beauftragt, ein Filatorium, eine Seidenzwirnmühle zum Verzwirnen der Seide der vor Ort ansässigen Seidenfabriken zu bauen. Auch wenn er behauptet, seine Feinde seien im aus Wien gefolgt und hätten ihn vertrieben, so ist eher wahrscheinlich, dass sein Werk untauglich war und er wieder verschwinden musste. Aber 1678 bekommt er endlich den Auftrag zum Sandschmelzen, der Goldgewinnung aus Sand, allerdings vom Magistrat der Stadt Haag. Allerdings zogen sich die weiteren Verhandlungen und Entscheidungen hin, so dass er zwischenzeitlich nach Güstrow reiste und dort vom Herzog Gustav Adolph von Güstrow die Zusage für ein Wohnhaus, ein Laboratorium und eine Apotheke nebst Druckerei auf kosten des Herzogs erhalten würde. Im März 1679 durfte er endlich seine Versuche in Haag vorführen, die glückte und die selbst der Gegenprobe stand hielt. Wollte er auch einen Vorschuss, so wollte der Magistrat in diesen erst gewähren, wenn die Probe im Kleinen auch im Großen gelänge. Auch diese gelangen nach Bekunden Bechers, doch verhielt sich der Magistrat zurückhaltend und Becher reiste, aus welchen Gründen auch immer, nach England. In London fand er nicht nur finanzielle Unterstützung durch Robert Boyle, John Lauderdale und anderen, sondern auch bei der Durchführung seiner Experimente. Neben seinen Experimenten nahm er aber auch zwei Aufträge zur Untersuchung der Mineralien Schottlands und Cornwalls an, wobei er nach eigenen Worten die Bergwerkstechnik Englands maßgeblich verbesserte, was den Abbau, die Entwässerung, die Belüftung und die Weiterverarbeitung der Erze anbelangt. Im Jahr 1682 beschloss er auch, eine psychosophische Gesellschaft zu gründen, was aber nicht mehr gelang, denn Johann Joachim Becher starb im Oktober 1682 in London und wurde in der Kirche St. James in the Fields begraben.

Auch über die Natur der Schmelz- und Verbrennungsprozesse führte er viele Experimente durch. Seine wichtigsten alchemistischen Werke sind das „Chymische Laboratorium“ von 1680 und der „Chymische Glückshafen“ von 1682. Hatte er sich zeit seines Lebens auch den diversen Wissensgebieten gewidmet, so sind die Meinungen über sein Wirken ebenso vielfältig und reichen von Scharlatan bis zu einem Merkur der Ägypter gleich bedeutend für Deutschland.

Georg Ernst Stahl

Der deutsche Chemiker, Mediziner, Metallurg und Alchemist Georg Ernst Stahl lebte von 1659 bis 1734 und schrieb den Satz, der die Alchemie seiner Zeit umfassend beschreibt: „Chymie, die auch sonst Alchymia und Spagyrica genannt wird, ist eine Kunst, die gemischten oder zusammen­gesetzten oder zusammengehäufften (aggregata) Cörper, in ihre Principia zu erlegen, oder aus solchen Principiis zu dergleichen Cörper wieder zusammenfügen.“ Stahl begründete mit Becher die Phlogistontheorie, nach der jedem verbrennenden Stoff eine Substanz namens Phlogiston entweicht und bei Erwärmen in sie eindringt, und versuchte so die Oxidations- und Reduktionsvorgänge zu erklären. Diese Theorie wurde durch Antoine Lavoisier 1775 widerlegt.

Georg Ernst Stahl wurde am 22. Oktober 1659 in Ansbach als Sohn des Hofratssekretärs Johann Lorenz Stahl und seiner Frau Marie Sophie geboren. Er besuchte das Gymnasium in Ansbach und studierte ab 1679 Medizin und Chemie an der Universität Jena. 1684 promovierte Stahl, wurde 1687 Hofarzt von Herzog Johann Ernst von Sachsen- Weimar, wurde 1694 Professor der Medizin in Halle und promovierte dort 1702. 1694 hatte er Catharina Margarethe Miculci aus Zerbst geheiratet, doch sie starb im Wochenbett, ihre kleine Tochter 3 Monate später. Seine zweite Frau, Barbara Eleonore Tenzel, die er 1705 heiratete, ereilte das selbe Schicksal im Jahr 1706. Stahl zog sich nach den Schicksalsschlägen zurück und pflegte kaum gesellschaftliche Kontakte. Auch deshalb galt er Zeit seines Lebens als Misanthrop. 1715 wird er Leinarzt von Friedrich Wilhelm I. von Preußen und trägt dazu bei, dass in Berlin eine Ausbildungsstätte für Medizin geschaffen wird und 1727 auch die Ausbildung der Apotheker gesetzlich geregelt wird.

