Confessio Fraternitatis

1615 folgte die „Confessio Fraternitatis. Oder Bekanntnuß der löblichen Brüderschafft deß hochgeehrten Rosen Creutzes an die Gelehrten Europae geschrieben.“ wie die Schrift mit vollem Titel heißt.
Die Confessio nimmt wesentliche Themen der Fama auf um sie weiter zu erläutern und auszuführen. Wie schon die Fama mit vielen lateinischen Ausdrücken gespickt ist, ist die Confessio komplett in Latein und gibt so zu erkennen, dass sie sich vor allem an die gebildeteren Schichten richtet. Ich musste mangels ausreichender Lateinkenntnisse auf das Original verzichten und auf die Übersetzung aus dem gleichen Jahr 1615 zurückgreifen.
Sind die Fama und die chymische Hochzeit als reisebericht oder Märchen zu lesen, so ist die Confessio eher als religiös- politische Schrift zu sehen. Wo die Reise hingeht, steht schon im Vorwort, wo es heißt:
Gleich wie wir aber jetzunder gantz sicher, frey und ohne eynige Gefahr den Bapst zu Rom, den Antichrist nennen, welches hiebevor für ein Todtsünd gehalten werden, und an allen Orten, als Capital mit dem Leben verbüsset worden müste, also wissen wir gewiß, es werde noch einmal die zeit kommen, da wir das jenige, so jetzunder noch ingeheim gehalten wird, frey öffentlich, mit heller Stimme außruffen, und vor jederman bekennen werden…
Im ersten Kapitel wird aber gleich abgeschwächt, es ginge nicht darum, gegen Religion oder weltliche Herrscher zu lästern, sondern lediglich das zu vertiefen und aufzuhellen, was in der Fama zu tief verborgen oder im Dunklen geblieben ist.
Der Ton ist jedoch nur kurz versöhnlich. Im zweiten Kapitel wird gleich einmal die Philosophie als „gantz kranck und mangelhafft“ bezeichnet, so krank, dass sie fast vor dem Hinscheiden sei, obwohl einige Vertreter behaupten, sie sei gesund und stark. Wo aber eine neue Krankheit entsteht, schafft die Natur nach Ansicht der Rosenkreuzer auch die passende Arznei. Die Philosophie ist das Fundament aller Wissenschaften und Künste, der Theologie und der Medizin, und dennoch können alle Gelehrten bei der Bruderschaft mehr wunderbare Geheimnisse finden, als sie bisher erfahren haben.
Im dritten Kapitel weist die Bruderschaft darauf hin, dass sie die Geheimnisse nicht gering achten, es aber auch nicht für Unrecht halten, das Wissen vielen Menschen zugänglich zu machen. Sie sehen aber auch, dass es eben viele gibt, die wegen der Ungelegenheiten der Zeit lieber als Blinde durch den Tag gehen, nichts zu unterscheiden mögen als dass was sie anfassen können.
Sollten einmal alle Bücher, alle Schriften und Literatur verschwinden, so das vierte Kapitel, so lässt sich doch alles Wissen durch Meditation, Erkundung und Forschung, durch göttliche Erweckung oder Offenbarung oder durch langwieriges Beobachten, Üben und Erfahren wird finden, den das Fundament für das neue Schloss ist in uns selbst. Diese Betrachtung der Welt halten die Rosenkreuzer für angenehm, denn dann müsste man sich keine Sorgen machen um Hunger und Armut, Krankheit und Alter, denn dann könnte man jeden Tag so leben, als wärest du vom Anfang der Welt bis zu ihrem Ende dabei. Alles Wissen, auch das ferner Völker, wäre dir nicht fremd und allein aus einem Buch könntest du alles lesen, verstehen und dir behalten. Du könntest singen, nicht für Reichtum oder um wilde Tiere zu zähmen, sondern die Geister anlocken und die Fürsten der Welt beeindrucken. Und nun sei es Gottes Rat, die Zahl der Bruderschaft zu mehren und so viele an diesen Freuden teilhaben zu lassen.
Sollte sich aber jemand beschweren, dass die Bruderschaft ihr Wissen auch dem gemeinen Mann anbietet, so soll dem nicht widersprochen werden. Die Geheimnisse der Bruderschaft werden nicht allgemein bekannt gemacht, obwohl in fünf Sprachen verfasst und jedermann kund getan, aber sie sind den groben, unverständigen und stupiden Naturen nicht zugänglich. Und so sie sie nicht annehmen können, so werden sie auch nicht in die Bruderschaft aufgenommen, nicht aus menschlicher Erwägung, sondern nach den Regeln der Offenbarung der Bruderschaft, da können die Unwürdigen noch so schreien und rufen. In der Bruderschaft wird nach gewissen Graden unterschieden, die sich wie in Damcar nach der Weisheit und Verständigkeit der Brüder richtet. Doch nicht nur die Bruderschaft soll so ausgerichtet sein, auch ganz Europa soll so regiert werden, womit auch die Tyrannei des Papstes ein Ende findet.