Georg Ernst Stahl war als Mediziner ein Vertreter des Animismus, nach dem alle menschlichen Lebensvorgänge von einer unsterblichen, dem Menschen gleichenden Seele geleistet werden und stand damit im Gegensatz zu Herman Boerhaave und Friedrich Hoffmann, die alles Vorgänge des menschlichen Lebens mechanisch erklärten. Nach Stahl ist die Seele die Ursache jeder Veränderung im Körper und der Blutkreislauf sei das Bindeglied zwischen Seele und Körper, der von der Seele in seinen Funktionen beeinflusst wird. Ursache einer Krankheit ist nach Stahl die Volumenvergrößerung einer Körperflüssigkeit in Anlehnung an die Vier- Säfte- Lehre. Eine Blutung führe z.B. zum Ausgleich dieser Volumenvergrößerung, Fieber sei die Möglichkeit der Seele, Schadstoffe aus dem Körper zu entfernen. Fieber darf daher nach Stahl nicht unterdrückt werden.

Stahl gilt mit seiner Lehre als Vorläufer der Psychosomatik, denn er warnt vor der Überbewertung rein physikalischer und chemischer Prozesse bei der Behandlung von Krankheiten, sondern sagt, dass das Unterbewusste stark auf das Bewusste und den Körper einwirkt, eine Ansicht, die später von Sigmund Freud wieder aufgegriffen wird. Krankheiten entstehen aus Widersprüchen im Willen der Seele, die sich nicht auflösen lassen und sodann in Symptome einer Erkrankung umschlagen.

Georg von Welling

Georg von Welling lebte von 1655 bis 1727, war Bergwerksdirektor, Theosoph und Alchemist, der vor allem durch sein Buch „Opus mago-cabbalisticum et theologicum“, dass zunächst ohne seine Zustimmung veröffentlicht wurde, in Erinnerung geblieben ist. Kabbalistische Symbole in hebräischer Sprache erhalten durch dieses Buch christliche Bedeutungen und bilden so die Basis der christlichen Kabbala. Dieses Werk beeinflusste nicht nur Johann Wolfgang von Goethe sondern auch die Gold- und Rosenkreutzer- Bewegung, die es bis in die 1790er Jahre als Lehrbuch verwendeten.

Georg von Welling stammt aus einer württembergischen Adelsfamilie, doch viel mehr ist darüber nicht bekannt. Geboren wurde er nach eigenen Angaben am 21. Juni 1655 in Kassel. Er begleitete als Hauptmann die Feldzüge Kaiser Leopold I. von 1683 bis 1685, war dann in Diensten von Herzog Heinrich von Anhalt, ab 1705 Bergbaudirektor in Hasserode und 1710 preußischer Legationsrat in berlin. Ab 1717 leitete er alle Bergwerke in Württemberg, doch ab 1720 widmete er sich vor allem der Alchemie, zunächst in Diensten des Markgrafen Karl Wilhelm von Baden, ab 1722 in Diensten des Markgrafen Wilhelm Friedrich von Ansbach. Bis zu seinem Lebensende am 28. Februar 1727 arbeitete er in seinem eigenen Laboratorium in Bockenheim bei Frankfurt am Main. Neben der Alchemie beschäftigte er sich übergreifend mit der Kabbala und gab ihr eine christliche Interpretation.

Johann Friedrich Böttger

Auch Johann Friedrich Böttger wollen wir nicht unerwähnt lassen, auch wenn seine Fähigkeiten in Theorie und Praxis als Alchemist eher bescheiden waren. Böttger lebte von 1682 bis 1719 und ist in Erinnerung geblieben, weil er bei dem Versuch, Gold zu erzeugen, das europäische Porzellan erfand und so das Monopol der Chinesen gebrochen wurde.

Zum Alchemisten soll er durch Laskaris geworden sein, der im Folgenden behandelt wird. 1701 war Böttger Lehrling in der Apotheke Zorn in Berlin, als ein Reisender in einem Gasthaus sich erkundigte, wo er denn Alchemisten in Berlin finden könne. Der Wirt bekannt „An dergleichen Narren sey kein Mangel“ und nannte als nächstes den Apotheker Zorn. Laskaris begab sich dorthin und als er nach einem Medikament fragte, rief man den Lehrling herbei, der in seiner Freizeit oft im Laboratorium der Apotheke alchemistische Experimente durchführte. Dieser Lehrling namens Johann Friedrich Böttger gefiel dem Laskaris und beide verbrachten viel Zeit in Diskussionen über die Experimente. Als Laskaris abreisen wollte, offenbarte er Böttger, dass er im Besitz des Wissens über den Stein der Weisen sei und übergab ihm zwei Unzen seiner Tinktur mit der Aufforderung, drei Tage zu schweigen und dann aber jedem die Umwandlung zu zeigen, auf dass niemand Alchemisten mehr als Narren bezeichnete.

Böttger legte bald seine Tätigkeit in der Apotheke nieder und widmete sich dem Studium der Medizin. Eines Tages rief ihn allerdings der Apotheker Zorn wieder zu sich, hatte zwei Pfarrer zu Besuch, die Böttger zu überzeugen suchten, vom Weg der Alchemie abzukehren. Er wollte ihnen seine Kunst vorführen, doch sie lehnten das Blei, dass Böttger bei sich trug ab, da es ihnen verdächtig erschien und gaben ihm stattdessen Silbergeld. Während das Silbergeld im Tiegel schmolz, holte Böttger eine silberne Büchse hervor, in der sich ein feuerrotes Material ähnlich des Glases befand, von dem er ein Stück abbrach und zu der Schmelze hinzu fügte und das Feuer stärker anfachte. Nach kurzer Zeit konnte er den staunenden Pfarrern das schönste Gold übergeben.

Der Ruhm des Goldmachers verbreitete sich schnell, zumal sich Böttger als Erfinder und Hersteller des Steins der Weisen ausgab. Der König von Preußen, Friedrich I., hatte bald von ihm gehört und ihn einbestellt. Böttger flüchtete im Oktober 1701 und wurde in Wittenberg gefasst. Er schrieb aus der Haft an August den Starken von Sachsen, legte ihm seine Goldmacherei offen und bat darum, unter seinem Schutz in Wittenberg Medizin studieren zu dürfen. Es entbrannte daraufhin ein Streit zwischen August und Friedrich, den schlussendlich August für sich entschied. Allerdings geriet Böttger vom Regen in die Traufe, denn August ließ ihm mitteilen, dass er in Gewahrsam bleiben müsse, zu seinem persönlichen Schutz. Ziel war es aber vor allem, Böttger sein Wissen um den Stein der Weisen abzuringen. Böttger wurde nach Dresden geleitet und zunächst im Hause des Statthalters Egon von Fürstenberg untergebracht, aber dann von Februar bis Mai 1702 in der Festung Königsstein eingesperrt. Doch hier wollte das Experimentieren nicht wirklich gelingen und so durfte er ab Mai 1703 in Dresden im Goldhaus seine Versuche fortsetzen. Doch im Juni 1703 versuchte er, dem Hausarrest zu entkommen und floh über Böhmen nach Österreich, wo er in Enns an der Donau gefangen wurde. Zurück in Dresden wurde er verpflichtet, jedes Jahr Gold im Wert von zweihunderttausend Dukaten und bis 1705 insgesamt Gold im Wert von zehn Millionen Taler herzustellen. Doch es wollte nicht wirklich gelingen und er wurde auf die Albrechtsburg in Meißen verbracht. Der einzige Erfolg war die Herstellung chinesischem Porzellan, die erstmals in Europa gelang, aber August strebte nach Gold und nicht nach weißem Gold. Im September 1706 fielen die Schweden in Sachsen ein und Böttger war ein Jahr zum Nichtstun verdammt. Er wurde in dieser Zeit „Herr mit den drei Dienern“ genannt, sonst meist „Herr Baron“, „Herr Schrader“ oder „die bewusste Person“. Nach dem Abzug der Schweden widmete sich Böttger fast nur noch der Herstellung unterschiedlicher Porzellansorten. Im Dezember 1707 hatte sich der Gesundheitszustand von Böttger verschlechtert und August der Starke befahl, er solle seinem Leibarzt, Dr. Bartolomäi in die Geheimnisse der Porzellanherstellung einweihen und ihn so zu einem sogenannten Arkanisten machen.