Im sechsten Kapitel wird nun das Geburtsjahr von Christian Rosenkreuz genannt. Er soll 1378 geboren und 106 Jahre alt geworden sein, also 1484 gestorben sein. Über seine Erfahrungen mit den Veränderungen der Welt in dieser zeit soll er reichlich Zeugnis abgelegt haben, über den Anderenorts gesprochen werden soll, was leider nie passierte.
Doch wer die Zeichen der Zeit, am Himmel und auf der Erde, erkennt, wird sich berufen führen, sich der Bruderschaft anzuschließen, auch wenn er vielleicht noch an sich zweifelt. Er sollte aber keinen Betrug fürchten, denn die Bruderschaft verheißt öffentlich, das keine Hoffnungen derer enttäuscht werden, die sich unter dem Siegel der Verschwiegenheit bei den Brüdern meldet. Andererseits sagt die Bruderschaft auch, dass falsche Heuchler den Weg zu ihnen nicht finden können, da er nur durch Gottes Willen offenbar würde und sie der Strafe, die in der Fama genannt wurde teilhaftig werden könnten.
Nun wird erwähnt, dass das Ende der Welt bevorstünde und Gott beschlossen hätte, noch rechtzeitig die Wahrheit, das Licht, das Leben und die Herrlichkeit den Menschen zu offenbaren, mit der alle Knechtschaft, Falschheit, Lüge und Finsternis weicht. Der Fall Adams habe eine Unzahl an falschen Meinungen und Ketzerei in die Welt gesetzt, die selbst den Weisesten die Entscheidung schwer macht. Die Irrtümer werden dereinst aufgehoben, der Dank dafür jenen gutgeschrieben, die sich darum bemühten, die Glückseligkeit aber dem Jahrhundert. Und es wird nicht an Vollstreckern des göttlichen Rates mangeln.
Nur sehr wenige Menschen vermochten die Zeichen zu verstehen, die Gott als Botschaften sandte, wie die neuen Sterne im Sternbild Schwan und Schlange, die Zeichen, die das große Buch der Natur allen Menschen offen zeigte, und es doch nur wenige verstanden, darin zu lesen und zu verstehen.
Auch wenn es zwei Ohren, zwei Nasenlöcher und zwei Augen gibt ist jetzt die Zeit der Stimme gekommen, die Zeit mitzuteilen, was man vor Zeiten gesehen, gerochen und gehört hat. Doch die Zeit ist erst da, wenn die Welt aus ihrem schweren Schlaf des Giftes und der Völlerei erwacht, und die Menschen bereit sind ihr mit offenem Herzen, entblößtem Haupt und nackten Füssen fröhlich und freudig entgegen zu gehen.
Im neunten Kapitel wird erwähnt, dass Gott diese Zeichen allen wunderbaren Geschöpfen des Himmels und der Erde, auch allen Tieren, eingeprägt, sodass man wie die Mathematiker und Sterndeuter die zukünftigen Finsternisse vorhersehen kann. Man erkennt daraus aber auch, welche Zeichen und Buchstaben die Rosenkreuzer für ihre magischen Schriften entlehnten und zu einer neuen Sprache machten, in der zugleich die Natur aller Dinge ausgedrückt ist, was kein Wunder ist, da wir auch andere Sprachen sprechen, die durch die Babylonische Verwirrung entstanden sind.
Doch etliche Adlerfedern stehen noch im Weg zum Ziel, dass nur durch fleißiges Lesen der heiligen Bibel erreicht werden kann, was auch den Weg zur Bruderschaft bereitet. So sind alle Menschen der Bruderschaft besonders nahe, die das heilige Buch zur Regel ihres Lebens machen und zum Ziel und Zweck allen Studierens, denn die Bruderschaft prostituiert die heilige Schrift nicht wie viele Ausleger, die sie nach ihrer Meinung deuten oder verspotten. Und doch sagt die Bruderschaft, selig ist, wer die Bibel hat, noch seliger, wer sie fleißig liest, am aller seligsten der, der sie studiert und recht versteht.