Am 23. Jänner 1710 verkündete dann der sächsische Hof die Erfindung des Porzellans und die Öffnung einer Porzellanmanufaktur in Dresden.

Erst am 19. April 1714 erhielt Böttger wieder seine Freiheit, zumindest teilweise, denn er durfte das Land nicht verlassen, musste die Arkana der Porzellanherstellung für sich behalten und wieder der Goldherstellung widmen. Gleichzeitig entzog August die finanziellen Unterstützungen für die Porzellanmanufaktur und da Böttger nicht mit Geld umgehen konnte, war er und die Manufaktur bald bankrott und musste im November 1716 schließen. 1717 wurde der Gesundheitszustand Böttgers auch auf Grund seines Alkoholkonsums immer kritischer, er war zeitweise bettlägrig und meist unfähig,zu arbeiten. Am 13. März 1718 starb Böttger 37- jährig und wurde auf dem Johanniskirchhof begraben.

Emanuel Swedenborg

Emanuel Swedenborg ist neben Jakob Böhme einer der bedeutendsten Vertreter der Theosophie. Er wurde am 29. Jänner 1688 als Emanuel Swedberg und als Sohn des Theologen Jesper Swedberg in Stockholm geboren. Er studierte Philologie, Philosophie, Mathematik, Naturwissenschaft und Theologie an der Universität Uppsala. Ab 1710 bereiste er Europa, besuchte England, die Niederlande, Frankreich und Deutschland und wurde nach seiner Rückkehr 1718 Assessor am Bergwerkskollegium in Stockholm. Während dieser Tätigkeit machte er sich durch eine Vielzahl von Erfindungen und Schriften bekannt, so dass er 1719 von Königin Ulrike unter dem Namen Swedenborg geadelt wurde. Wieder reiste er durch Europa und besuchte dabei vorwiegend Bergwerke in Sachsen, Böhmen und Österreich. Nebenbei schrieb er sein Werk „Opera philosophica et mineralogica“, welches noch ein rein mechanisches Verständnis von den Zusammenhängen der Natur annimmt. Ab 1736 reiste er wieder durch Deutschland, Holland, Frankreich, Italien und England und verriet in seinen nächsten Werken einen Wandel seines Glaubens. Er wandte sich fast ganz der Theosophie zu und erklärte es damit, dass Gott ihm den Auftrag gegeben habe, eine neue Kirche, die später den Namen „Kirche des neuen Jerusalems“ tragen sollte, vorzubereiten, wie sie bereits in der Offenbarung des neuen Testamentes erwähnt ist.

Er beschrieb nun seine Visionen, in denen ihm die Zusammenhänge zwischen Geisterwelt und Menschenwelt enthüllt wurden und aus denen er ein völlig neues System der Religionslehre auf der Grundlage seiner Deutung der Bibel aufbaute. Seine Schriften blieben nicht ohne Widerspruch und so bezeichnete Immanuel Kant ihn als „Kandidaten des Hospitals“, „Erzphantasten unter allen Phantasten“ und sein Werk „Arcana caeletia“ als „acht Quartbände voll Unsinn“.

Ab 1747 widmete er sich ganz der Theosophie und ließ seine staatlichen Aufgaben ruhen, bekam aber vom schwedischen Königshaus eine angemessene Pension, die es ihm finanziell ermöglichte. 1771 reiste er nach London, um seine Ideen vorzutragen, erkrankte aber und starb am 29. März 1771 in London.

Swedenborg hatte erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Theosophie und gilt als Vorläufer der „Kirche des neuen Jerusalem“, da seine Bibelinterpretationen Grundlage dieser Kirche sind.

Laskaris

Laskaris trat um 1700 erstmals in Erscheinung. Allerdings ist über ihn sehr wenig bekannt, weder sein Geburtsjahr noch sein Todesjahr und was bekannt ist, ist mehr Legende als Wahrheit. Nach eigenen Angaben war er Archimandrit, also Vorsteher eines Klosters in Mytilini auf der Insel Lesbos, hatte auch ein Beglaubigungsschreiben des Patriarchen von Konstantinopel bei sich, sprach fließend Griechisch, und bereiste Europa um Geld zu sammeln, dass er Glaubensgenossen aus türkischer Gefangenschaft freikaufen könne. Allerdings stand er auch im Ruf, mehr Geld an die Armen zu spenden, denen er begegnete, als er sammelte. Er erschien seinen Zeitgenossen, die ihn kennenlernten, als gebildeter und guter Unterhalter, der auch vorgab, eine Tinktur zu besitzen, die Blei in Gold verwandeln könne. 1701 traf er in Berlin den an Alchemie interessierten Lehrling Johann Friedrich Böttger. Ihm gab er von seiner Tinktur aus der Böttger dann Gold herstellte. Als dem Böttger die Tinktur ausging, gelang ihm keine weitere Umwandlung und er wurde in Sachsen inhaftiert, wurde aber später der Legende nach von Laskaris, den ein schlechtes Gewissen plagte aus der Gefangenschaft befreit. Er beauftragte Dr. Pasch, der am Hofe August des Starken bekannt war, dem Herrscher ein Angebot von achthunderttausend Dukaten zu machen für die Freilassung des Böttgers. Einige Höflinge überzeugten aber Dr. Pasch, dass eine solch hohe Summe der Freilassung eher entgegen wirken würde, da August sicher denken würde, sein Schützling sei viel mehr wert. So beschlossen sie, den Gefangenen in aller Stille zu befreien und das Geld für sich zu behalten. Dr. Pasch bezog ein Haus neben dem des Böttgers, wo dieser unter Hausarrest stand, konnte diesen tagtäglich beobachten und ihm schließlich Briefe zukommen lassen. Doch der Plan zur Befreiung wurde verraten und Böttger wieder eingesperrt, Dr. Pasch festgesetzt und für drei Jahre auf der Festung Königsstein inhaftiert. Dr. Pasch gelang die Flucht, doch nur zulasten seiner Gesundheit und er starb anderthalb Jahre später in Berlin. Laskaris und Dr. Pasch sahen sich nie wieder.

Einer anderen Legende nach war er Sohn eines griechischen Kaufmanns aus Patmos, wurde um 1650 geboren und bereiste ab 1675 Europa, zunächst Italien und England, später auch die Niederlande, Deutschland, Schweden und besuchte dabei 1689 Königsberg, 1690 Berlin, Leipzig und Prag und 1691 Wien, wo er aufgrund undurchsichtiger Geldgeschäfte vorübergehend verhaftet wurde. Danach verliert sich seine Spur.

Allerdings ist auch jeweils eine Geschichte der Umwandlung von Blei in Gold durch Johann Konrad Dippel im Jahr 1704 in Darmstadt und von Liebknecht in Eger dokumentiert. Es lief jeweils nach dem Schema des Böttgers ab. Ein Lehrling einer Apotheke bekam von Laskaris eine bestimmte Menge einer Tinktur, nutzte diese einige Zeit und gelangte zu bescheidenem Ruhm, doch war genauso arm, wenn die Tinktur aufgebraucht war.