Im 11. Kapitel wird nochmals erläutert, dass man nicht gegen die Gabe Gottes redet, Metalle zu verwandeln, jedoch allein die Verwandlung der Metalle nicht unbedingt die Erkenntnis der Natur mit sich bring, dies jedoch die Medizin tut, die noch andere Geheimnisse und Wunder offenbart. So sollen also die Gescheiten nicht zur Tinktur der Metalle angeleitet werden, bevor sie nicht die Erkenntnis der Natur erlangt haben. Nur ein unbesonnenerer törichter Mensch kann glauben, dass in keine Armut, kein Ungemach und keine Krankheit treffen kann, er erhaben über das herrscht, was alle Menschen quält, peinigt und ängstigt, der aber trotzdem Häuser baut, Kriege führt und sonst stolziert, weil er eine unerschöpfliche Quelle von Gold und Silber hätte.
Gott aber gefiel es anders: Er erhöhte die Niedrigen, kränkte die Hoffertigen mit Verachtung, den Stillen schickte er die heiligen Engel um mit ihnen Zwiesprache zu halten und die unnützen Schwätzer verstößt er in die Wüsten und Einöden. Deshalb wird einmal die Zeit kommen, wo die Otter aufhören zu pfeifen und die dreifache Krone vernichtet wird.
Im zwölften Kapitel wird vor Schluss noch darauf verwiesen, dass man die meisten Bücher der falschen Alchemisten wegtun soll, da sie als Scherz oder Kurzweil zu betrachten sind, wenn sie die heilige Dreifaltigkeit zu unnützen Dingen missbrauchen oder mit wundersamen Figuren und dunklen verborgenen Reden die Leute betrügen und die Einfältigen um ihr Geld bringen. Einige Bücher lassen die Wahrheit schwer glauben, da sie schlecht, einfältig und bloß, die Lügen aber prächtig, stattlich und ansehnlich geschmückt werden.
Nun folgt einer der schönsten Sätze der alchemistischen Literatur.
Meydet und fliehet dieselben Bücher, die ihr witzig seyet, unnd wendet euch zu uns, die wir nicht euer Gelt suchen, sondern unsere grosse Schätze euch gutwillig anbieten: wir stellen euren Gütern nicht nach mit erdichteten Lügenhafften Tincturen, sondern wir begehren euch unserer Güter theilhafftig zu machen: Wir reden nicht mit euch durch Sprichwort, sondern wolten euch gerne zur schlechte einfeltigen und gantz verstendlichen Außlegung Erklärung unnd Wissenschafft aller Geheimnüsse anführen: Wir begehren nicht von euch auff und angenommen zu werden, sondern wir laden euch in unsere mehr denn Königliche Häuser unnd Palläste und das alles zwar nicht auß eigenem Gutdüncken, sondern (daß ihres eben wisset) auff Antrieb des Geistes Gottes, von Gott ermahnt, und durch gegenwertiger Zeit Beschaffenheit gezwungen.
Ich lasse den Satz so stehen, denn ich denke, er ist verständlich und wende mich dem 13. Kapitel zu. Nach allem bisher Gesagten ist die Bruderschaft also so: Sie bekennt sich rein und lauter zu Christus, verdammt den papst, ist den wahren Philosophen zugetan, führt ein christliches Leben und laden alle ein, denen Gottes Licht ebenso erschienen ist. Betrachtet eure Gaben und die Unvollkommenheit aller Künste um euch herum sowie die vielen ungereimten Sachen und fragt euch, ob ihr nicht anfangen solltet, nach einer Verbesserung zu streben. Und die Bruderschaft verspricht, dass allen, die sich dazu entschließen, der Nutzen daraus unmittelbar erwächst, dass ihnen alle Güter, die die Natur ausgestreut hat, verliehen und mitgeteilt werden und darüber hinaus alles, was den Verstand verdunkelt und dessen Wirkung behindert, leicht abgelegt und aus der Welt geschaffen werden kann.
Aber die Anderen, die vorwitzig sind, entweder vom Glanz des Goldes geblendet oder jetzt fromm, aber durch den Zuwachs an Gütern leicht verderbt und in Müßiggang verfallend, werden gebeten, die Bruderschaft nicht mit ihrem unzeitigen Geschrei in ihrem wohlbedachten geistlichen Stillschweigen zu stören. Sie sollten bedenken, dass zwar eine Arznei vorhanden sei, die alle Krankheiten heilt, aber dass diejenigen, die gott mit Krankheit plagt und unter seiner Rute halten will, nimmermehr zu dieser Arznei gelangen werden.
Und zum Schluss noch der Hinweis, dass die Bruderschaft ne Gottes besondere Schickung niemandem offenbar würde, ja, niemand könne die Bruderschaft ohne oder gar gegen Gottes Willen finden und an deren Guttaten teilhaftig werden. Eher wird er sein leben im Suchen und Nachforschen verlieren, als dass er die Bruderschaft fände und zur gewünschten Glückseligkeit der Bruderschaft des Rosenkreuzes gelänge.