Graf von Saint-Germain

Der Graf von Saint- Germain scheint ebenfalls zu dieser Gruppe der Alchemisten zu gehören, deren Ruf mehr als zweifelhaft ist. Seine Lebensdaten sind bis zu seinem Auftauchen im Jahre 1745 in London unbekannt. Dort sollte er sich bereits zwei Jahre aufgehalten haben, war exzentrischer Geiger, Komponist und Juwelenbesitzer. Von 1756 bis 1760 findet er sich, nach einem Aufenthalt in Wien, in Frankreich, wo er mit detaillierten Plänen zur Invasion Englands beeindruckt und auch mit Anekdoten historischer Ereignisse, die den Anschein vermitteln, er wäre direkt dabei gewesen, auch Jahrhunderte vor der damaligen Zeit. Ludwig XV. ist begeistert und stellt im das Trianon- Palais bei Versaille für alchemistische Experimente und Räume im Loireschloss Chambord für Textilfärbe- Experimente zur Verfügung. In dieser Zeit behauptete er auch, über ein Mittel zu verfügen, dass bei Damen das Altern stoppt, aber er macht aus diesem Wissen kein Geschäft. 1760 war er im Auftrage des Königs unterwegs, mit England ein Ende des Siebenjährigen Krieges auszuhandeln. Als der Außenminister davon erfuhr, ordnete er die Festnahme des Grafen an, der aber Wind davon bekam und nach London flüchtete. Die nächsten Jahre hielt er sich mal in Deutschland, mal in den Niederlanden, mal in Russland oder Italien auf. Gerne bekannte er sich dazu Rosenkreutzer zu sein, bei den Freimaurern geriet er in Verruf, da er einen okkulte Variante vertrat. Der Herzog von Braunschweig ließ ihn 1777 überprüfen und stellte fest, dass „er nicht in die höheren Grade eingeweiht“ sei. Bald zog es ihn ins damals dänische Schleswig, wo er 1784 starb.

Beinahe noch interessanter als sein Leben ist sein Nachleben. Helena Petrovna Blavatsky, eine russische Okkultistin behauptete, er sei einer der drei „geheimen tibetischen Weisen“, die Theosophische Gesellschaft Adyar sieht in ihm den „Meister Racoczi“, einem Meister des 7. Strahls und Reinkarnation von Roger und Francis Bacon. Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie, behauptete in Trance erfahren zu haben, der Graf sei die Reinkarnaton des Christian Rosencreutz. In okkulten Kreisen gilt das Manuskript der heiligen Trinosophie, das umfangreiche Kenntnisse des Talmud, der hebräischen Bibel, sowie der hebräischen, aramäischen, arabischen und jiddischen Sprache offenbart, mit seiner initiatorisch, alchemistischen Offenbarung als solche. Bei der I- Am- Bewegung des Kaliforniers Guy W. Ballard gilt er seit 1930 als spirituelle Leitfigur.

Friedrich Sehfeld

Friedrich Sehfeld gehört auch zu jenen, von denen zunächst wenig bekannt ist. Nicht einmal sein Vorname Friedrich ist wirklich belegt. Bekannt ist, dass er um 1745 in Rodaun bei Wien auftauchte, wohl aus Oberösterreich stammte und behauptete, Gold machen zu können. Sein Vermieter, der Bademeister Friedrich aus Rodaun, der vielleicht sogar Namensgeber des Vornamens ist, verkaufte das Gold in Wien. Sein Gold stellte er aus Zinn her, das er einschmolz und mit einem roten Pulver bestreute. Es stiegt ein handhoher, bunter Schaum auf, der eine viertel Stunde anhielt, dann war das Gold fertig. Sehfeld bezeichnete sich selbst zunächst als Farbenfabrikant und erwarb dafür einen Schutzbrief von Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen. Als sich die Gerüchte um seine alchemistischen Tätigkeiten wie auch die Menge des von ihm in Umlauf gebrachten Goldes mehrten, wurde er trotz Schutzbrief durch Maria Theresia von Österreich, der Gattin Franz Stephans, verhaftet, in Temeswar eingekerkert und gefoltert um seine alchemistischen Geheimnisse zu erfahren. Franz Stephan bewirkte seine Freilassung, schon da er selbst an Alchemie interessiert war. Sehfeld wurde zwar noch durch zwei lothringische Wachleute um die Uhr beaufsichtigt, durfte sich aber nun frei bewegen. Diesen Umstand nutzte er und verschwand, ebenso seine Wächter. Von jenen hörte man nie wieder etwas, wohingegen Sehfeld Jahre später kurz in Amsterdam und bald darauf in Halle an der Saale auftauchte, wo er sehr vorsichtig als Alchemist agierte, dann verliert sich seine Spur.

Carl-Friedrich Zimpel

Carl- Friedrich Zimpel war Infanterie- Offizier, Eisenbahntechniker und Heiler ohne medizinische Ausbildung. Er lebte von 1801 bis 1879 und trug mit dem zimpelschen Heilsystem zur Weiterentwicklung der Spagyrik bei. Er war Anhänger der Homöopathie und versuchte ein Allheilmittel zu entwickeln, dass nicht nur alle Krankheiten beseitigte sondern auch das Leben verlängerte. Zimpels Spagyriksystem basierte auf Extrakten pflanzlicher Herkunft, die er mit alchemistischen Methoden gewann. Allerdings werden die heute unter der Bezeichnung „spag. Zimpel“ nicht mehr nach seiner Beschreibung hergestellt, so dass die bei Zimpels Verfahren enthaltenen pflanzlichen Wirkstoffe in heutigen Produkten nicht mehr enthalten sind.

Alexander von Bernus

Mit Alexander von Bernus treten wir in die moderne Alchemie ein. Von Bernus, der von 1880 bis 1965 lebte, und war zunächst Schriftsteller. Nach dem sein Sohn Alexander Walter „Alwar“ 1912 starb, wandte er sich verstärkt der Anthroposophie, der Philosophie und der Alchemie zu, war Mitglied der Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft, einem Ableger der Theologischen Gesellschaft Adyar und verfolgte mit Interesse das Geschehen in der Anthroposophischen gesellschaft, um offensichtlich die übersinnliche Welt zu erforschen. Er ließ sich scheiden von seiner ersten Frau Adelheit von Sybel und heiratete Imogen von Glasenapp, mit der er eine Tochter, Ursula Pia von Bernus hatte, die später als „Schwarzmagierin“ zu zweifelhaftem Ruhm kam. Von 1916 bis 1920 gab er die philosophisch- anthroposophische „Das Reich“ heraus. Von Bernus arbeitete mit Conrad Johann Glückselig zusammen an der Entwicklung spagyrischer Medizin und betrieb von 1921 bis 1926 ein spagyrisches Laboratorium im Stift Neuburg, dass der Familie gehörte und von ihm 1926 an den Benediktinerorden zurück gegeben wurde. 1929 trennte er sich von seiner zweiten Ehefrau und heiratete Isolde Oberländer. Die gemeinsame Tochter Marina von Bernus heiratete später Peter Fuld, den Sohn des Tenovis- Gründers Harry Fuld. Alexander von Bernus starb 1965 im Schloss Donaumünster in Donauwörth. Einen wirklichen Schüler hatte er nicht und berief sich dabei auf Goethes Faust: „Das Beste was Du wissen kannst, darfst dem Schüler doch nicht sagen.“, Vorwort in seinem Buch „Das Geheimnis der Adepten“, von dem man keine wirklich offenbarten Geheimnisse erwarten darf. Und wie bei Zimpel werden auch nach von Bernus heute noch spagyrische Medikamente mit dem Zusatz „Soluna“ vertrieben

Franz Tausend

Franz Seraph Tausend war das leuchtende Beispiel eines Scharlatans im Gewande des Alchemisten der Moderne. Er lebte von 1884 bis 1942, wo er während der Verbüßung einer Haftstrafe starb. 1920 hatte er eine Villa in Obermenzing gekauft und dort 1921 ein Laboratorium eingerichtet. Bei seinen Experimenten kam er zu einem erstaunlichen Ergebnis: Metalle seien organische Stoffe, die bei richtiger Behandlung wie Pflanzen wachsen würden. Neudeutsch ausgedrückt war das chemische Periodensystem nach Tausends Meinung reine Fake- News. Doch diese in seinem Büchlein „180 Elemente, deren Atomgewichte und Eingliederung in das harmonisch-periodische System“ dargelegte Thesen fanden nicht das erhoffte Echo und nicht die erhofften Geldgeber. In Rudolf Reinhard, einem jungen Rechstreferendaren, der Mitglied der NSDAP seit 1923 war fand er einen Freund und über ihn Zugang zum völkischen und nationalsozialistischen Spektrum. Ab 1925 erklärte Tausend, er könne Gold herstellen und fand einen Geldgeber in General Erich Ludendorff, dem finanziellen „Treuhänder“ des deutschen Reiches unter Hindenburg, genauer, war Ludendorff Aushängeschild und da ihm viele Investoren vertrauten, vertrauten sie auch diesem Anlagetipp. Die sogenannte „Gesellschaft 164“ war das, was man heute eine Geldwäscherei nennt, in diesem Fall für illegale Parteispenden für die NSDAP. Ludendorff, misstrauisch geworden, stieg schon 1927 wieder aus. Doch Franz Tausend gründete die „Chemischen Studiengesellschaft Tausend“ und lebte prächtig von dem investierten Geld, dass er nicht an seine Experimente verschwendete, sondern sich davon Villen und Schlösser kaufte. 1928 wurde das Konkursverfahren gegen die Studiengesellschaft eingeleitet, doch Franz Tausend setzte sich nach Italien ab, wo er die Gesellschaft verkaufen wollte, aber keinen Käufer fand. Er wurde verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert, wo ihm der Prozess gemacht wurde. Ein Journalist bemerkte lakonisch: Wer mit einfachen Methoden in einem fremden Laboratorium in einigen Stunden Gold machen kann, braucht der noch Finanzleute?

Nach der Entlassung im Jahre 1933, nach Verbüßung der Gesamthaftstrafe, begann er sich sofort wieder der Goldmacherei zu widmen, aber weiter ohne Erfolg und hielt er sich lediglich mit kleinen Betrügereien über Wasser, wurde aber 1938 wieder verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus und Sicherungsverwahrung verurteilt. Er starb 1942 in Haft und so war das Kapitel Goldmacherei beendet.

Wie nahe Erfolg und Misserfolg nebeneinander stehen, kann man am Beispiel von Dr. Adalbert Klobasa sehen, der für die Fa. Siemens arbeitete und die 1927 ein patent zur Herstellung von Gold aus Quecksilber anmeldete. Zwar musste es 1935 wieder zurückgezogen werden, da „die Zuverlässigkeit des Verfahrens“ nur unzureichend war, dennoch war der Herr Doktor auch nach diesem Misserfolg ein angesehener Bürger und landete nicht wegen Betruges im Gefängnis.

Carl Gustav Jung

Kein Alchemist im eigentlichen Sinne ist Carl Gustav Jung, und doch hat er die Verbindung von Alchemie und Tiefenpsychologie entwickelt. Jung lebte von 1875 bis 1961 und kam bei seinen Forschungen zur Traumdeutung zu der Feststellung, dass viele Traumbilder archetypischen Symbolen entsprechen, die auch in der Alchemie zu finden sind. Er beschäftigte sich ausführlich mit alchemistischer Literatur und verfügte über eine der bedeutendsten privaten Sammlungen, die er postum auch der Öffentlichkeit zugänglich machte. Nach Jung sind allerdings Transmutationen nicht möglich, und die alchemistische Arbeit ist nur eine Individuationsarbeit, ein Hilfsmittel auf der Suche nach dem eigenen Ich.

C.G. Jung wies aber auch auf die religiöse Bedeutung der Alchemie hin. Alchemie sei eine Unterströmung des Christentums, dass sich verhalte wie der Traum zum Bewusstsein und die Lücke kompensiert, die aus dem Spannungsfeld des Christentums entstanden sei.

Albert Riedel

Albert Richard Riedel war ein deutsch- amerikanischer Alchemist, der unter dem Pseudonym Frater Albertus und Albertus Spygyricus schrieb, von 1911 bis 1984 lebte, und Vertreter der modernen Alchemie war. 1929 wanderte er von Deutschland nach Amerika aus, wo er sich in Salt Lake City nieder ließ und Mitglied im Neu- Rosenkreutzer- Orden AMORC wurde. Er ist Begründer der Paracelsus Research Society und später des Paracelsus College. In seiner Lehre wurde die Alchemie mit Spagyrik, Kabbalah und Astrologie verbunden, die Basis mancher esoterischer Strömung der heutigen Zeit. Riedel starb 1984 und seine Schule wurde geschlossen, seine Ideen leben aber fort.